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Brescia tanzt, Genua taumelt - 0:4-Debakel am Hafen

Ein lauer Juniabend, 32.618 Zuschauer im altehrwürdigen Stadio Comunale di Genova, und doch fühlte sich der Auftritt des SC Genua an wie ein Novemberregen: nass, kalt und trostlos. US Brescia kam, sah und siegte - und das mit einer Leichtigkeit, die fast unhöflich wirkte. Am Ende stand ein 0:4, das sogar schmeichelhaft war für die Hausherren.

Schon die ersten Minuten gaben die Richtung vor. Kaum war der Anpfiff verklungen, prüfte Brescias Arsenis Galitsios den Genua-Keeper mit einem Schuss aus 18 Metern. Kurzer Applaus von der Osttribüne - noch war Hoffnung da. Doch sie sollte bald verdampfen. Jacob Danielsen, der dänische Sturmbaum im Brescia-Trikot, feuerte aus allen Lagen. Drei, vier, fünf Mal tauchte er gefährlich vor dem Tor auf, und man fragte sich, ob Genuas Abwehr vielleicht noch im Stau stand.

"Wir wollten mutig sein und offensiv spielen", erklärte Genuas Trainer Mario Roth später. "Leider war Brescia anderer Meinung." Ein Satz, der es in seiner resignierten Schlichtheit zum Zitat des Abends brachte.

Kurz vor der Pause dann der erste Stich: In der 42. Minute setzte sich Emilio Sa Pint über rechts durch, legte quer, und Kai Craven schob eiskalt ein. 0:1 - verdient, klar, aber noch kein Weltuntergang. "Wir wussten, Genua wird nervös, wenn sie zurückliegen", grinste Craven nachher. "Also haben wir einfach weitergemacht."

Und das taten sie. Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, klingelte es schon wieder. Craven, erneut zur Stelle, diesmal nach feinem Zuspiel von Emil Musiala - 0:2 in der 46. Minute. Wer zu spät von der Halbzeitpause zurückkam, hatte das Tor verpasst, aber keine Sorge: Brescia hatte noch mehr im Köcher.

In der 66. Minute durfte dann auch Marco Bellini ran. Nach einer Ecke köpfte er wuchtig ein, während Genuas Verteidiger eher so taten, als wollten sie den Ball höflich durchlassen. "Das war kein Kopfballduell, das war eine Einladung", knurrte ein frustrierter Fan auf der Tribüne.

Brescia spielte weiter, als hinge ihre Zukunft an der Tordifferenz. 23 Schüsse aufs Tor, Ballbesitz fast ausgeglichen (48,9 zu 51,1 Prozent), aber das sagt wenig aus, wenn jede Brescia-Aktion nach Plan und jede Genua-Aktion nach Zufall roch.

In der 85. Minute setzte Luca Falconara den Schlusspunkt. Nach einem sehenswerten Doppelpass mit - natürlich - Kai Craven, drosch er den Ball unhaltbar in den Winkel. Danach hob er entschuldigend die Hände, als wolle er sagen: "Tut mir leid, aber einer musste es ja machen."

"Wir hätten auch sechs kriegen können", räumte Genuas Abwehrchef Tschawdar Karaslawow ein. "Wir haben den Ball, aber sie haben Fußball gespielt." Trainer Roth stand derweil regungslos an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und murmelte angeblich: "Ich geh gleich selbst rein."

Brescia-Coach Peter Hess dagegen genoss den Abend sichtlich. "Unsere Jungs waren heute gierig. Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr in Genua spielt, spielt, als wäre es euer Wohnzimmer." Und tatsächlich: Brescia bewegte sich auf dem Platz, als kenne man jede Bodenwelle persönlich.

Die Statistik erzählte die Geschichte noch einmal in Zahlen: 23:3 Torschüsse für Brescia, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, ein einziger gelber Karton (Alexander Hannigan in der 40. Minute). Genua dagegen? Drei harmlose Abschlüsse, ein bisschen Ballbesitz - und jede Menge ratlose Blicke.

Nach dem Schlusspfiff verließen viele Zuschauer das Stadion schweigend. Nur ein älterer Herr auf der Haupttribüne rief laut: "Das war kein Spiel, das war Nachsitzen!" Vielleicht war das die ehrlichste Analyse des Abends.

Ganz zum Schluss, auf der Pressekonferenz, legte Mario Roth noch nach: "Wir haben offensiv gespielt, das war der Plan. Leider auch defensiv offensiv." Neben ihm grinste Peter Hess nur und meinte trocken: "Lassen wir’s so stehen."

Fazit: US Brescia war an diesem Abend schlicht eine Klasse besser, schneller, präziser, hungriger. SC Genua dagegen wirkte, als hätte man noch den Espresso in der Kabine vergessen. Und so blieb den Heimfans nur, den Gästen höflich zu applaudieren - und auf den nächsten Spieltag zu hoffen. Denn schlimmer, so schien es, konnte es kaum werden.

Doch wer den Fußball kennt, weiß: Es kann immer schlimmer werden.

22.04.644003 12:35
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