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33491 Zuschauer im Stadion von Bocs sahen an diesem frostigen Januarabend ein Spiel, das zunächst nach einer Heimparty roch - und dann doch in einer bitteren Ernüchterung endete. Am Ende stand ein 1:3 (1:1) gegen den BSV Elore, der sich mit eiskalter Effizienz und einem glänzend aufgelegten Edmund Szusza durchsetzte. Dabei hatte alles so gut begonnen für die Mannschaft von Matze Klopp. In der 19. Minute war es Carlos Antonio, der nach einem feinen Doppelpass mit Mladen Zdravkovic den Ball trocken ins rechte Eck setzte. Während die Fans jubelten, grinste Antonio später: "Ich hab einfach mal draufgehalten - so eine Eingebung hat man ja nicht jeden Tag." Klopp klatschte an der Seitenlinie Beifall, und die Bocs wirkten, als wollten sie die Partie früh entschieden wissen. Doch der BSV Elore, trainiert von der stets gelassen wirkenden Kurumi Makishima, ließ sich nicht beirren. Mit einer offensiven Ausrichtung, die von Beginn an auf Risiko setzte, erspielten sich die Gäste zunehmend Chancen. In der 34. Minute schlug es dann ein: Ahmet Arat, der zuvor schon mit zwei gefährlichen Vorlagen aufgefallen war, nahm einen Pass von Uwe Schindler auf, zog von links nach innen und traf flach ins lange Eck - 1:1. "Ich hab’s einfach gespürt, dass der Keeper da einen Spalt offenlässt", grinste Arat nach dem Spiel, als wäre das alles Teil eines Plans gewesen. Die erste Halbzeit endete ausgeglichen - zumindest auf der Anzeigetafel. Statistisch hatte Bocs mit 56 Prozent Ballbesitz zwar mehr vom Spiel, aber Elore war das gefährlichere Team. 16 Torschüsse der Gäste gegenüber 11 der Heimelf sprechen eine deutliche Sprache: Während Bocs den Ball lieber noch einmal querlegte, suchte Elore den Abschluss - jederzeit, wie es die Taktik "Shooting: ANYTIME" treffend beschreibt. Nach der Pause wurde es dann ein Lehrstück in Sachen Effektivität. In der 57. Minute war es wieder Edmund Szusza, der nach Vorarbeit von Arat zur Stelle war. Seelenruhig nahm er den Ball im Strafraum an, schaute kurz - und schob ein. 2:1 für Elore. Das Publikum murmelte, Klopp warf seine Mütze fast in den Rasen. "Wir haben da einfach gepennt", gab Verteidiger Nicolaas Comstock später zu. Nur acht Minuten später legte Szusza nach. Diesmal kam die Flanke von der rechten Seite, Stefan Fogl verlängerte per Kopf - und Szusza wuchtete das Leder aus kurzer Distanz in die Maschen. 65. Minute, 1:3. "Das war schon fast zu einfach", sagte der Doppeltorschütze später mit einem Augenzwinkern. Makishima, sonst eher sparsam mit Gefühlsausbrüchen, ballte die Faust und drehte sich zum Betreuerstab: "Genau so wollte ich das sehen." Bocs versuchte danach, mit viel Ballbesitz und kurzen Pässen wieder ins Spiel zu finden. Alfie Hamlin rackerte auf der rechten Seite, Zdravkovic prüfte den Torwart in der 81. und 86. Minute - doch das Leder wollte nicht mehr ins Netz. Selbst in der Nachspielzeit, als Hamlin noch einmal aus spitzem Winkel abzog, blieb der Elore-Keeper Vilmos Orth Sieger. In der Schlussphase wechselte Makishima clever: Der 17-jährige Gyula Bicskei durfte in der 90. Minute noch sein Debüt feiern - für den ausgepowerten Szusza, der mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde. "Ich wollte, dass er den Applaus bekommt, den er verdient", sagte die Trainerin später und lächelte zufrieden in die Kameras. Matze Klopp dagegen suchte nach Erklärungen. "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb", sagte er mit bitterem Lächeln. "Wenn du vorne alles ausspielst, aber nicht triffst, dann klingelt’s halt hinten." So bleibt festzuhalten: SE Bocs spielte gefällig, hatte mehr Ballbesitz, aber Elore spielte zielstrebiger, mutiger - und am Ende schlicht klüger. Drei Tore aus wenigen klaren Chancen sind der Beweis, dass manchmal weniger Ballkontakte mehr Punkte bringen. Ein Fan fasste es auf der Tribüne trocken zusammen: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Und am Ende zählt halt das." Kurumi Makishima nahm’s sportlich: "Das war ein Sieg der Disziplin. Und von Edmunds linkem Fuß", lachte sie, bevor sie Richtung Kabine verschwand. Während Elore jubelte, blieb Bocs mit gesenkten Köpfen zurück. Das Publikum spendete trotzdem Applaus - vielleicht auch, weil man wusste, dass so ein Abend manchmal einfach nicht zu gewinnen ist. Und irgendwo auf dem Rasen lag noch Klopps Mütze - Symbol einer Partie, die mit Hoffnung begann und mit einem kalten Elore-Wind endete. 16.06.643987 17:52 |
Sprücheklopfer
Über Trainer rede ich nicht in der Öffentlichkeit. Es sei denn, ich stelle einen ein oder schmeiße ihn raus.
Rudi Assauer