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Ein Abend, wie ihn 30.473 Zuschauer im "Harbor Field" von Charleston so schnell nicht vergessen werden: Die Charleston Gunners rangen die Rochester Horns am 5. Spieltag der 1. Liga USA mit 2:1 (1:1) nieder - und das dank eines Last-Minute-Treffers von Youngster Xabi Morais. Dabei hatte das Spiel alles, was ein guter Fußballkrimi braucht: frühe Tore, flatternde Nerven, jugendliche Unbekümmertheit - und einen Trainer, der nach Abpfiff mehr nach erleichtertem Familienvater als nach knallhartem Coach aussah. "Ich dachte schon, wir spielen hier bis Mitternacht und treffen das Tor nie wieder", lachte Jon Dpunkt, Trainer der Gunners, nach Schlusspfiff. Die Partie begann rasant. Schon in der 18. Minute überraschte Luke Lester, ausgerechnet der Rechtsverteidiger der Horns, die Heimfans mit einem trockenen Flachschuss ins linke Eck. Dass der Treffer von einem Außenverteidiger kam, passte irgendwie ins Bild dieses wilden Spiels - "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Lester später mit einem Grinsen. Zwei Minuten darauf schlug Charleston zurück: Der erst 18-jährige Rhys Hardin, ebenfalls Rechtsverteidiger, traf nach schöner Vorarbeit von Isidoro Martins. "Der Junge hat keinen Puls", meinte Kapitän Leo Patton kopfschüttelnd über Hardin. "Ein 18-Jähriger, der einfach aus 20 Metern abzieht, als wäre’s ein Trainingskick - sowas sieht man selten." Nach diesem Doppelschlag beruhigte sich das Spiel etwas, zumindest statistisch. Charleston hatte am Ende 51 Prozent Ballbesitz, mehr Torschüsse (12:8) und etwas die Nase in den Zweikämpfen vorn. Trotzdem blieb Rochester über weite Strecken gefährlich, vor allem über die Flügel. Nelson Santos prüfte Gunners-Keeper Luís Costa mehrmals, und Corey Ward zog in der 42. Minute nur Zentimeter am Pfosten vorbei. Trainer Brisco Schneider, sonst eher von der kühlen Sorte, sprang da zum ersten Mal von seiner Bank auf - vermutlich weniger aus taktischem Antrieb als aus purem Unglauben. In der zweiten Halbzeit verflachte das Spiel zunächst. Charleston stand tief, spielte auf Konter, wie es die Taktikzettel von Coach Dpunkt auch vorsahen, während Rochester weiter auf Kontrolle setzte. Doch die Horns fehlte es an letzter Konsequenz - und vielleicht auch an Frische. "Wir haben das Spiel im Griff gehabt, aber nicht das Tor", meinte Schneider nachdenklich. "Und am Ende hat uns die Jugend der Gunners überlaufen." Diese Jugend zeigte sich dann in der 89. Minute von ihrer schönsten Seite. Der 18-jährige Rudolf Carlsson, quirliger Rechtsaußen, setzte zu einem Dribbling an, ließ zwei Gegenspieler stehen und legte quer auf den einlaufenden Xabi Morais. Der 20-Jährige nahm Maß - und traf. 2:1. Stadionexplosion. "Ich hab nur den Jubel gehört, nicht gesehen", erzählte Morais später, "weil Rutger Mattson mich fast erdrückt hat." Rochester versuchte noch einmal alles, doch ein wilder Schuss von Santos in der Nachspielzeit blieb die letzte Aktion, bevor Schiedsrichterin Alisha Cole das Spiel beendete - und Tomislav Srna sich noch schnell eine Gelbe Karte abholte, offenbar mehr aus Frust als aus Notwendigkeit. Was bleibt? Charleston holt den zweiten Heimsieg der Saison und zeigt erneut, dass Mut zur Jugend sich auszahlt. Fünf Spieler unter 21 auf dem Platz - und zwei davon die Torschützen. Trainer Dpunkt grinste: "Wir machen keine Altersgrenzen. Wer laufen kann, darf spielen." Rochester dagegen reist enttäuscht ab. "Wir haben uns selbst geschlagen", seufzte Kapitän Kay Zimmermann, der beim Ausgleich unglücklich wegrutschte. "Aber wenn du in der 89. Minute das 1:2 bekommst, fühlst du dich immer wie der Depp vom Dienst." Am Ende war’s ein Spiel, das mehr Geschichten erzählte als so mancher Hollywoodfilm. Charleston feiert, Rochester knirscht - und irgendwo in den Katakomben summt Jon Dpunkt leise vor sich hin: "Heute war’s knapp, aber schön knapp." Ein Sieg des Nachwuchses, des Zufalls - und vielleicht auch der Nervenstärke. Manche sagten später, die Gunners hätten Glück gehabt. Andere sagten, sie hätten es sich erarbeitet. Wahrscheinlich hatten alle recht. 06.03.643987 07:37 |
Sprücheklopfer
Hitlers Tagebuch. Das hat mich dann doch interessiert.
Stefan Effenberg auf die Frage, welches Werk der Weltliteratur ihn besonders geprägt habe