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Wenn man die 15. Runde der uruguayischen Primera División mit einem Theaterstück vergleichen möchte, dann bot CD Cerrense am Freitagabend eine brillante erste und eine tragikomische zweite Hälfte. 2:2 hieß es am Ende gegen Franja Danubio - ein Ergebnis, das die 30.869 Zuschauer im Estadio Cerrense gleichzeitig ratlos und applaudierend zurückließ. Dabei begann alles wie aus dem Lehrbuch. Gerade hatten die Fans ihr Bier abgestellt, da zappelte der Ball schon im Netz: Nach nicht einmal einer Minute schickte Sean MacPhee mit einem präzisen Steilpass den flinken Nael Marques auf die Reise, und der drosch den Ball kompromisslos in den rechten Winkel. 1:0 - der perfekte Start, kaum Zeit zum Atmen. Trainer Leahcim Gnipeur grinste später: "Ich wollte eigentlich erst in der dritten Minute jubeln, aber die Jungs waren wohl ungeduldig." Cerrense spielte danach wie im Rausch. Der Ball lief, die Pässe kamen, und Danubio schien noch im Bus zu sitzen. In der 40. Minute dann der nächste Schlag: Wieder war MacPhee der Vorlagengeber, diesmal bediente er den bulligen Ryan Skene, der aus halblinker Position trocken zum 2:0 vollendete. Es war das, was man in der Fußballsprache eine "dominante Halbzeit" nennt - 57 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse, und ein Publikum, das sich schon auf die nächste Runde im Pokal zu freuen schien. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn sich die Dramaturgie brav an Drehbücher hielte. Nach dem Seitenwechsel kam Franja Danubio wie ausgewechselt aus der Kabine. Trainer Diego Cristilli muss in der Pause entweder seine Stimme verloren oder gefunden haben - sicher ist nur, dass seine Mannschaft plötzlich mit offenem Visier spielte. Nur fünf Minuten nach Wiederbeginn traf Nevio Bermudo zum 2:1. Der Rechtsaußen nahm einen weiten Pass von Innenverteidiger Felix Rieger perfekt mit der Brust an und schob eiskalt ein. "Ich habe nur kurz hochgeschaut", erzählte Bermudo danach, "und gesehen, dass der Torwart sich noch einen Mate einschenkt." Sarkasmus oder Realität - schwer zu sagen, aber das Tor passte zum neuen Schwung der Gäste. Cerrense versuchte zu reagieren, doch die Leichtigkeit der ersten Hälfte war dahin. Ryan Skene verzog, Javier Veloso traf nur das Außennetz, und MacPhee, der bis dahin zwei Assists geliefert hatte, wirkte zunehmend genervt. "Vielleicht hätten wir den Pausenpfiff als Endsignal nehmen sollen", murmelte er später mit einem bitteren Lächeln. In der 82. Minute brachte Danubio das Drama dann endgültig auf Betriebstemperatur: Humberto Assis, bereits verwarnt, trat übermotiviert in einen Zweikampf und sah Gelb-Rot. "Er wollte einfach zeigen, dass er noch da ist", kommentierte Cristilli trocken. Zehn Mann, Rückstand - und trotzdem gaben die Schwarz-Weißen nicht auf. Die Nachspielzeit roch schon nach Verzweiflung, als Patrick Sanci in der 87. Minute plötzlich im Strafraum auftauchte. Pablo Nene hatte sich zuvor durch drei Cerrense-Verteidiger getankt, passte quer, und Sanci schob aus zehn Metern ein - 2:2! Ein Raunen ging durchs Stadion, dann eine Mischung aus Staunen und Entsetzen. Trainer Gnipeur war nach Schlusspfiff sichtlich bedient. "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit gewonnen und es in der zweiten verschenkt", sagte er, während er sich mit der Hand durch das Haar fuhr. "Vielleicht hätten wir etwas defensiver stehen sollen - aber wer will das schon, wenn man 2:0 führt?" Danubio-Coach Cristilli hingegen feierte das Unentschieden wie einen Sieg. "Manchmal brauchst du nur Herz", grinste er. "Und ein bisschen Glück, dass die anderen vergessen, dass es zwei Halbzeiten gibt." Statistisch war Cerrense das leicht bessere Team - mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Kontrolle. Doch Fußballstatistiken haben die unangenehme Eigenschaft, sich nicht in Punkte umrechnen zu lassen. So bleibt ein Abend, an dem beide Seiten Grund zum Grübeln haben: Cerrense über die verpasste Chance, Danubio über die verschlafene erste Hälfte. Und irgendwo in den Katakomben des Stadions soll man gehört haben, wie ein Ordner zu seinem Kollegen sagte: "Wenn sie das nächste Mal wieder 2:0 führen, weck mich bitte in der 90. Minute." Ein salomonisches 2:2 also - gerecht, ärgerlich, unterhaltsam. Uruguayischer Fußball eben: ein bisschen Chaos, ein bisschen Magie, und immer gut für eine Pointe. 30.06.643987 06:55 |
Sprücheklopfer
Ihr könnt euch da ja mal hinstellen, und wenn dann Ribery mit 180 Stundenkilometern an einem vorbeigelaufen kommt, gibt's wenige, die den stoppen können.
Arne Friedrich