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Es war einer dieser Abende in Uruguay, an denen die Sonne noch glühte, das Publikum schwitzte - und die Spieler beider Teams alles gaben, was die Lunge hergab. 28.627 Zuschauer im Estadio de Cerrense erlebten beim 1:1 zwischen CD Cerrense und den Gauchos Montevideo ein Spiel, das gleichermaßen von Leidenschaft, verpassten Chancen und einem späten Nadelstich geprägt war. Trainer Leahcim Gnipeur hatte seine Cerrense-Elf gewohnt offensiv eingestellt - "Wenn wir zu Hause mauern, kann ich gleich in den Karpfenweiher gehen und Fische zählen", scherzte er vor dem Anpfiff. Und tatsächlich: Seine Mannschaft legte los wie die Feuerwehr. In den ersten 20 Minuten brannte es mehrfach im Strafraum der Gauchos. Nael Marques prüfte den Gästekeeper Cristobal Antonio bereits in der 9. Minute, Jose Enrique Vazquez legte kurz darauf nach. Die Gauchos hingegen wirkten zunächst so, als hätten sie sich im falschen Film wiedergefunden - erst in der 26. Minute meldete sich Nelio Zaera mit einem beherzten Schuss zu Wort. Doch Cerrense blieb am Drücker, und kurz vor der Pause war es dann soweit: In der 43. Minute kombinierte sich Christian Petrizzi durchs Zentrum, legte fein säuberlich für Nael Marques auf - der ließ sich nicht zweimal bitten und drosch den Ball zum 1:0 in die Maschen. "Ich habe nur kurz hochgeschaut, und da war das Tor schon da", grinste Marques nach dem Spiel. Mit dem Pausenpfiff war die Stimmung im Stadion ausgelassen - Cerrense hatte 14 Torschüsse, 48 Prozent Ballbesitz und vor allem: die Kontrolle. Gauchos-Coach Ignacio Barrios (der übrigens während des Spiels so viel Wasser trank, dass man meinen konnte, er bereite sich auf einen Triathlon vor) wirkte genervt, aber nicht ratlos. "Wir mussten ruhiger werden. Meine Jungs spielten, als gäbe es Bonuspunkte für Hektik", erklärte er hinterher trocken. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild: Die Gauchos kamen besser ins Spiel, ließen den Ball laufen, übernahmen leicht die Oberhand im Ballbesitz (am Ende 51,6 Prozent) und entwickelten offensiv mehr Mut. Besonders auffällig: der erst 17-jährige Matias Fernandes, der in der 55. und 56. Minute gleich doppelt abzog - beide Male scheiterte er nur knapp. Cerrense versuchte, das Spiel mit Routine zu kontrollieren. Doch spätestens nach der Auswechslung von Sean MacPhee (61.) wirkte der rechte Flügel etwas zahnlos. Stattdessen machte sich Nervosität breit: Gerd Vilhelmsen kassierte in der 57. Minute Gelb - und hätte sich wenig später beinahe selbst ausgewechselt, so laut fluchte er über den Pfiff des Schiedsrichters. Dann die 76. Minute: Die Gauchos spielten einen dieser unauffälligen, aber tödlichen Angriffe. Özkan Cakmak flankte flach von der rechten Seite, Cerrenses Abwehrreihe stand wie eingefroren, und Nelio Zaera bedankte sich artig - 1:1! Der 20-Jährige rannte jubelnd in Richtung Gästeblock, während Gnipeur an der Seitenlinie kurz den Kopf in den Händen vergrub. "Wir haben einmal geschlafen - und prompt den Wecker gehört", kommentierte er später mit bitterem Humor. Das Schlussviertel war ein offener Schlagabtausch. Cerrense rannte wütend an: Schüsse von Skene (72.), MacPhee (73.) und Nani (74.) prasselten auf das Tor der Gauchos, doch Torwart Antonio wuchs über sich hinaus. "Ich hätte jeden Ball gefangen - auch wenn’s ein Basketball gewesen wäre", grinste der 20-jährige Keeper später, während er sich noch die Handschuhe abstreifte. In der Nachspielzeit hatte Knud Brinkmann die letzte große Chance - ein Schuss aus 20 Metern, der knapp über die Latte strich. Das kollektive Aufstöhnen im Stadion war fast lauter als das Jubeln zuvor. Am Ende blieb es beim 1:1. Cerrense ärgerte sich über die vertane Führung, die Gauchos feierten das Unentschieden, als hätten sie gerade den Titel geholt. Statistisch war’s ein gerechtes Ergebnis: 14:7 Torschüsse für Cerrense, leichtes Ballbesitzplus für Montevideo - und zwei Teams, die sich nichts schenkten. "Wir hätten das zweite Tor machen müssen, klar", sagte Gnipeur nachdenklich. "Aber wenn man vorne die Dinger nicht reinmacht, kriegt man hinten halt einen rein. Fußball ist da erstaunlich zuverlässig." Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Cerrense spielt schön, aber Gauchos trifft clever - das ist der Unterschied zwischen Romantik und Realismus." Und so endete ein intensiver Abend mit einem Ergebnis, das keiner so richtig liebte, aber beide akzeptieren mussten. Ein Punkt für die Moral, zwei verschenkt für den Mut. Doch wer Cerrense kennt, weiß: Die werden beim nächsten Heimspiel wieder auf Sieg spielen - und wenn’s sein muss, auch gegen den eigenen Torpfosten. 07.09.643987 20:29 |
Sprücheklopfer
Auch ein Franz Beckenbauer kann einmal den Spielern in den sogenannten Hintern treten.
Lothar Matthäus