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20.000 Zuschauer hatten sich an diesem frostigen 6. Januar im Stadion von Tatabánya eingefunden, wohl in der Hoffnung, dass der FC Tatabánya im sechsten Spieltag der 1. Liga Ungarn ein Feuerwerk zündet. Bekommen haben sie eines - allerdings auf der falschen Seite des Spielfelds. Der BSV Elore schoss sich mit 6:0 (2:0) in geradezu gnadenloser Spiellaune ins neue Jahr und ließ den Gastgebern nur die Aufgabe, die Bälle aus dem Netz zu holen. "Ich wusste gar nicht, dass man mit so wenig Ballbesitz so viel Schaden anrichten kann", murmelte Tatabányas Kapitän Israel Levy nach dem Spiel kopfschüttelnd. Seine Mannschaft hatte mit 51 Prozent sogar leicht mehr vom Ball - was aber nur statistisch tröstet, wenn man gleichzeitig sechsmal hinter sich greifen muss. Schon in der 31. Minute nahm das Unheil seinen Lauf. Der 19-jährige Jaime Sancho, ein Wirbelwind auf dem linken Flügel, sprang in eine halbhohe Hereingabe von Njazi Kolkka und drückte den Ball über die Linie. Tatabánya-Keeper Jeno Konrad streckte sich vergeblich. "Ich habe nur den Einschlag gehört", bekannte er später ehrlich. Zwölf Minuten später war es Miklós Sebes, der nach feinem Zuspiel von Archie Cort eiskalt zum 0:2 einschob. Zur Pause war die Partie zwar statistisch offen, aber gefühlt schon entschieden. Die zweite Hälfte begann, wie die erste geendet hatte - mit einem Angriffswirbel der Gäste. Ahmet Arat, der linke Mittelfeldmotor von Elore, zog in der 50. Minute aus knapp 20 Metern ab, der Ball segelte perfekt ins rechte obere Eck. Assistiert hatte Rechtsverteidiger Torsten Ingimarsson, der danach breit grinste: "Ich spiele sonst eher Rückpässe. Heute war mir nach Kunst." Tatabánya versuchte, das Debakel zu stoppen, stellte auf kontrolliertes Mittelfeldspiel um, blieb aber harmlos. Vier Torschüsse in 90 Minuten - das war die ganze Ausbeute. Der Gegner kam auf 16, und fast jeder zweite davon roch nach Tor. In der 53. Minute durfte dann auch Kolkka selbst jubeln. Nach Doppelpass mit Sebes schlenzte der 32-Jährige den Ball ins lange Eck - 0:4, und Trainer Kurumi Makishima von Elore klatschte zufrieden in die Hände. "Wir haben das umgesetzt, was wir seit Wochen trainieren: treffen." Obwohl Elore längst alles im Griff hatte, blieb die Mannschaft gierig. In der 83. Minute kam der junge Bulgare Dimitar Bonew, erst kurz zuvor für Taner Demirkiran eingewechselt, und markierte nach Vorarbeit von Cort das 0:5. Bei Tatabánya stand nun endgültig niemand mehr richtig. Nur Konrad versuchte es noch mit Galgenhumor und rief seinem Innenverteidiger Vilmos Koplarovics zu: "Vielleicht zählt’s doppelt, wenn wir endlich einen Einwurf gewinnen!" Als dann in der Nachspielzeit auch noch der 17-jährige Gyula Bicskei sein erstes Profitor erzielte - ein flacher Abschluss nach Pass von Uwe Schindler zum 0:6 - brandete sogar Applaus von den neutralen Zuschauern auf. "Ich hab nur geschossen, weil ich dachte, der Schlusspfiff kommt gleich", sagte der Teenager hinterher schüchtern. Tatabánya-Coach, der sich nach dem Spiel hinter der Coaching-Zone wortkarg gab, wurde gefragt, was er seinen Spielern jetzt sagen werde. "Vermutlich, dass wir wenigstens die Platzbeleuchtung gewonnen haben", kam es trocken zurück. Dass Elore trotz klarer Überlegenheit nicht übermäßig aggressiv spielte, zeigte die Statistik: nur eine Gelbe Karte (Kolkka, 20. Minute) und ansonsten faire Zweikämpfe. Tatabánya hatte zwar mehr Ballbesitz, aber weniger Zugriff - die Zweikampfquote sprach mit knapp 56 Prozent klar für die Gäste. Makishima, die Trainerin der Sieger, fasste das Spektakel mit typisch japanischer Gelassenheit zusammen: "Wir wollten Spaß haben. Sechs Tore sind Spaß." Dann lächelte sie und verschwand in den Katakomben, während ihre Spieler noch auf dem Rasen tanzten. So bleibt vom Abend in Tatabánya vor allem ein bitterer Nachgeschmack für die Hausherren - und die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Tore schießt. BSV Elore hingegen setzte ein Ausrufezeichen im Titelrennen der ungarischen Liga. Sechs Tore, sechs Vorlagen, sechsfacher Jubel - ein Dreikönigsgeschenk der etwas anderen Art. Man darf gespannt sein, ob Tatabánya aus dieser Lehrstunde lernt. Oder um es mit einem Fan zu sagen, der beim Ausgang des Stadions den Kopf schüttelte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil. Heute hatten wir nicht mal den." 27.03.643987 18:57 |
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Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt