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Chemnitz stiehlt Aue den Abend - Später Treffer raubt Wismut die Punkte

3. Bundesliga (2. Div) | 15. Spieltag | 19.07.26 | Wismut Aue - Chemnitzer FC 1:2

Flutlicht, 12.500 Zuschauer, ein lauer Juliabend in Aue - und am Ende wieder dieses bekannte Gefühl zwischen "Wir hätten mehr verdient" und "Wie konnte das passieren?". Der Chemnitzer FC gewann am 15. Spieltag der 3. Bundesliga (2. Div) mit 2:1 bei Wismut Aue - und das nach einem späten Nadelstich durch den jungen Dror Galili in der 83. Minute.

Dabei hatte das Spiel durchaus den Charakter eines offenen Schlagabtauschs. Aue mit minimal mehr Ballbesitz (50,7 %) und zwölf Torschüssen, Chemnitz mit einem Treffer mehr und dem größeren Lächeln auf den Gesichtern am Ende. "Wenn du auswärts so eiskalt bist, darfst du dich ruhig mal freuen", grinste Chemnitz-Trainerin Beate Merkel nach Spielschluss - und gestand gleichzeitig: "Wir wussten, dass Aue am Ende Druck machen wird. Aber ehrlich gesagt, ich mag diesen Nervenkitzel."

Das Spiel begann flott, Aue suchte früh den Abschluss, besonders der quirlige Linksverteidiger Santiago Meireles prüfte schon in der 9. und 13. Minute den Chemnitzer Keeper Turhan Turan - der Name klingt nach Künstler, und so agierte er auch: elegant, aber entschlossen. Doch die Gäste konterten mit jugendlicher Unbekümmertheit. In der 24. Minute war es dann soweit: Leon Hartshorn vernaschte rechts seinen Gegenspieler, flankte präzise auf den zweiten Pfosten, wo Darko Bisevac lauerte und den Ball mit der Innenseite zum 0:1 einschob. Während der Torjubel in der Gästekurve tobte, schüttelte Aue-Coach Thomas Freitag nur den Kopf. Später sagte er: "Das war so ein typisches Gegentor, bei dem man als Trainer kurz überlegt, ob man vielleicht selbst aufs Feld müsste."

Doch Aue blieb dran. Esterina Melchior, eine der auffälligsten Akteurinnen im violetten Trikot, zog in Minute 25 aus der Distanz ab - knapp vorbei. Es war ein Warnschuss, der Chemnitz aber kaum einschüchterte. Die Gäste blieben im Angriff gefährlich, Bisevac und Farnsworth feuerten gleich mehrere Versuche auf das Tor von György Korsos ab, der sich mehrfach auszeichnen durfte.

Nach der Pause drückte Aue dann aufs Tempo. Die Wechsel von Freitag - der 17-jährige Rodrigo kam für Beaupre, später folgten Dahlstrom und Cerzeto - brachten frischen Wind, aber auch etwas Chaos. Und Chemnitz? Blieb seiner offensiven Linie treu. Die Mannschaft von Merkel spielte weiter mit offenem Visier, manchmal so mutig, dass die mitgereisten Fans kaum Luft bekamen.

In der 74. Minute war es dann soweit: Aue belohnte sich. Ralf Lorentzen flankte aus dem rechten Halbfeld, Christian Beaupre stieg wuchtig hoch und köpfte zum 1:1 ein. Das Erzgebirgsstadion explodierte - endlich der Ausgleich, endlich der Glaube zurück. "Ich hab’ den Ball gar nicht richtig gesehen, nur gespürt", lachte Beaupre nach dem Spiel, "aber das Netz hat so schön gezittert, da wusste ich: Der war drin."

Doch Fußball hat manchmal eine grausame Art, Timing zu definieren. Nur neun Minuten nach dem Jubel setzte Chemnitz zum finalen Schlag an. Der eingewechselte Leandro Baiao schickte den frisch gebrachten Dror Galili auf die Reise, der sich links durchsetzte und trocken ins lange Eck abschloss - 1:2, 83. Minute. Während Galili Richtung Gästeblock rannte und in den Nachthimmel schrie, schlug Thomas Freitag die Hände vors Gesicht. "Das war zu einfach. Wir sind da zu brav gewesen", grummelte er später.

Aue warf in den letzten Minuten alles nach vorn, Gariepy sogar mit drei Abschlüssen in den letzten sechs Minuten - doch entweder fehlte die Präzision oder Turan stand im Weg. Und als der Schlusspfiff ertönte, blieb den Veilchen nur der Trost, wenigstens statistisch fast gleichwertig gewesen zu sein.

"Ein gerechtes Ergebnis? Vielleicht nicht", sinnierte Aues Kapitän Ze Castro mit einem bitteren Lächeln. "Aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb."

Beate Merkel dagegen nahm’s mit Humor: "Wir haben uns vorgenommen, erst in der 80. Minute richtig zu spielen. Hat ja funktioniert."

So endet ein Abend, an dem Aue kämpfte, Chemnitz konterte und die Zuschauer das bekamen, was sie wollten: Spannung, Emotion - und das Gefühl, dass in dieser Liga wirklich jeder jeden schlagen kann.

Und irgendwo im Erzgebirge hallte noch lange ein Satz nach, den ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn wir so weiterspielen, wird das nächste Heimspiel ein Fest - oder ein Drama." Man darf gespannt sein.

19.07.2026 21:07
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