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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Sparta Caslav den Weg nach Bystrc überhaupt hätte antreten sollen. 27.179 Zuschauer sahen am 19. Spieltag der 1. Liga Tschechien ein einseitiges 4:0-Spektakel, in dem der FC Bystrc-Kninicky so spielfreudig war, dass Trainer Carsten Achenbach nach dem Abpfiff nur trocken meinte: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn wir schon im Januar frieren müssen, dann wenigstens mit Stil." Und Stil hatten sie. Schon in der Anfangsphase rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Caslav-Keeper Jakub Jeslinek. Bereits nach fünf Minuten prüfte Karel Dostalek den Torwart mit einem satten Schuss - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Die Gäste? Zwei kümmerliche Torschüsse, irgendwo zwischen Alibi und Verzweiflung. In der 28. Minute platzte der Knoten: Rolando Maiera, der spätere Mann des Abends, drosch den Ball nach klugem Zuspiel von Claude Carrier unhaltbar in den Winkel. Das Stadion war plötzlich warm. Caslavs Abwehr stand so verloren herum, dass man fast Mitleid bekam - fast. Elf Minuten später legte Gianmarco Morabito nach. Nach einer butterweichen Flanke von Roman Coupek nahm er den Ball volley - 2:0. Die Bystrc-Fans sangen, die Caslav-Spieler schauten betreten zu Boden. Zur Pause wechselte Achenbach gleich dreifach - unter anderem kam der 18-jährige Tomas Bejbl für Morabito. Ein Coup, wie sich später herausstellen sollte. "Der Junge war nervös, klar", verriet Achenbach später. "Ich hab ihm gesagt: Lauf einfach, als wäre das hier dein Schulsport." Offenbar hat er das wörtlich genommen. Caslavs Trainer, der ungenannt bleiben wollte (vielleicht aus Selbstschutz), schickte seine Mannschaft auch in der zweiten Halbzeit mit offensiver Ausrichtung aufs Feld, doch was nützt Offensive, wenn man den Ball nicht hat? Bystrc dominierte mit 56 Prozent Ballbesitz, führte Zweikämpfe mit 59 Prozent Erfolgsquote und schoss insgesamt 22-mal aufs Tor. Die Gäste? Zwei Mal. In Worten: zwei. Die zweite Halbzeit war ein Lehrfilm in Sachen Geduld. Maiera, der sich auf dem linken Flügel austobte, ließ in der 88. Minute wieder die Muskeln spielen. Nach einer Vorlage von Rechtsverteidiger Rafael Götz verwandelte er trocken zum 3:0. Während die Fans schon die Schals schwenkten, kam der große Moment des Abends: Nachspielzeit, 94. Minute - der Youngster Bejbl, eben jener Schüler, der in der Pause noch gezittert hatte, bekam den Ball von Götz serviert und knallte ihn rein. 4:0. Stadion kollektiv im Freudentaumel. "Ich hab einfach draufgehauen", grinste Bejbl nach dem Spiel, noch mit roten Wangen. "Trainer meinte, ich soll laufen. Hat er vergessen zu sagen, wohin." Selbst die Gelben Karten konnten die Party nicht trüben. Eine für Götz (71.), eine für Bejbl selbst (91.) - beide nahmen es mit Humor. "Wenn du vier Tore machst, darfst du dir auch mal eine Verwarnung leisten", zwinkerte Götz. Bei Caslav hingegen sahen gleich drei Mann Gelb, was sinnbildlich für ihre Frustration stand. Sparta Caslav wirkte, als hätte man ihnen die Gebrauchsanweisung für Fußball weggenommen. Kein Pressing, kein Konzept, keine Struktur - dafür aber höfliches Zuschauen. Ihre offensive Grundordnung mutete irgendwann wie ein schlechter Witz an. "Wir wollten offensiv spielen", murmelte Caslav-Stürmer Martin Pacanda später. "Aber der Ball wollte nicht mitmachen." Die Statistik erzählt denselben Witz, nur etwas trockener: 22:2 Schüsse aufs Tor, 55,7 Prozent Ballbesitz, 4:0 Tore. Bystrc spielte wie aufgezogen, Caslav wie ferngesteuert. Trainer Achenbach, der sonst für seine nüchternen Analysen bekannt ist, ließ sich nach dem Schlusspfiff zu einem Schmunzeln hinreißen: "Wenn ich was zu meckern hätte, wäre das unfair. Die Jungs haben’s verstanden: Fußball ist kein Wunschkonzert - aber heute war’s nah dran." Und so blieb nach 94 Minuten ein klarer Sieger zurück: FC Bystrc-Kninicky, das Team mit Offensivdrang, Charakter und einer ordentlichen Portion Spielfreude. Caslav dagegen wird froh sein, dass Fußballspiele irgendwann enden. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne es süffisant formulierte: "Manchmal ist 4:0 noch gnädig." 27.08.643987 04:00 |
Sprücheklopfer
Der Uli Hoeneß hat ja Alzheimer.
Rainer Calmund