Ukrajinski Sport
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Charkiw und Lwiw teilen sich Punkte - und reichlich Nervenkitzel

Torpedo Charkiw und Sokol Lwiw trennten sich am 6. Spieltag der 1. Liga Ukraine mit einem 1:1, doch wer das für ein langweiliges Unentschieden hält, hat diesen frostigen Januarabend in Charkiw nicht erlebt. 15.456 Zuschauer sahen ein Spiel, das weniger an Schach erinnerte, sondern eher an ein Duell zweier Straßenmusiker - jeder spielte sein eigenes Lied, aber irgendwie passte es am Ende doch zusammen.

Schon früh war klar, dass Torpedo-Trainer - dessen Name auf der offiziellen Teamliste interessanterweise fehlte, was vielleicht symptomatisch für die unberechenbare Spielanlage seiner Mannschaft war - auf Kontrolle setzte. 54 Prozent Ballbesitz, ordentlich Struktur, aber wenig Zündstoff. Auf der anderen Seite ließ Tim Holthaus seine Sokols offensiv flattern, wie es sich für einen Falken gehört: Flügelspiel, Mut, und ein Hauch jugendlicher Übermut.

Das erste Raunen ging durchs Stadion in der 13. Minute. Reece Kenny, der englische Mittelfeldmotor Charkiws, sah Danil Chmyljow links starten, und der Routinier vollstreckte eiskalt - 1:0. Chmyljow, 34 Jahre und mit der Aura eines Mannes, der schon alles gesehen hat, hob danach den Zeigefinger: "Ich wollte eigentlich flanken", grinste er später, "aber der Ball hatte andere Pläne."

Doch die Freude währte nicht lange. Elf Minuten später kam Sokol zurück. Ein Freistoß von Jaime Santos, der sich als Innenverteidiger offenbar selbst in die Rolle des Quarterbacks verliebt hat, segelte in den Strafraum. Alexej Chlystow, 21, jung, frech, unbeeindruckt, nahm den Ball volley - 1:1. Ein Treffer, der das Stadion kurz verstummen ließ. "Ich hab einfach draufgehalten", erzählte Chlystow nach dem Spiel lachend. "Wenn man jung ist, fragt man nicht lange."

Die Partie blieb danach offen, aber nicht unbedingt geordnet. Santos sah in der 39. Minute Gelb, nachdem er Chmyljow demonstrativ auf die Schultern klopfte - allerdings mit der Handkante. Der Schiedsrichter verstand keinen Spaß. "Ich wollte mich nur entschuldigen", beteuerte Santos, "aber offenbar zu energisch."

Holthaus, der Lwiw-Trainer, reagierte an der Seitenlinie mit der Ruhe eines Mannes, der schon Schlimmeres gesehen hat: "Wir haben ein Konzept", sagte er in der Halbzeit, "aber meine Spieler lesen es offenbar rückwärts." Trotzdem funktionierte sein offensiver Ansatz immer besser. Aristarkh Warlamow, der Mittelstürmer, prüfte Charkiws Torwart Milos Jarakovic gleich mehrfach (37., 47., 64.), aber der Serbe im Tor blieb stoisch - ein Mann, der offenbar lieber mit Reflexen als mit Emotionen arbeitet.

Charkiw hatte Momente, besonders durch Stepan Kirilenko, der in der Schlussphase zweimal gefährlich abzog (67., 89.). Doch Sokol blieb gefährlicher: 13 Torschüsse zu neun sprechen eine klare Sprache. Und als in der 83. Minute der 18-jährige Dmitri Lebedew plötzlich frei auftauchte, hielten die Heimfans kollektiv die Luft an. Sein Schuss zischte knapp am Pfosten vorbei - das Geräusch des Balles, der das Netz verfehlt, war lauter als so mancher Torjubel.

In der Nachspielzeit wurde es dann noch einmal gelb. Erst Fjodor Ragulin (90.) für ein zu beherztes Einsteigen, dann Jefim Kirilenko (91.) auf der Gegenseite für eine Grätsche, die mehr an Eiskunstlauf als an Fußball erinnerte. "Ich wollte den Ball treffen", meinte Jefim später, "aber der Ball war einfach zu schnell."

Am Ende blieb es bei einem gerechten, wenn auch leicht chaotischen Remis. 1:1 - beide Tore in der ersten Halbzeit, beide Teams mit Momenten des Glanzes und der Verzweiflung. Charkiw kontrollierte, Lwiw konterte, und keiner konnte den entscheidenden Stich setzen.

"Das war kein schönes Spiel", seufzte Chmyljow in der Mixed Zone, "aber wenigstens war’s ehrlich." Holthaus hingegen grinste: "Wenn wir schon nicht gewinnen, dann immerhin nicht verlieren. Das ist ja auch eine Art Stabilität."

Die Zuschauer in Charkiw gingen mit gemischten Gefühlen nach Hause. Zufrieden? Vielleicht. Unterhalten? Definitiv. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein Fan gesagt haben: "Das war kein 1:1 - das war eine 90-minütige Achterbahnfahrt mit angezogener Handbremse." Treffender kann man es kaum formulieren.

Fazit: Ein Punkt für beide, viele Fragen für die Trainer, und ein Abend, an dem Fußball wieder einmal bewies, dass Schönheit im Chaos liegt - besonders, wenn man sie bei minus fünf Grad sucht.

18.03.643987 02:43
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Wenn ich über das Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal schwimmen kann er.
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