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31171 Zuschauer im Estadio Cerrensano sahen am Samstagabend ein Spiel, das in die Kategorie "Lehrstunde mit Showeffekt" fällt. CD Cerrense besiegte Deportivo Marde mit 3:0, und das Ergebnis schmeichelte den Gästen fast noch. Drei Tore, 23 Torschüsse, ein Mittelfeldmotor in Galaform - die Mannschaft von Trainer Leahcim Gnipeur präsentierte sich in der 1. Liga Uruguay als ernsthafter Titelkandidat. Von der ersten Minute an war klar, wer hier das Drehbuch schrieb. Bereits nach zwei Minuten prüfte Gerd Vilhelmsen den gegnerischen Torhüter - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. "Wir wollten zeigen, dass wir daheim keine Geschenke verteilen", grinste der 32-Jährige später. In der 25. Minute war es dann so weit: Vilhelmsen hämmerte den Ball nach Vorarbeit von Knud Brinkmann unter die Latte - 1:0, pure Entschlossenheit. Trainer Gnipeur jubelte kurz, drehte sich dann zum vierten Offiziellen und fragte halb im Scherz: "Können wir jetzt abpfeifen? Ich hab alles gesehen, was ich sehen wollte." Deportivo Marde, das nominell mit mehr Ballbesitz (53 Prozent) das Spiel bestimmte, wirkte wie ein Tourist, der den Stadtplan falsch herum hält: viel Bewegung, aber keine Orientierung. Sechs Torschüsse blieben am Ende auf dem Zettel - die meisten harmlos, einige direkt in die Arme von Cerrenses Keeper Joseba Mendes. "Wir hatten das Gefühl, sie wollten gar nicht treffen", spottete Cerrenses Abwehrchef Arnau Sa Pint, bevor er in der 69. Minute ausgewechselt wurde. Die Gäste kassierten in der 35. Minute die erste Gelbe Karte, als Linksverteidiger Tim Scifo Ryan Skene unsanft stoppte. "Ich wollte nur das Trikot tauschen - vorzeitig", verteidigte sich Scifo mit einem schiefen Lächeln nach dem Spiel. Auch Alejandro Galvao sah Gelb, als er in der 54. Minute mehr den Gegner als den Ball traf. Cerrense blieb indes unbeeindruckt. In der 63. Minute zirkelte Knud Brinkmann den Ball nach feiner Vorarbeit von Sean MacPhee zum 2:0 ins Netz. Ein Treffer, der so elegant war, dass die Zuschauer kurz verstummten, um ihn zu begreifen. "Ich hab einfach abgezogen, bevor ich nachgedacht habe", gab Brinkmann später zu. "Vielleicht sollte ich das öfter tun." Kurz darauf kam der Moment für den jüngsten im Team: In der 69. Minute ersetzte der 21-jährige Xabier Sainz den routinierten Sa Pint - und der Youngster schrieb prompt Geschichte. In der 92. Minute, als Deportivo längst um Schadensbegrenzung bemüht war, stieg Sainz nach einer Ecke von Brinkmann am höchsten und nickte zum 3:0-Endstand ein. "Mein erstes Ligator, und dann so eins!", jubelte er, während Gnipeur ihn mit einem väterlichen Schulterklopfen bedachte. Der Trainer kommentierte trocken: "Ich hab ihn gebracht, damit er lernt, wie man verteidigt. Jetzt muss ich ihm das Verteidigen wohl wieder beibringen." Dass Cerrense trotz weniger Ballbesitz das Spiel dominierte, lag an der gnadenlosen Effizienz und einem klaren taktischen Plan. Offensiv ausgerichtet, mit ausgewogenem Passspiel und sicherem Abschlussverhalten - Gnipeurs Mannschaft presste gezielt und ließ Marde kaum Räume. Die Gäste hingegen wirkten mit ihrer "balancierten" Spielweise wie eine Band, die nur die Proben spielt, aber nie den Auftritt wagt. Am Ende stand ein 3:0, das in seiner Deutlichkeit gerechtfertigt war. Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 23:6 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Cerrense. Selbst der Stadionsprecher verhaspelte sich beim Verkünden des Endstands vor Begeisterung. "Wir haben uns heute selbst belohnt", sagte Gnipeur in der Pressekonferenz. "Und wenn man drei Tore macht, darf man auch mal lächeln." Sein Kollege von Deportivo Marde, der sich anonym halten wollte ("Schreiben Sie einfach, ich sei enttäuscht"), fasste das Spiel nüchtern zusammen: "Wir hatten mehr Ballbesitz. Leider hat der Ball das nicht gemerkt." So bleibt CD Cerrense nach dem dritten Spieltag oben dran, während Deportivo Marde mit sich selbst ringt. Die Zuschauer gingen beschwingt nach Hause, viele mit dem Gefühl, Zeugen eines kleinen Fußballfestes gewesen zu sein. Und irgendwo in der Kabine soll Gnipeur noch gesagt haben: "Wenn wir so weiter machen, kauft uns bald keiner mehr die Eintrittskarten - weil sie lieber zuhause bleiben und Tore zählen." Ein Problem, das jeder Trainer wohl gern hätte. 22.06.643990 05:52 |
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Wenn ich am Ende vorn stehe, können mich die Leute auch Arschloch nennen. Das ist mir egal.
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