Außenseiter
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Bruchsal verspielt Führung - Pirmasens dreht das Spiel in letzter Minute

Manchmal ist Fußball wie ein schlecht gelauntes Theaterstück: Der Held steht kurz vor dem Happy End, nur um dann vom Nebencharakter mit einem billigen Trick von der Bühne geschubst zu werden. Genau diese Geschichte erlebten die 2851 Zuschauer am Freitagabend in Bruchsal, als der FC Bruchsal nach einer furiosen ersten Halbzeit noch mit 2:3 gegen den FK Pirmasens verlor.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Schon nach 13 Minuten zappelte der Ball das erste Mal im Netz - und zwar im richtigen. Marcio Gimenez, quirlig wie ein Espresso doppio, jagte das Leder nach Vorlage von Yannick Brückner unter die Latte. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich, ich wollte eigentlich flanken", grinste der 21-Jährige später. Bruchsal, das Team von Trainer Manfred Wieland, spielte in den ersten 30 Minuten wie entfesselt, mit viel Pressing über die Flügel und mutigem Kurzpassspiel.

In der 28. Minute legte Yannik Voss nach. Nach feinem Zuspiel von Noe Deco zog er aus halblinker Position ab - 2:0, und die Stadionwurst schmeckte plötzlich doppelt so gut. "Da dachte ich, wir haben sie im Sack", sagte Kapitän Florian Sonnenschein. "Tja, dachten wir alle."

Denn Pirmasens, das zuvor Chancen am Fließband vergeben hatte (am Ende 21 Torschüsse, die meisten davon in die Wolken oder in die Arme von Bruchsals Torwart Arne Gabriel), kam noch vor der Pause zurück. Rechtsverteidiger Ulf Eriksen, eigentlich eher für rustikale Grätschen bekannt, traf in der 34. Minute nach Vorarbeit von Nikolai Dotschew zum 2:1. "Ich hab einfach mal gemacht", kommentierte Eriksen trocken. "Meine Mutter sagt immer, schieß, wenn du kannst."

Mit diesem Anschlusstreffer änderte sich das Spiel. Pirmasens-Trainerin Gudrun Schweitzer - die einzige Frau an der Seitenlinie der Oberliga C - gestikulierte wild, stellte auf noch offensiver um und brachte in der 39. Minute den 17-jährigen Stefan Keller. Eine Einwechslung, die sich später als goldrichtig herausstellen sollte.

Nach dem Seitenwechsel kippte die Partie endgültig. Bruchsal, zuvor mutig, zog sich zurück, als wolle man das Ergebnis verwalten. Pirmasens dagegen spielte, als wäre das Spielfeld ein Laufband - immer in Bewegung, immer nach vorne. In der 61. Minute fiel der Ausgleich: Hugo Alves, der portugiesische Linksfuß mit der Ruhe eines Yoga-Lehrers, nahm eine Ablage von Innenverteidiger Tiago Gomes volley - 2:2.

"Da war plötzlich das Zittern in den Beinen", gab FC-Trainer Manfred Wieland später zu. "Wir haben vergessen, dass Ballbesitz auch Verteidigung ist." Tatsächlich: 54 Prozent Ballbesitz sprachen am Ende für den Gast, ebenso eine Zweikampfquote von 56 Prozent. Bruchsal hielt kämpferisch dagegen, aber es war, als würde man mit einem Teelöffel einen Staudamm abdichten.

Dann kam die 87. Minute. Der junge Stefan Keller, eben jener Joker aus der 39. Minute, stahl sich in den Strafraum, bekam den Ball von Noah Specht und schob eiskalt ein. 3:2 für Pirmasens - das Stadion verstummte, nur der Gästeblock explodierte. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin ist", sagte Keller nach dem Spiel verschmitzt. "Dann hab ich nur noch Leute auf mir liegen gehabt."

Die letzten Minuten? Ein wildes Anrennen der Bruchsaler, ein verzweifelter Schuss von Erik Klug in der 90. Minute, der aber mehr in den Nachthimmel als aufs Tor ging. Danach war Schluss - und man sah 22 erschöpfte Spieler, die sich in der kühlen Märznacht abklatschten.

"Wir haben die erste Halbzeit verschlafen", meinte Pirmasens-Coach Schweitzer nach dem Spiel, "aber dann hat die Mannschaft sich selbst wachgeklatscht." Ihr Kollege Wieland suchte die Schuld bei seiner Defensive: "Drei Tore aus der Distanz - das ist wie drei Mückenstiche, die sich entzünden. Am Ende tut’s weh."

So stand am Ende ein 2:3 (2:1), das den Gästen aus der Pfalz drei Punkte und jede Menge Selbstvertrauen einbrachte. Bruchsal hingegen bleibt die Erkenntnis, dass ein Fußballspiel 90 Minuten dauert - und manchmal sogar ein bisschen länger im Kopf nachhallt.

Vielleicht tröstet der Gedanke, dass auch Tragödien Applaus verdienen. Und wer weiß - vielleicht wird aus diesem bitteren Abend irgendwann die schönste Anekdote in der Kabine: "Wisst ihr noch, damals gegen Pirmasens...?"

17.10.643993 18:53
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Ich lerne nicht extra französisch für die Spieler, wo dieser Sprache nicht mächtig sind.
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