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Christliche Vollstreckung: Schweinfurt zerschießt Türkiyemspor mit 4:0

Ein lauer Sommerabend, 20:30 Uhr, 16.000 Zuschauer im Willy-Sachs-Stadion - und ein Spiel, das schon zur Halbzeit entschieden war. FT Schweinfurt zerlegte Türkiyemspor 1978 mit 4:0, alle Tore bereits vor dem Pausenpfiff. Wer zu spät kam, hatte das Spektakel verpasst - und musste sich mit 45 Minuten Schaulaufen begnügen.

Der Held des Abends hieß David Christ. Der 20-jährige Rechtsaußen spielte, als habe er sich vorgenommen, seinen Namen wörtlich zu nehmen: drei Tore in 26 Minuten, dazu eine Vorlage. Es war eine Erlösung in Grün-Weiß. "Ich hab einfach Spaß am Ball gehabt. Und als der erste drin war, dachte ich: Warum aufhören?", grinste Christ nach dem Spiel und zuckte mit den Schultern, als wäre ein Hattrick in der 3. Liga so selbstverständlich wie Fränkisches Bier nach Abpfiff.

Trainer Welt Meister - nomen est omen - musste sich das Lachen verkneifen: "David war heute wie ferngesteuert. Ich wollte ihn zur Halbzeit schon rausnehmen, aber dann hat er mich gefragt, ob ich ihm den vierten verwehren will. Da hab ich’s gelassen."

Der Reihe nach: In der 10. Minute eröffnete Christ nach feinem Zuspiel von José Gontan das Torfestival. Ein trockener Abschluss ins rechte Eck, der Gästetorwart Walter Baier sah dabei so aus, als habe er die Flugbahn für einen Moment in der Biergartenkarte gesucht. 13 Minuten später dasselbe Bild: Flanke von Jannick Baumann, Christ steigt höher als alle anderen, 2:0. Und weil aller guten Dinge drei sind, legte der Jungstar in der 36. Minute nach - diesmal aus der Distanz, unhaltbar.

Türkiyemspor? Nun ja. Wer Konter spielen will, braucht den Ball wenigstens kurz. Doch Schweinfurt hatte 64 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse - die Gäste keinen einzigen. Kein Scherz: null. Torwart Veselin Krstajic hätte sich in der Pause einen Kaffee holen können, ohne dass jemand es bemerkt hätte. "Ich hab mich kurz gefragt, ob das Regelwerk vorsieht, dass man auch ohne Ballbesitz Tore schießen darf", witzelte Schweinfurts Kapitän Banel Dobay.

Das 4:0 kurz vor der Pause gehörte dann Laurent Deschanel, der nach Vorlage - natürlich - von David Christ eiskalt einschob. Danach war’s vorbei. Türkiyemspors Trainer Ata Mramor winkte schon beim Gang in die Kabine ab. "Wir waren körperlich da, geistig aber wohl noch im Bus", seufzte er später. "Manchmal ist der Gegner einfach eine Nummer zu schnell. Heute war’s eher drei Nummern."

In der zweiten Halbzeit spielte Schweinfurt die Sache routiniert herunter, ohne die Handbremse ganz zu lösen. Die Fans wünschten sich weitere Tore, bekamen aber dafür reichlich Kunststücke: Hacke, Spitze, Doppelpass - Schweinfurt im Schaulaufmodus. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen fair bleiben. Wir wollen ja keine Feinde machen", grinste Coach Meister später in die Kameras. Nur der 17-jährige Tomasz Hafner sorgte noch für Farbe: Gelb in der 78. Minute, ein sinnloses taktisches Foul. "Ich wollte halt auch mal in die Statistik", sagte er lachend.

Türkiyemspors Stefan Maier durfte in der 91. Minute ebenfalls Gelb sehen - wohl aus Frust, vermutlich auch als Symbol für die ganze Partie: spät, überflüssig, aber immerhin ein Lebenszeichen.

Taktisch gesehen war das Spiel ein Lehrstück in Effizienz. Schweinfurt blieb über die gesamte Spielzeit in einer ausgewogenen Formation, spielte geduldig, kombinierte sauber. Türkiyemspor hingegen hielt an seiner Kontertaktik fest wie an einem alten Glaubenssatz, obwohl es längst keine Bälle mehr zu kontern gab. "Wir haben auf den einen Moment gewartet", erklärte Mramor mit Galgenhumor. "Der kam dann leider nicht."

Als der Schlusspfiff ertönte, standen 16.000 Zuschauer und klatschten. Nicht aus Mitleid mit dem Gegner, sondern aus purer Anerkennung. Die "Schnüdel", wie man sie in Schweinfurt nennt, hatten einen dieser Abende erwischt, an denen einfach alles passte.

Und David Christ? Der winkte bescheiden ins Publikum, seine Mitspieler drückten ihm den Ball in die Hand - Hattrick-Souvenir. "Vielleicht leg ich ihn unter’s Kopfkissen. Aber nur heute Nacht", meinte er.

Schweinfurt klettert mit diesem Sieg in der Tabelle weiter nach oben, Türkiyemspor dagegen wird sich neu sortieren müssen. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Das war heute kein Fußballspiel, das war eine Lehrstunde in Demut."

Fazit: FT Schweinfurt spielte wie ein Team im Rausch, Türkiyemspor wie eines im Tiefschlaf. Und irgendwo zwischen den Flutlichtmasten und der Abendluft hallte noch lange ein Ruf: "David Christ sei Dank."

07.06.644003 19:29
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Ich glaube, daß der Tabellenerste jederzeit den Spitzenreiter schlagen kann.
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