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Ein lauer Frühlingsabend, Flutlicht, 4750 Zuschauer im Stadion an der Friesoyther Straße - und am Ende ein kollektives Seufzen in Cloppenburg. Der BV Cloppenburg unterlag am 34. Spieltag der Regionalliga B dem FC Wusterwitz mit 1:2 (0:1). Ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet so knapp klingt, wie es sich emotional schmerzhaft anfühlte. Dabei war Cloppenburg, zumindest statistisch, der Herr im Haus: 60 Prozent Ballbesitz, doppelt so viele Pässe, mehr Spielanteile und doch stand am Ende die alte Fußballweisheit im Raum: Wer seine Chancen nicht nutzt, wird bestraft. Wusterwitz nutzte seine wenigen Gelegenheiten mit chirurgischer Präzision - und das gleich früh. Schon in der 7. Minute zappelte der Ball im Netz der Cloppenburger, nachdem der 19-jährige Luca Philipp einen blitzsauberen Angriff über Walther Buchholz eiskalt abschloss. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht, einfach draufgehauen", grinste Philipp nach dem Spiel, noch mit Rasenflecken auf dem Knie. Trainer Tom Fritz klopfte ihm anerkennend auf die Schulter: "Jugendlicher Leichtsinn kann manchmal Gold wert sein." Cloppenburg wirkte in der Folge wie ein Boxer, der nach einem frühen Treffer erst mal seine Deckung wiederfinden muss. Rene Diarra und Dirk Graf prüften mehrfach Wusterwitz-Keeper Phillip Zimmermann, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, in die Rolle eines unüberwindbaren Superhelden zu schlüpfen. "Ich hab einfach versucht, den Ball aufzuhalten. Alles andere war Glück - oder Reflex", lachte der 20-Jährige mit einem Augenzwinkern. Die 14 Torschüsse der Gäste standen acht Cloppenburger Versuchen gegenüber - eine Statistik, die nicht so recht zu den 60 Prozent Ballbesitz passte. Wusterwitz stand tief, lauerte und konterte mit der Präzision eines Uhrwerks. Cloppenburg kombinierte gefällig, aber ineffektiv - wie ein Gourmetkoch, der am Ende das Salz vergisst. Nach der Pause kam der BV entschlossen aus der Kabine. Trainer - nennen wir ihn der Vollständigkeit halber Herrn Schmidt, auch wenn er sich nach dem Spiel wohl lieber nicht zitieren lassen wollte - hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. In der 61. Minute brachte eine sehenswerte Kombination endlich den Ausgleich: Finn Brandt flankte maßgenau auf Dirk Graf, der volley zum 1:1 traf. Das Stadion tobte, die Bank sprang auf, und selbst der Stadionsprecher klang kurz, als würde er an Wunder glauben. Doch Wusterwitz blieb unbeeindruckt. Nur acht Minuten später (69.) schlug Finn Roth nach Vorlage von - wie könnte es anders sein - Luca Philipp zurück. Mit einem trockenen Schuss ins lange Eck brachte er den FC wieder in Führung. "Wir wollten zeigen, dass wir auch nach Rückschlägen ruhig bleiben können", sagte Coach Fritz später. "Außerdem war’s ja nicht wirklich ein Rückschlag, nur ein kleiner Ausrutscher im Plan." Sarkasmus? Vielleicht. Selbstbewusstsein? Definitiv. Cloppenburg drängte, ließ den Ball laufen, doch die Ideen gingen aus. Rene Diarra scheiterte in der 86. Minute erneut, diesmal um Zentimeter. "Ich seh den Ball schon drin - und dann hoppelt er vorbei. Das ist Fußball, oder Folter", murmelte er später in der Mixed Zone. In der Nachspielzeit gab’s noch gelbe Karten für Arino (90.) und Quiles (93.), während Wusterwitz-Stürmer Curt Fröhlich verletzt vom Platz humpelte - der Schreckmoment des Abends, der aber laut Trainer Fritz glimpflich ausging: "Zerrung, nix Dramatisches. Der Junge ist härter als mein Kaffee." Am Ende blieb Cloppenburg ratlos zurück. Man hatte mehr vom Spiel, aber weniger vom Ergebnis. Wusterwitz dagegen jubelte ausgelassen, als hätte man gerade den Aufstieg klargemacht. Vielleicht war’s auch einfach Erleichterung. "So ein Sieg in Cloppenburg ist wie ein guter Whisky - brennt erst, wärmt dann", kommentierte Kapitän Marco Müller, bevor er sich über den Bus in die Heimat freute. Für Cloppenburg heißt’s: Mund abputzen, weitergehen. Für Wusterwitz: drei Punkte, zwei Tore, ein Lächeln. Und für die neutralen Zuschauer? Ein unterhaltsamer Abend, der einmal mehr bewies, dass Fußball nicht gerecht, aber herrlich unberechenbar ist. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne es trocken formulierte: "Die hatten den Ball, die anderen die Punkte - klassisch Cloppenburg eben." 15.02.643997 15:22 |
Sprücheklopfer
Wir brüllen beide so laut, dass wir uns über's Spielfeld unterhalten können.
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