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Celtic stolpert, Selkirk tanzt - 2:3 im Glasgower Flutlicht

Es war ein Dienstagabend, wie ihn die Fans in Glasgow so lieben - kalt, laut und voller Hoffnung. 32.206 Zuschauer wollten im Celtic Park sehen, wie ihre Grün-Weißen den 19. Spieltag der 1. Liga Schottland mit einem Heimsieg veredeln. Am Ende aber stand ein 2:3 gegen Selkirk Athletic, das sich anfühlte, als hätte jemand mitten im Jubel die Stadionbeleuchtung ausgeschaltet.

Dabei begann alles nach Plan. Schon in der 6. Minute ließ Diego Vaz die Tribünen beben. Nach feinem Zuspiel von Robin Mercator zimmerte der Linksaußen den Ball trocken ins rechte Eck - 1:0, die Celtic-Welt war in Ordnung. "Da dachte ich, das läuft heute durch wie Butter auf Toast", grinste Trainer Ralf Bücheler später bitter.

Doch Selkirk hatte offenbar anderes vor. In der 29. Minute traf Mario Pace nach einer schönen Kombination über Marc Piccard - 1:1. Nur zwei Minuten später legte Michele Di Giovanni nach, wieder auf Vorlage von Piccard. Und weil es gerade so schön war, erzielte Di Giovanni in der 32. Minute gleich noch einen Treffer, diesmal nach Pass von Age Bergmann. Drei Tore in vier Minuten - und plötzlich war es mucksmäuschenstill im Celtic Park, abgesehen von 400 mitgereisten Selkirk-Fans, die aussahen, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen.

"Wir waren da einfach zu brav, zu nett. Fußball ist kein Tee-Nachmittag", schimpfte Bücheler in der Pause. Seine Mannschaft hatte zwar 53 Prozent Ballbesitz und 19 Torschüsse, aber Selkirk machte aus acht Versuchen drei Treffer - gnadenlos effizient.

Die zweite Halbzeit begann mit einem Wechsel auf beiden Seiten: Bei Celtic kam Harry Lorring für Antonio Simao, bei Selkirk mussten Edward Forbes und Logan MacFarlane für die jungen MacArthur und Obitz Platz machen. Und tatsächlich, Celtic rannte an. Zwischen der 55. und 75. Minute war Selkirk kaum aus der eigenen Hälfte herauszubekommen. Die Gäste verteidigten mit allem, was sie hatten - inklusive des linken Beins von Ryan Sutherland, das nach Gelb in der 28. Minute und Gelb-Rot in der 62. dann doch zu viel Engagement zeigte. "Ich hab’ nur den Ball gesehen", behauptete der 20-Jährige später, während sein Trainer Jan Moese trocken anmerkte: "Ja, wahrscheinlich im Nachhinein auf dem Video."

Mit einem Mann mehr drückte Celtic. Radek Lecjaks und Nelson Quaresma schickten Flanke um Flanke in den Strafraum, Olivier Cornet scheiterte gleich dreimal knapp. In der 67. Minute kam schließlich die Erlösung: Mercator krönte seine starke Partie mit einem Schuss aus spitzem Winkel - 2:3, Vorlage Lecjaks. Das Stadion lebte wieder.

Doch Selkirk hielt stand, verteidigte sich in Unterzahl mit Leidenschaft und einer Prise Chaos. Torhüter Joao Velez pflückte in der 84. Minute eine Hereingabe von Lorring aus der Luft, als hinge sein Leben daran. "Ich dachte, wenn der reingeht, krieg ich nie wieder was zu Weihnachten", scherzte er nach dem Spiel - charmant, aber wohl nicht ganz unwahr.

In der Nachspielzeit (91.) versuchte Antonio Varela noch einmal sein Glück, sein Schuss strich über die Latte. Danach pfiff der Schiedsrichter ab - und Selkirk jubelte, als hätte man gerade in Glasgow die Weltmeisterschaft gewonnen.

"Wir haben heute gelernt, dass Statistik keine Tore schießt", murmelte Bücheler, während er auf die Anzeigetafel blickte. 53 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse, vier Gelbe Karten - und kein Punkt. Sein Gegenüber Moese grinste: "Ich sag’s meinen Jungs immer: Wenn der Ball im Netz ist, ist mir die Prozentzahl egal."

So entführte Selkirk Athletic drei Punkte aus Glasgow, trotz Unterzahl und geringerer Spielanteile. Celtic dagegen bleibt die Erkenntnis, dass man selbst mit Dauerdruck und Flutlichtromantik manchmal einfach den Kürzeren zieht.

Zum Schluss meinte ein älterer Fan auf der Tribüne mit typisch schottischem Humor: "Wenn sie so weitermachen, sparen wir wenigstens Nerven - die sind bald alle." Und vielleicht ist genau das der Trost in einer Nacht, in der Celtic stolperte und Selkirk tanzte.

27.08.643987 04:12
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