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Cerrense tanzt durch Hispana - 4:0 und kein Ende in Sicht

Wer am Sonntagabend ins "Estadio Central" kam, bekam nicht das erwartet enge Duell zweier Traditionsvereine, sondern eine Lehrstunde in Sachen Effektivität. CD Cerrense überrollte Gastgeber Central Hispana mit 4:0 (1:0) und ließ dabei nie Zweifel daran, wer hier das Kommando führt. 20.000 Zuschauer sahen, wie Jose Enrique Vazquez und seine Kollegen das Spielfeld in eine private Showbühne verwandelten.

Dabei begann alles harmlos. Central Hispana, gewohnt solide und mit einem Ballbesitz von 50,4 Prozent sogar leicht überlegen, versuchte zunächst, das Spiel zu kontrollieren. Trainer Gnipeur von Cerrense grinste später: "Sie wollten uns den Ball überlassen - wir haben ihn einfach wieder geholt." Schon nach einer Viertelstunde bekam Linksverteidiger Hans Jakobsen Gelb, offenbar weil er das Grinsen seines Trainers zu wörtlich nahm und zu beherzt in einen Zweikampf ging.

In der 25. Minute dann der Dosenöffner: Ruben Benitez chipte den Ball über die Abwehr, Jose Enrique Vazquez nahm ihn mit der Brust und drosch ihn unter die Latte - 0:1. Der Jubel im Gästeblock war lauter als die Lautsprecheranlage, und Vazquez rief danach Richtung Tribüne: "Das war erst der Anfang!" Er sollte recht behalten.

Central Hispana antwortete zwar mit zwei Halbchancen - Leandro Prieto in der 46. Minute und Francisco Mascarenhas fünf Minuten später - doch Torwart Joseba Mendes parierte jeweils mit der Gelassenheit eines Mannes, der wusste, dass vorne gleich wieder etwas passieren würde.

Während Hispana defensiv "ausgewogen" agierte, also weder Fisch noch Fleisch, blieb Cerrense seiner offensiven Linie treu. "Wir spielen immer auf Sieg, auch wenn wir schon führen", erklärte Coach Leahcim Gnipeur später mit einem Schulterzucken. Seine Mannschaft verstand die Botschaft: In der 70. Minute legte Joao Gomes nach. Nach feiner Vorarbeit von Ryan Skene zog er von links nach innen und vollendete mit einem Schlenzer ins lange Eck - 0:2, ästhetisch und eiskalt zugleich.

Nun brach bei Hispana alles auseinander. Man konnte fast sehen, wie die Köpfe hingen - und die Beine gleich mit. Neun Minuten später, in der 79., war wieder Vazquez zur Stelle, diesmal nach erneutem Zuspiel von Benitez. Der Stürmer stürmte, der Torhüter zögerte, und das Netz zappelte zum dritten Mal. Vazquez grinste nach seinem Doppelpack: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber wenn der Ball rein will, dann lass ich ihn halt."

Das 0:4 in der 85. Minute war dann der Schlusspunkt einer einseitigen Vorstellung: Benitez selbst krönte seine starke Partie mit einem satten Rechtsschuss nach Vorarbeit des rechten Verteidigers Joshua Rose. "Ich hab einfach mal draufgehalten", meinte der 25‑Jährige hinterher bescheiden - und musste sich das Lachen verkneifen.

Statistisch liest sich das Ergebnis fast gnädig. Cerrense hatte 13 Torschüsse, Hispana ganze drei. Der Ballbesitz war ausgeglichen, doch in den Zweikämpfen gewannen die Gäste fast 56 Prozent. "Wir waren körperlich und mental nicht da", erklärte ein sichtlich frustrierter Hispana‑Keeper Domingo Morais. "Manchmal ist 50 Prozent Ballbesitz eben wie 0 Prozent Wirkung."

Auch die Zuschauer schwankten zwischen Staunen und Galgenhumor. "Wenn wir weiter so spielen, kriegen wir bald Eintrittsgeld zurück", witzelte ein Fan auf der Tribüne. Ein anderer rief: "Gebt dem Vazquez doch gleich den Schlüssel zum Stadion!" - ein Vorschlag, der bei der aktuellen Form des Cerrense‑Angreifers gar nicht so abwegig klingt.

Trainer Gnipeur seinerseits blieb trotz des deutlichen Sieges nüchtern: "Vier Tore sind schön, aber ich habe drei Chancen gesehen, die wir besser ausspielen müssen." Man mag sich fragen, was dann passiert, wenn Cerrense einmal seine Chancen *wirklich* nutzt.

Für Central Hispana war es ein Abend zum Vergessen. Kein Tor, kein Trost, aber immerhin eine Erkenntnis: Gegen einen Gegner, der mit "vollem Einsatz" spielt, reicht gepflegtes Kurzpassspiel nicht. Vielleicht hilft beim nächsten Mal ein bisschen weniger Balance und ein bisschen mehr Mut.

Am dritten Spieltag der 1. Liga Uruguay hat CD Cerrense jedenfalls ein Ausrufezeichen gesetzt - und Central Hispana in die Realität zurückgeschickt. Oder, wie Vazquez es formulierte, bevor er grinsend in den Mannschaftsbus stieg: "Wir sind noch lange nicht satt."

Und das dürfte für die kommenden Gegner eher eine Drohung als ein Versprechen sein.

03.09.644000 22:03
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