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56975 Zuschauer im Brugger Stadion bekamen an diesem frostigen Januarabend Fußball, wie man ihn in Brugg lange nicht gesehen hat: leidenschaftlich, zielstrebig und - ja, man wagt es kaum zu sagen - fast elegant. Der FC Brugg besiegte Blau-Weiss Luzern am 9. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit 3:0 (1:0) und machte dabei deutlich, dass man in dieser Saison mehr vorhat als nur den sicheren Klassenerhalt. Von Beginn an war klar, wer Herr im Haus ist. Schon in der sechsten Minute prüfte Brandon Madigan Luzerns Torhüter Lasse Rauch erstmals ernsthaft. Der Schlussmann lenkte den Ball noch über die Latte, doch das war nur der Auftakt zu einem Abend, an dem Madigan die Luzerner Abwehr fast im Alleingang schwindlig spielte. Nach mehreren weiteren Abschlüssen fand er in der 38. Minute schließlich die Lücke: Nach feiner Vorarbeit von Cristian Morabito zog der bullige Linksaußen von der Strafraumkante ab und traf flach ins rechte Eck - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man so oft probiert, darf auch mal einer reingehen", grinste Madigan später im Kabinengang, während er sich den Schweiß mit einem Handtuch abwischte. Die Gäste aus Luzern, von Trainer Reinhard Wild offensiv ausgerichtet und mit langen Bällen operierend, hatten ihre Momente - aber eben nur Momente. Julien Achard versuchte es aus der Distanz (16.), Ilias Chalbinski scheiterte an Bruggs Keeper Luka Cvitanovic (32.). Danach aber übernahm Brugg endgültig das Kommando und ließ den Ball bei 58 Prozent Ballbesitz sicher durch die eigenen Reihen laufen. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, setzte Morabito selbst zum großen Auftritt an. Der 23-jährige Mittelfeldmotor stürmte nach einem Doppelpass mit Linksverteidiger Wsewolod Morosow in den Strafraum und schob abgeklärt zum 2:0 (47.) ein. "Wir hatten in der Pause gesagt, dass wir nachlegen müssen. Und Cristian hat das wörtlich genommen", lachte Trainer Stefan Schreiner später auf der Pressekonferenz. Luzern reagierte mit mehreren Wechseln - Barros kam für Chalbinski, Born für Gramont, später Chawanow für Giuliani - doch am Spielverlauf änderte das wenig. Statt Aufbäumen erlebte man bei den Blau-Weissen eher ein resigniertes Schulterzucken. Jean-Pierre Carey holte sich in der 77. Minute noch Gelb ab, als er Madigan an der Seitenlinie unsanft stoppte. Die endgültige Entscheidung fiel in der 61. Minute - und das ausgerechnet durch einen Abwehrspieler. Stanislav Gancarczyk, normalerweise eher mit Grätschen als mit Toren beschäftigt, nutzte eine abgewehrte Ecke, die Morabito clever zurücklegte, und drosch den Ball humorlos unter die Latte. 3:0. "Ich wusste gar nicht, dass ich so schießen kann", meinte der 31-Jährige und grinste breit. Danach verwaltete Brugg das Ergebnis souverän. Morabito hatte sogar noch Lust auf ein zweites Tor (84.), Brandt vergab zwei Chancen (80., 85.), und selbst Rechtsverteidiger Gancarczyk probierte es in der Nachspielzeit noch einmal (91.). Insgesamt feuerte Brugg 19 Schüsse auf das Luzerner Tor ab - fast viermal so viele wie der Gegner. Luzerns Trainer Wild wirkte nach dem Schlusspfiff ratlos: "Wir wollten über die Mitte kommen, aber Brugg hat uns dort einfach erstickt. Wenn du keine zweiten Bälle gewinnst, kannst du hier nichts holen." Ganz anders die Stimmung bei den Gastgebern. Schreiner lobte sein Team: "Das war heute reif. Wir haben das Spiel kontrolliert, die Balance gehalten und im richtigen Moment zugeschlagen." Und tatsächlich: Die Brugger wirkten an diesem Abend wie ein Team, das weiß, was es tut. Keine Hektik, keine wilden Pressingläufe, stattdessen ruhiger Aufbau, sicheres Passspiel und zielgerichtete Offensivaktionen. Selbst die jungen Einwechselspieler Dominique Berger und Frederic Rupp, beide erst 18, fügten sich in den letzten Minuten nahtlos ein. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit Standing Ovations. Einer rief aus der Kurve: "So spielt ein Aufsteiger!" - worauf Madigan nur lachte und in Richtung Tribüne winkte. Vielleicht war es nur ein Spieltag im kalten Januar. Vielleicht aber auch der Abend, an dem der FC Brugg zeigte, dass er mehr ist als ein sympathischer Underdog. Drei Tore, drei Punkte, ein klarer Fingerzeig: In Brugg wächst etwas. Oder, wie Morabito es zusammenfasste, als er mit einem Becher heißer Schokolade in der Hand aus der Kabine trat: "Wenn wir so weiterspielen, wird’s eine lange Saison - für die anderen." 21.04.643987 17:59 |
Sprücheklopfer
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