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Ein lauer Januarabend auf Kreta, 20:30 Uhr, Flutlicht in Chersonissos. 20.445 Zuschauer fächeln sich mit Eintrittskarten Luft zu, als der Anpfiff zum 9. Spieltag der 1. Liga Griechenlands ertönt. Was dann folgt, ist kein Feuerwerk, aber ein angenehm ehrlicher Fußballabend, bei dem die Gastgeber mit 2:0 über Neos Rethymno triumphieren - und zwar mit jener Mischung aus Leidenschaft, Routine und leichtem Übermut, die nur ein Team mit einem Trainer namens Harry Kane an den Tag legen kann. Schon nach zwei Minuten gibt’s die erste gelbe Karte für Aaron Warriner - der Innenverteidiger von Chersonissos scheint sein Feierabendbier schon vor dem Anstoß gerochen zu haben. "Ich wollte nur zeigen, dass wir wach sind", grinste er später. Wach war das Team allemal: Bereits in der 5. Minute prüfte Karel De Graff den Rethymno-Keeper Vincent Ludwig, und in Minute 17 fiel dann das, was die Griechen poetisch "der erste Tanz" nennen würden - das 1:0. Nico Hartmann, der flinke Rechtsaußen aus Deutschland, vollendete eine feine Kombination über die linke Seite nach Vorlage von Tyler O’Brien. Der Schuss - trocken, präzise, und so kühl wie ein Frappé am Strand. Rethymno? Bemüht, aber bieder. 52 Prozent Ballbesitz, aber kaum Ideen. Trainer Harry Kane kommentierte das später süffisant: "Die hatten den Ball, wir hatten den Plan." Und der Plan hieß: kompakt stehen, schnell umschalten, dann zuschlagen. Neos Rethymno versuchte es zwischendurch mit zaghaften Distanzschüssen - Timotheos Venizelos in der 12. Minute, Arsenis Lagonikakis in der 35. - doch Torwart Ashton Heighway hatte einen dieser Tage, an denen selbst Fliegen an ihm abprallen würden. Zur Pause stand es 1:0, und während die Gäste in der Kabine offenbar über Passstatistiken philosophierten, wechselte Chersonissos taktisch clever: Harry Kane brachte in der 46. Minute Herman Bengtsson für den müden O’Brien - ein Schachzug, der sich auszahlen sollte. Bengtsson, der blonde Schwede mit dem Blick eines Mathematiklehrers, sorgte in der 58. Minute für das 2:0. Nach Pass von Morgan Staunton zog er ab, der Ball zischte durch zwei Verteidigerbeine und schlug unhaltbar unten rechts ein. Bengtsson selbst erklärte das später lakonisch: "War gar nicht so gewollt, aber schön, dass er drin war." Die restliche halbe Stunde war ein Musterbeispiel dafür, wie man ein Spiel kontrolliert, ohne es langweilig zu machen. Chersonissos blieb offensiv - 15 Torschüsse insgesamt, doppelt so viele wie der Gegner - doch auch defensiv stabil. Der junge Efthymios Tsiartas durfte in der 89. Minute noch sein Debüt feiern, als er Pau Gomes ersetzte. "Ich hab mich gefühlt wie in einem Videospiel", sagte der 17-Jährige nach Schlusspfiff, "alles war so schnell." Neos Rethymno dagegen schwamm in Routine und Ratlosigkeit. Ihr Trainer - der Name bleibt diplomatisch verschwiegen - gestand nach dem Spiel: "Uns hat der letzte Funke gefehlt." Der letzte Funke? Eher das ganze Feuerzeug. Kein Pressing, kein Risiko, kein Tor. Selbst die Fans auf der Gästetribüne wirkten irgendwann so gelangweilt, dass sie anfingen, Selfies mit dem Stadionsprecher zu machen. Statistisch gesehen war’s ein kleiner Widerspruch: Rethymno hatte mehr Ballbesitz (52,6 Prozent), Chersonissos mehr Torgefahr (15:5 Schüsse aufs Tor) und die bessere Zweikampfquote (55,7 Prozent). In der Summe ergab das ein klares 2:0 - ein Ergebnis, das genauso verdient war, wie es unspektakulär klingt. Aber wer braucht Spektakel, wenn man Effizienz in Reinform sehen kann? Nach dem Abpfiff klatschte Trainer Kane seine Spieler ab, zeigte kurz Richtung Tribüne und rief: "So spielt man Fußball im Januar!" - ein Satz, der irgendwo zwischen Ironie und Selbstlob pendelte, aber genau passte. Und während die Sonne längst hinter den Bergen verschwunden war, summten die Fans beim Hinausgehen ein altbekanntes Stadionlied (dessen Text wir hier natürlich nicht wiedergeben dürfen). Die Stimmung: ausgelassen. Die Gesichter: rot vor Freude - oder Sonne. Harry Kane fasste es am besten zusammen: "Wir sind keine Schönwettertruppe. Aber heute hat uns das Wetter geholfen." Man kann ihm da kaum widersprechen. Chersonissos gewinnt verdient, bleibt oben dran und schickt Neos Rethymno mit leeren Händen, aber immerhin mit 52 Prozent Ballbesitz nach Hause. Ein bisschen Ball, ein bisschen Bluff - und am Ende ein klarer Sieg. Kreta kann feiern. 21.04.643987 17:20 |
Sprücheklopfer
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