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Wenn man 20.000 Zuschauer in ein Stadion lockt, möchte man ihnen eigentlich etwas bieten. Sporting Audaz bemühte sich redlich, aber gegen die Offensivmaschine von CD Aucas sah das Ganze am Freitagabend eher nach Lehrstunde als nach Heimspiel aus. 0:2 hieß es am Ende - und das schmeichelte den Gastgebern, die über 90 Minuten mit 37 Prozent Ballbesitz und einem einzigen Torschuss zu Werke gingen. Schon in der ersten Minute wollte der junge Enrico Rosso zeigen, dass Audaz sich nicht verstecken würde. Sein Schuss - der erste und letzte gefährliche der Hausherren - rauschte aber freundlich am Tor vorbei. Danach begann das große Aucas-Orchester, angeführt von einem glänzend aufgelegten Flügelduo um Manuel Marco und Rafael Albinana. Letzterer war es auch, der in der 24. Minute nach einem schnellen Doppelpass über links das 0:1 erzielte. Marco hatte mustergültig vorgelegt, und Albinana drosch den Ball trocken ins kurze Eck. Trainer Feli Horn an der Seitenlinie sah da schon recht nachdenklich aus. "Wir wollten kompakt stehen, aber die standen einfach überall", murmelte er später. Sein Gegenüber Mister Zvenson grinste nur: "Wir haben offensiv gespielt, weil das unser Beruf ist." Die Gäste zeigten, was eine offensive Ausrichtung mit Flügelspiel und aggressivem Nachsetzen bewirken kann. Ganze 23 Torschüsse - und das, obwohl sie phasenweise so locker kombinierten, dass selbst ihr Torwart Noe Peyroteo vor Langeweile zwei Dehnübungen absolvierte. Anton Bloch versuchte es mehrfach, scheiterte aber an Audaz-Keeper Toni Sauso, der sich als einzige Lichtgestalt im Defensivchaos erwies. Kurz vor der Pause zückte der Schiedsrichter die zweite Gelbe Karte des Abends. Nach Walter Krämers frühem Eintrag ins Notizbuch in der 2. Minute erwischte es nun Aucas-Stürmer Bloch. "Er hat mich gar nicht gesehen", verteidigte sich der 31-Jährige später lachend. Die Zuschauer sahen es ähnlich - allerdings im Sinne von: Niemand sah, was Bloch eigentlich vorhatte. Mit einem 0:1 ging es in die Kabinen, doch wer auf ein Aufbäumen der Gastgeber hoffte, wurde schnell ernüchtert. Marc Koch holte sich direkt nach Wiederanpfiff die nächste Gelbe ab, als er einen Außenstürmer ummähte, der gerade wieder Tempo aufnehmen wollte. "Da musste ich hin", erklärte Koch. "Sonst wäre er ja wieder gelaufen." Und gelaufen wurde bei Aucas weiter, und wie. In der 52. Minute spielte der 22-jährige Mittelfeldmotor Xabier Sousa einen Pass in den Lauf von Aitor Barros, der keine Sekunde zögerte und das Leder eiskalt unter die Latte hämmerte - 0:2. Das Stadion seufzte kollektiv, als hätte jemand die Luft rausgelassen. Danach verwalteten die Gäste das Spiel mit der Selbstverständlichkeit einer Mannschaft, die genau weiß, dass heute nichts mehr anbrennen wird. Selbst eine Verletzung von Torschütze Albinana in der 57. Minute brachte sie nicht aus dem Rhythmus. Ersatzmann Agemar Dominguez fügte sich nahtlos ein, und Mister Zvenson gestattete seinen Spielern für die letzten 20 Minuten sogar etwas weniger Aggressivität. "Wir wollten ihnen noch ein bisschen den Ball gönnen", sagte er süffisant. Sporting Audaz mühte sich, fand aber weder Struktur noch Mut. Ihre Passquote blieb ordentlich, aber die Angriffe endeten meist irgendwo zwischen Mittellinie und gegnerischem Strafraum. Als Niklas Hauser in der 58. Minute eine weitere Verwarnung kassierte, schien der Frust endgültig durch. Die Schlussphase gehörte wieder ganz Aucas. Manuel Marco prüfte den Torwart in der 80. und 90. Minute noch zweimal, als wolle er sagen: "Ich könnte noch, wenn ich wollte." Im Publikum rief ein Fan lachend: "Gebt uns wenigstens den Ball als Souvenir!" Nach Abpfiff applaudierten die Aucas-Spieler ihren rund 2.000 mitgereisten Fans, während die Heimelf mit gesenkten Köpfen verschwand. "Wir sind jung, wir lernen", meinte Trainer Horn, der sich trotz der Niederlage kämpferisch gab. "Heute haben wir gesehen, was Tempo bedeutet. Nächste Woche nehmen wir vielleicht das Fahrrad mit." CD Aucas dagegen setzte ein Ausrufezeichen im Titelrennen der 1. Liga Ecuador. Zwei Tore, 23 Abschlüsse und ein taktisch souveräner Auftritt - das war eine Machtdemonstration. Mister Zvenson brachte es auf den Punkt: "Wir wollten zeigen, dass Offensive kein Risiko ist, sondern unsere Natur." In Audaz wird man hoffen, dass die Natur in der kommenden Woche etwas gnädiger ausfällt. Denn gegen Aucas hatte man das Gefühl, dass selbst ein Regenschauer mehr Ballkontakte gehabt hätte. 14.04.643997 11:20 |
Sprücheklopfer
Das ist doch nicht weltbewegend, wenn ich einen Neuville auf rechts habe, und der spielt halt auf Rechtsaußen. Und der Bode spielt links, das ist eben so - und der Bierhoff in der Mitte.
Olaf Thon zur Taktik von Erich Ribbeck