Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Brinkerhoffs Goldschuss lässt Tirat Carmel jubeln

Wenn ein Spiel mit 1:0 endet, denkt man oft an ein müdes Abwehrbollwerk, an Glückstreffer und Gähnen auf den Rängen. Doch was sich am Freitagabend im Stadion von Tirat Carmel vor 38.068 Zuschauern abspielte, hatte mit Langeweile herzlich wenig zu tun. Es war ein Abend voller Tempo, vergebener Chancen - und eines einzigen, aber goldwerten Moments: Espen Brinkerhoff, der norwegische Wirbelwind auf der linken Seite, schoss in der 15. Minute das Tor des Tages gegen die Tel Aviv Yellows.

"Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du so triffst, denkst du nicht nach - du genießt nur das Geräusch der Latte, wenn der Ball drunter einschlägt", grinste Brinkerhoff nach dem Spiel, noch immer leicht ungläubig. Und tatsächlich: Sein Treffer, vorbereitet vom quirlig sprintenden Rasmus Clausen, war so etwas wie ein Kunstwerk in einem ansonsten rustikalen Fußballabend.

Trainerin Babsi Klemm hatte ihr Team offensiv eingestellt - und das sah man sofort. Kaum war der Anpfiff verklungen, rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Tel Aviv-Keeper Marian Iwanow zu. Schon in der 5. Minute prüfte Frans Dahl den Schlussmann, wenig später folgten Schüsse von Oliveira, Cantwell, und natürlich Brinkerhoff selbst. Insgesamt 17 Torschüsse verzeichneten die Gastgeber - ein Wert, der eigentlich für zwei Spiele reichen sollte.

Doch es blieb beim einen Treffer. Und das lag vor allem an Iwanow, der mit einer Mischung aus jugendlicher Furchtlosigkeit und akrobatischer Verzweiflung alles hielt, was auf ihn zuflog. "Wenn du 90 Minuten lang Bälle aus allen Ecken fliegen siehst, lernst du schnell zu beten", murmelte der 22-Jährige später mit einem trockenen Lächeln.

Die Yellows dagegen wirkten, als hätten sie ihr Navi falsch programmiert. Nur viermal fanden sie überhaupt den Weg auf das gegnerische Tor - meistens ungefährlich, manchmal sogar unfreiwillig komisch. So flog François Reiters frühe Direktabnahme (4.) eher auf die Tribüne als auf den Kasten von Georg Danielsen. Der Torwart von Tirat Carmel hatte einen jener Abende, an denen man mehr friert als schwitzt. "Ich hätte mir fast einen Stuhl reingestellt", witzelte er später, "aber dann kam in der 69. Minute dieser Schuss von O’Brien, da war ich wieder wach."

Tel Aviv agierte insgesamt zu brav. Das taktische Konzept - "balanced" nennt man das offiziell - wirkte auf dem Platz eher wie ein vorsichtiges Herantasten, als wolle man niemandem wehtun. Kein Pressing, wenig Biss, kaum Risiko. Und während die Gäste sich in der eigenen Hälfte sortierten, schob Klemm an der Seitenlinie ungeduldig die Kapuze hinauf und hinab. "Wir haben ihnen zu viel Raum gegeben, aber wenigstens hat meine Mannschaft das Herz gezeigt, das ich sehen wollte", sagte sie nach dem Abpfiff - nicht ohne ein stolzes Funkeln in den Augen.

Dramatik kam kurz vor der Stunde auf, als Frans Dahl nach einem Sprintduell mit Petrona verletzt liegen blieb. Die Fans hielten den Atem an, Trainerin Klemm schickte sofort Rahim Erkin aufs Feld. Der Neue brachte frischen Wind, doch das Spiel blieb beim vertrauten Muster: Tirat Carmel stürmte, Tel Aviv überlebte.

Was die Statistik angeht, war das Ergebnis fast eine Beleidigung für den Aufwand der Gastgeber: 51,9 Prozent Ballbesitz, 17:4 Torschüsse, bessere Zweikampfquote - und trotzdem musste bis zur letzten Minute gezittert werden. Denn ein einziger abgefälschter Ball hätte alles kippen können. In der Nachspielzeit flog dann noch ein wilder Befreiungsschlag von Oliveira über die Mittellinie direkt in die Hände von Babsi Klemm. "Ich hab kurz überlegt, ob ich ihn selbst reinspiele", lachte sie später, "aber ich glaube, das wäre nicht regelkonform gewesen."

Am Ende blieb es beim 1:0. Ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet knapp, aber verdient war. Brinkerhoff, umringt von Reportern, fasste es trocken zusammen: "Wir hätten zehn machen können, aber einer reicht ja, wenn man ihn richtig trifft."

Für die Yellows hingegen bleibt ein Abend zum Vergessen. Ihr Trainer - der sich nach dem Spiel wortkarg zeigte - soll in der Kabine nur gesagt haben: "Wir haben sicher gespielt, aber Fußball ist kein Versicherungsvertrag." Ein Satz, der vielleicht als Motto für diesen Abend taugt.

Denn Tirat Carmel spielte nicht auf Sicherheit. Sie spielten auf Sieg - leidenschaftlich, ein bisschen wild, manchmal unpräzise, aber immer mit Herz. Und genau das wurde belohnt.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Ein Tor? Reicht doch - Hauptsache, Espen war’s!"

Manchmal sind es eben die einfachen Geschichten, die den Fußball so schön machen.

18.03.643994 20:36
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Meine Besonderheit ist, dass ich das Gleiche wie alle anderen Männer auch tue mit Frauen, nur 20 Minuten kürzer.
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