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Ein kalter Januarabend, 20:30 Uhr im Estadio Municipal de Burgos, 34.189 Zuschauer, und der Duft von gerösteten Sonnenblumenkernen in der Luft - das Setting für den fünften Spieltag der 2. Liga Spanien war perfekt. CF Burgos empfing Deportivo Gijon, ein Duell zweier Mannschaften, die sich in puncto Leidenschaft nichts schenken wollten. Am Ende stand ein knappes, aber verdientes 1:0 für die Gastgeber, ein Ergebnis, das so knapp war wie der Abstand zwischen Latte und Fingerspitze beim entscheidenden Moment in Minute 18. Und dieser Moment gehörte Ryan Savard. Der 32-jährige Rechtsaußen des CF Burgos, sonst bekannt für seine ruhige Art, explodierte förmlich, als er nach einer butterweichen Flanke von Yannick Cappaert den Ball per Direktabnahme ins lange Eck jagte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Savard nach dem Spiel, "manchmal denkt man nicht, man trifft einfach - und heute war so ein Tag." Trainer Charly Huber stand am Spielfeldrand, die Hände in den Taschen, und nickte nur. "Genau so trainieren wir das. Also, meistens. Heute hat’s halt mal funktioniert", sagte er mit einem schelmischen Lächeln. Nach dem frühen Treffer diktierte Burgos das Geschehen. Mit über 63 Prozent Ballbesitz und 15 Torschüssen machten sie deutlich, wer Herr im eigenen Haus ist. Gijon dagegen blieb blass - vier Schüsse aufs Tor, keiner wirklich gefährlich. Youngster Agemar Olazabal versuchte es in der 34. Minute und später noch einmal in der 58., beide Male aber fand er in Burgos-Torhüter Brandon MacGillivray seinen Meister. Der Keeper war nach dem Spiel sichtlich zufrieden: "Ich hatte nicht viel zu tun, aber das bisschen hab ich gern gemacht. Ich mag’s, wenn die Null steht." Die Gäste aus Gijon wirkten über weite Strecken wie eine Band, die ihre Instrumente vergessen hatte. Offensiv ausgerichtet, aber ohne Rhythmus. Trainerin Jana Sagt Hallo - deren Name an diesem Abend fast Programm war, denn ihr Team winkte den Ball meist nur kurz, bevor Burgos ihn wieder hatte - versuchte mit drei Wechseln, den Takt zu ändern. In der 55. Minute kam Pinchas Eitan, später folgten Santiago de Vivar und William Madigan. Doch die erhoffte Wende blieb aus. "Wir wollten mutig bleiben", erklärte Sagt Hallo nach dem Spiel, "aber manchmal ist Mut einfach nur ein anderes Wort für Risiko. Und Burgos hat uns dafür bestraft - na ja, zumindest einmal." Burgos hingegen spielte mit einer fast stoischen Ruhe. Kein wildes Pressing, kein hektisches Nach-vorne-Stürmen - einfach kontrollierter Fußball. Man merkte, dass Trainer Huber auf Balance setzt: "Ich mag keine Spiele, in denen mein Puls höher ist als der Ballbesitz", meinte er augenzwinkernd. Sein Team setzte die Vorgabe um: sicheres Passspiel, geduldig, abgeklärt. Die Zuschauer quittierten das mit rhythmischem Klatschen - und gelegentlichem Stöhnen, wenn Niko Leko oder Antip Semjonow wieder eine gute Chance liegen ließen. Die zweite Halbzeit war dann ein Lehrstück in "Wie verwalte ich ein 1:0, ohne dass jemand einschläft". Burgos zog sich etwas zurück, ließ Gijon kommen, die allerdings mit langen Bällen mehr Luft als Gegner trafen. In der 80. Minute sah Gijons Rechtsverteidiger Valborg Holmqvist Gelb, nachdem er etwas zu rustikal gegen den flinken Cappaert vorging. "Ich hab den Ball gespielt!", rief er empört - leider war der Ball zu diesem Zeitpunkt bereits im Seitenaus. In der Nachspielzeit versuchte der junge Franzose Jacques Brun für Gijon noch einmal alles. In der 93. Minute zog er aus spitzem Winkel ab - doch MacGillivray war erneut zur Stelle. Der Torwart jubelte danach fast lauter als beim Tor seines Teams. "Ich wollte einfach sicher sein, dass alle wach bleiben", scherzte er später. Als der Schlusspfiff ertönte, atmete Burgos kollektiv auf. Ein Sieg, der auf dem Papier knapp aussieht, aber auf dem Platz souverän wirkte. 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, klare Überlegenheit in allen Statistiken, und doch blieb bis zum Ende ein Hauch von Nervosität. Ryan Savard wurde zum Mann des Abends, Yannick Cappaert zum heimlichen Helden, und Trainer Huber zum Architekt des Pragmatismus. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit warmem Applaus - und einer leisen Hoffnung, dass das nächste Spiel vielleicht weniger spannend, aber dafür etwas entspannter wird. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn sie so weiterspielen, krieg ich irgendwann noch Herzrasen - aber wenigstens in der richtigen Liga." 16.03.643987 09:11 |
Sprücheklopfer
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