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Manchmal dauert ein Fußballspiel 90 Minuten. Manchmal reichen 45. Für die 19.193 Zuschauer im sonnendurchfluteten Stadion von Chersonissos war der Abend des 8. Spieltags der griechischen Superliga ein einziger Rausch in Blau-Weiß. 4:0 hieß es am Ende gegen das bedauernswerte Xanthi FC - und das, obwohl der Ballbesitz mit 48 zu 51 Prozent fast ausgeglichen war. Doch Zahlen lügen eben manchmal, Tore nicht. Schon nach neun Minuten bebte die Tribüne: Karel De Graff, 33 Jahre jung und mit der Erfahrung eines Mannes, der schon alles gesehen hat, schlenzte den Ball nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Pau Gomes ins lange Eck. Der Keeper von Xanthi, Serafim Livathinos, schaute dem Ball sehnsüchtig hinterher. "Ich dachte, er chippt den Ball, dabei haut er ihn einfach rein", seufzte der Torwart später. Was folgte, war ein Sturmlauf, der selbst die Götter auf dem Olymp staunen ließ. In der 15. Minute war es der bullige Mittelstürmer Venediktos Fotopoulos, der nach Pass von Tyler O’Brien eiskalt zum 2:0 vollstreckte. Kaum hatten die Gäste den Ball wieder angestoßen, zappelte er erneut im Netz - wieder Fotopoulos, diesmal nach einem schnellen Doppelpass mit Hugo Mattson. 17 Minuten gespielt, 3:0. Trainer Harry Kane - ja, jener Harry Kane, der einst selbst in England für Tore sorgte - grinste an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade sein Lieblingsgericht serviert bekommen hat. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr Spaß habt, kommt der Rest von allein", erklärte er nach dem Spiel und grinste noch breiter. Xanthi dagegen wirkte wie ein Tourist, der den Bus verpasst hat. Ballbesitz schön und gut - aber was nützt das, wenn man nicht weiß, wohin damit? Ganze sieben Torschüsse brachte das Team zusammen, die meisten davon so harmlos, dass Torwart Ashton Heighway sie vermutlich mit geschlossenen Augen gefangen hätte. In der 39. Minute fiel das vierte Tor, wieder durch De Graff, diesmal nach einem butterweichen Zuspiel von O’Brien. 4:0 - und das noch vor der Pause. Die Fans sangen, die Ersatzspieler grinsten, und der Stadionsprecher hatte Mühe, die Torschützen überhaupt noch auseinanderzuhalten. Danach? Nun ja, das Spiel lief weiter, aber der Sieger stand längst fest. Chersonissos ließ den Ball laufen, als ginge es um ein Trainingsspiel. Xanthi mühte sich, kam aber nie gefährlich in den Strafraum. "Wir wollten in der zweiten Halbzeit Struktur zeigen", sagte Xanthis Kapitän Edvard Abramson, "aber ehrlich gesagt wollten wir einfach nur, dass der Schiri abpfeift." Bemerkenswert: Trotz des Offensivfeuerwerks blieb die Mannschaft von Kane taktisch diszipliniert. Offensive Grundausrichtung, aber kein wildes Anrennen - eher ein kontrolliertes Chaos. 28 Torschüsse standen am Ende in der Statistik, fast viermal so viele wie der Gegner. Und das, obwohl Chersonissos in der zweiten Halbzeit eher mit angezogener Handbremse spielte. Ein kleiner Wermutstropfen war die Verletzung des 17-jährigen Flügelspielers Theodoros Fyssas in der 65. Minute. "Er ist jung, er ist zäh - er wird zurückkommen", versprach Kane. Für ihn kam Granit Xhaka (nein, nicht der Schweizer Nationalspieler, aber ein erstaunlich kampfstarker Namensvetter), der sich sofort mit zwei Distanzschüssen in Szene setzte. Nach dem Schlusspfiff klatschten die Spieler von Chersonissos ausgelassen mit den Fans ab, während die Gäste in Richtung Kabine schlichen. "In der ersten Halbzeit waren wir Zuschauer", gestand Xanthis Trainer trocken. "In der zweiten Halbzeit immerhin Teilnehmer." Für Chersonissos war es ein Sieg der Kategorie "Statement". Ein Spiel, das man später vielleicht als Wendepunkt einer Saison bezeichnet. Für Xanthi dagegen bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz keine Währung ist, wenn man damit nicht einkaufen geht. Harry Kane brachte es schließlich auf den Punkt: "Wir wollten ein Zeichen setzen. Und, naja, vier Tore sind ein ziemlich lautes Zeichen." Ein Abend, an dem Chersonissos Fußball spielte, wie er sein sollte - mutig, direkt, manchmal verspielt, aber immer mit Ziel. Und ein Abend, an dem Xanthi FC wohl am liebsten schon zur Halbzeit in den Bus gestiegen wäre. Fazit: Ein 4:0, das keine Fragen offenlässt - außer vielleicht die, ob Chersonissos in dieser Form überhaupt zu stoppen ist. 10.04.643987 03:32 |
Sprücheklopfer
Wir sind in der Arena der Buhmann der Nation. Es geht um Millionen, und die Fehlentscheidungen häufen sich. Sobald es strittig wird, wird gegen uns gepfiffen. Da müssen wir das Ding eben wieder abreißen.
Rudi Assauer