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Wer am 6. Spieltag der 1. Liga Jamaica im Clarendon-Stadion Platz nahm, bekam für sein Ticket mehr als nur tropische Abendluft und Stadionrhythmen: Clarendon Sporting besiegte Harbour View verdient mit 3:1 (1:1), in einem Spiel, das anfangs nach Abwehrschlacht roch, dann aber zu einem Offensivfeuerwerk der Gastgeber wurde. 55.293 Zuschauer schunkelten, schwitzten und jubelten - manchmal alles gleichzeitig. Dabei begann alles ganz nach dem Geschmack der Gäste. Schon in der 17. Minute stand Dimas Sa Pint dort, wo ein Mittelstürmer stehen muss, und drückte eine Flanke von Robert Ashton über die Linie. Der Jubel der mitgereisten Harbour-Fans hallte noch durch die Tribünen, als Clarendon nur zwei Minuten später antwortete. Finlay Payne, der bullige Mittelstürmer mit der Anmut eines Presslufthammers, wuchtete einen Pass von George Mills ins Netz - 1:1, und Biggi Kulisch, Clarendons Trainer, riss die Arme hoch wie bei einem gewonnenen Pokalfinale. "Ich hab’ Finlay gesagt: Wenn du den Ball siehst, denk nicht, schieß einfach! Und er hat’s wörtlich genommen", lachte Kulisch nach dem Spiel. Harbour View versuchte danach, das Spiel zu beruhigen - was in etwa so gut gelang wie das Föhnen im Tropenregen. Die Gäste hatten zwar mehr Ballbesitz (55 Prozent), aber Clarendon war zielstrebiger. Aristodimos Machlas, der flinke Grieche auf rechts, beschäftigte die Abwehr permanent. "Ich glaube, ich habe heute mehr Kilometer gemacht als unser Mannschaftsbus", grinste er später, während ihm noch der Schweiß von der Stirn tropfte. Kurz vor der Halbzeit musste Harbour-Trainer Dani Petrus bereits reagieren: Robert Ashton, der Vorlagengeber des Führungstreffers, verletzte sich und musste raus. Daniel Hess kam, aber das Spiel verlor an Struktur. "Das war ein Knackpunkt", seufzte Petrus. "Roberts Übersicht hat uns gefehlt, und Clarendon hat das eiskalt gespürt." Die zweite Halbzeit begann, als hätte Kulisch seinem Team eine doppelte Portion Espresso serviert. Clarendon presste, jagte, biss. In der 63. Minute dann die Belohnung: Dmitri Nikitin, der rechte Mittelfeldmotor, nahm sich ein Herz und zimmerte den Ball nach einer Vorlage von Pascal Boissieu in den Winkel. 2:1 - und das Stadion bebte. Kaum hatte sich Harbour View vom Schock erholt, klingelte es erneut. Drei Minuten später war es Aristodimos Machlas, der eine butterweiche Flanke von Samuel Ashton verwertete. 3:1, Entscheidung. Danach wurde es ruppiger. Julien Berthier und Nevio Renner holten sich Gelb ab, offenbar aus Frust und tropischer Überhitzung. "Manchmal hilft nur noch ein Foul, um die eigene Ehre zu retten", murmelte Renner nach Abpfiff mit einem schiefen Lächeln. Harbour View versuchte es noch mit einem späten Pressing, doch Clarendons Abwehr um Marc McGowan und Stanimir Jankow hielt stand wie eine Betonwand mit Stolz. Biggi Kulisch zeigte sich nach dem Spiel gelassen euphorisch: "Ich hab gesagt, wir müssen nicht schön spielen - wir müssen treffen. Tja, und das haben wir dreimal gemacht. Schön genug, oder?" Dani Petrus hingegen suchte Trost in der Statistik: "Wir hatten mehr Ballbesitz und acht Torschüsse. Aber Fußball ist kein Prozentrechnen." In den letzten Minuten wurde Clarendon zum Publikumsliebling. Die Fans sangen, winkten mit Fahnen und riefen Machlas’ Namen. Auf der Pressekonferenz grinste der Torschütze: "Wenn sie mich weiter so feiern, bleibe ich hier bis zur Rente - oder bis der Rasen aufgibt." Fazit: Clarendon Sporting zeigte, dass Leidenschaft manchmal cleverer ist als Ballbesitz. Harbour View spielte gefällig, aber ohne Durchschlagskraft. Drei Tore, neun Schüsse aufs Tor, jede Menge Herzblut - das war ein Abend, an dem Fußball so roh und ehrlich war, wie man ihn liebt. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen seufzte: "Ich bin nass, heiser, aber glücklich. Wenn das kein guter Deal ist, weiß ich auch nicht." 17.03.643987 23:50 |
Sprücheklopfer
Das ist Wahnsinn! Da gibt's Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich!
Toni Polster nach einer Niederlage