// Startseite
| Tuttosport |
| +++ Sportzeitung für Italien +++ |
|
|
|
Ein kalter Januarabend in Brescia, 37.345 Zuschauer, die den Atem in weißen Wolken vor sich sahen - und ein Spiel, das ihnen warm ums Herz werden ließ. US Brescia besiegte den FC Udinese mit 2:1 und zeigte dabei, dass Leidenschaft und jugendlicher Eifer manchmal mehr zählen als taktische Perfektion. Die Partie begann munter, als wolle Brescia den Feiertagsblues vertreiben. Schon in der zweiten Minute prüfte Jacob Callahan Udineses Torhüter Luca Lange mit einem satten Schuss. "Ich wollte einfach mal schauen, ob er wach ist", grinste Callahan später. Lange war wach - aber nicht immer. Denn nach 22 Minuten jubelten zunächst die Gäste: Niko Barth, flink wie ein Espresso nach dem Mittagessen, traf nach feinem Zuspiel von Oskar Benz zur 1:0-Führung für Udinese. Ein Tor aus dem Nichts, aber schön anzusehen. "Wir hatten den Ball, aber sie hatten das Tor", brummte Brescias Mittelfeldmotor Maurice Vogel später. Doch Brescia ließ sich nicht lange bitten. In der 33. Minute war es eben jener Vogel, der nach Vorarbeit des erst 21-jährigen Mario Coviello aus zentraler Position eiskalt zum 1:1 traf. "Mario spielt den Ball, als hätte er ihn an der Schnur - und ich musste nur noch den Fuß hinhalten", sagte Vogel. Zwei Minuten später drehte das Stadion endgültig durch: Wieder Coviello als Vorlagengeber, diesmal auf Callahan - und der traf trocken zum 2:1. Zwei Vorlagen in zwei Minuten - der junge Flügelspieler wird wohl demnächst nicht mehr unbemerkt einkaufen gehen können. Danach zog Brescia die Partie an sich, mit 55,8 Prozent Ballbesitz und insgesamt 16 Torschüssen gegenüber Udineses mageren sechs. Udinese-Trainer Giovanni Mirabella stand an der Seitenlinie und gestikulierte wie ein Dirigent ohne Orchester. "Wir haben zu viel reagiert und zu wenig agiert", meinte er später mit einem Seufzer. Nach der Pause wurde es ruhiger - zumindest auf der Anzeigetafel. Die beste Chance im zweiten Durchgang hatte erneut Callahan, der in der 81. Minute knapp verzog. Vogel probierte es noch einmal aus der Distanz (53.), Vincenzo aus spitzem Winkel (72. und 92.), aber das dritte Tor wollte nicht fallen. Udinese versuchte es seinerseits mit Wechseln: Alexandre Roegiers kam für Jose Albinana, Javier Esclapez für den Torschützen Barth, und Filipe Makukula ersetzte den müden Tord Paulsson. Doch die Einwechslungen wirkten eher wie das Umrühren in einer kalten Suppe - keine rechte Würze kam mehr auf. Zwar hatte Esclapez in der 88. Minute noch eine gute Gelegenheit, doch Brescias junger Keeper Antonio Barbieri, gerade einmal 18 Jahre alt, blieb nervenstark. "Ich dachte, er schießt mir den Kopf ab", lachte Barbieri später, "aber der Ball war brav und flog vorbei." Die letzte Viertelstunde war geprägt von Brescias kontrollierter Offensive - oder, wie Trainer (dessen Name der Klub geheimnisvollerweise nicht verraten wollte) es nannte: "Wir haben das Spiel mit Herz verteidigt und mit Hirn verwaltet." Dass Dejan Budan bereits in der 18. Minute Gelb gesehen hatte, störte die Defensive nicht weiter. Der Linksverteidiger agierte danach auffallend diszipliniert. "Ich wollte ja nicht wieder die Schlagzeilen zieren", meinte er augenzwinkernd. Am Ende blieb es beim verdienten 2:1. Brescia zeigte Offensivfreude, Spielfreude und vielleicht auch ein bisschen jugendliche Unbekümmertheit, die Udinese an diesem Abend fehlte. Statistisch untermauert: Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote (53,7 zu 46,2 Prozent). Ein Sieg, der nicht nur in Zahlen überzeugte, sondern auch in Emotionen. "Das war ein Sieg für die Zuschauer", sagte Callahan nach dem Spiel, "und ein kleiner Gruß an alle, die dachten, wir könnten nur defensiv." Und so ging ein intensiver Fußballabend in Brescia zu Ende - mit lauten Gesängen, kalten Fingern und warmen Herzen. Udinese wird sich ärgern, Brescia dagegen darf träumen: vom nächsten Dreier, von der oberen Tabellenhälfte - und vielleicht davon, dass der Winter gar nicht so grau ist, wenn man ihn in Blau-Weiß erlebt. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Zwei Tore, drei Punkte, vier Gläser Wein - so lässt sich der Januar aushalten." 22.02.643987 19:50 |
Sprücheklopfer
Es war toll, es war klasse, es war wie ein Albtraum.
Torsten Legat nach einem hohen Heimsieg