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Es gibt Fußballabende, die riechen nach Drama, Schweiß und verzweifeltem Aufbäumen. Und dann gibt es Spiele wie dieses: ein 0:5-Debakel, das selbst den hartgesottensten Fans von Signa Olmütz die Bierbecher in der Hand gefrieren ließ. 12.500 Zuschauer im Andrův-Stadion sahen, wie der FC Bystrc-Kninicky am 34. Spieltag der 1. Liga Tschechien ausgerechnet am Sonntagabend Lehrbuchfußball demonstrierte - und die Gastgeber in ihre Einzelteile zerlegte. Begonnen hatte alles noch recht harmlos. Olmütz stand stabil, hatte fast 48 Prozent Ballbesitz, tat also, was Trainerhandbücher "kontrollierte Defensive" nennen. Doch was hilft Kontrolle, wenn der Gegner in jedem Angriff aussieht, als wolle er das Tornetz mitnehmen? Bereits in der Anfangsviertelstunde prüften Rolando Maiera und Ole Arst den Olmützer Keeper Alexander Arndt mehrfach - noch hielt der Rückhalt stand. Bis zur 42. Minute: Harri Nieminen, der finnische Uhrmacher im Mittelfeld der Gäste, legte den Ball butterweich in den Lauf von Ole Arst. Der Norweger nahm Maß, ließ Arndt keine Chance - 0:1. Kein Jubel, sondern ein kühles Nicken in Richtung Bank. "Ich wusste, dass das sitzt", sagte Arst später mit einem Grinsen, "der Pass war zu schön, um ihn zu vergeigen." Nach dem Seitenwechsel kam, was man in Olmütz künftig wohl nur noch "die Viertelstunde des Grauens" nennen wird. Bystrc-Kninicky presste, als ginge es um Leben und Tod, und Signa wirkte wie ein Team, das gerade aus dem Wochenende zurückgekehrt war. In der 60. Minute erhöhte der bärenstarke Rolando Maiera nach erneuter Vorlage von Nieminen auf 0:2. Danach brachen alle Dämme. August Brun, der bullige Mittelstürmer, wuchtete in der 74. Minute eine Flanke von Zoran Divic zum 0:3 in die Maschen. Zwei Minuten später durfte sogar Innenverteidiger Karel Jarolim in die Torschützenliste - nach Eckball von Filipe Meira, Kopfball, Tor, 0:4. Und als wäre es ein Drehbuch, das unbedingt noch ein Sahnehäubchen braucht, machte Maiera in der 83. Minute nach Vorarbeit von Divic mit seinem zweiten Treffer den Deckel drauf: 0:5. Die Statistik liest sich wie ein Verhörprotokoll: 22 Torschüsse für Bystrc, nur vier für Olmütz. Ballbesitz nahezu ausgeglichen, aber Zweikämpfe, Tempo, Ideen - alles klar bei den Gästen. Trainer Carsten Achenbach stand nach Abpfiff mit einem zufriedenen Lächeln am Spielfeldrand. "Wir wollten offensiv bleiben, auch beim Stand von 3:0. Wenn du anfängst, Mitleid zu haben, bist du im Fußball fehl am Platz," sagte er und zwinkerte dabei in Richtung seiner Spieler. Auf der anderen Seite wirkte die Stimmung eher frostig. Ein enttäuschter Harri Tihinen, der in der 77. Minute noch Gelb gesehen hatte, murmelte: "Manchmal kommt man einfach nicht in die Zweikämpfe. Heute kam ich nicht einmal in die Kameraeinstellung." Torwart Arndt versuchte, wenigstens den Humor zu bewahren: "Ich hab lange nichts zu tun gehabt diese Saison - heute war’s ein Überstundenabend." Selbst die Fans von Olmütz, die sonst für ihre Treue bekannt sind, verließen zehn Minuten vor Schluss reihenweise das Stadion. Ein älterer Herr mit Klubschal rief beim Gehen: "Ich geh heim, das Ergebnis weiß ich jetzt schon!" - er sollte recht behalten. Ein kleiner Trost für die Gastgeber: Der Ballbesitz war fast ausgeglichen, das Passspiel solide, und niemand flog vom Platz. Aber das war’s dann auch schon mit den positiven Erkenntnissen. Bystrc-Kninicky beherrschte das Geschehen nach Belieben, und selbst die Verletzung von Torschütze Jarolim kurz vor Schluss konnte die Euphorie nicht trüben. "Es zwickt etwas im Oberschenkel, aber bei 5:0 kann man auch mal humpelnd lächeln", witzelte der Abwehrmann später. So endete ein Abend, der in den Annalen von Olmütz wohl als Warnsignal stehen bleibt. Fünf Tore kassiert, keines erzielt, und das alles vor heimischem Publikum. Bystrc-Kninicky dagegen verabschiedet sich mit einem Offensivfeuerwerk aus der Saison - und mit der Erkenntnis, dass man mit konsequentem Pressing, mutigem Offensivgeist und einem Schuss nordischer Kälte selbst auswärts ganze Städte zum Schweigen bringen kann. Oder, wie Trainer Achenbach es trocken zusammenfasste: "Das war kein Spiel - das war eine Demonstration." Und wer im Stadion war, wird ihm kaum widersprechen. 15.02.643997 13:35 |
Sprücheklopfer
Ich glaube, er ist DIN A4.
Dragoslav Stepanovic auf die Frage, wie sein neuer Vertrag in Frankfurt aussieht