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Ein lauer Märzabend in Belfast, 32.433 Zuschauer, Flutlicht, Gesänge, kalte Hotdogs - und am Ende ein 1:1, das keiner so richtig wollte, aber beide wohl akzeptieren mussten. Cliftonville Reds und Coleraine Town trennten sich am Mittwochabend in einem intensiven, manchmal chaotischen, aber stets unterhaltsamen Duell des 3. Spieltags der 1. Liga Nordirland unentschieden. Coleraine begann furios. Schon in der 8. Minute zappelte der Ball im Netz - Janis Guillory, der pfeilschnelle Rechtsaußen, vollendete nach einem cleveren Querpass von Nuno Mocana. "Ich hab’ gar nicht groß nachgedacht, einfach draufgehalten", grinste Guillory nach dem Spiel, als hätte er gerade das Wembley-Finale entschieden. Und tatsächlich: In den ersten zwanzig Minuten schien Coleraine Town das Spiel im Griff zu haben, spielte schnörkellos durch die Mitte, während Cliftonville noch suchte, wer eigentlich den Ball haben sollte. Die Reds, mit leicht verschlafener Körpersprache, wachten erst nach einer Gelben Karte gegen Coleraines Jesper Bloch (20.) richtig auf. Trainer der Gastgeber - den Namen behielt er lieber für sich, vielleicht aus Selbstschutz - rief von der Seitenlinie: "Wir spielen hier zuhause, verdammt!" Und plötzlich lief’s besser. Benjamin Fryer prüfte Keeper Mihali mehrfach, Jose Maria Arroyo zirkelte die Bälle in den Strafraum, als hätte er eine Zielscheibe auf der Stirn des Torwarts. Trotzdem blieb’s beim 0:1 zur Pause. "In der Kabine hab’ ich sie gefragt, ob sie schon Feierabend haben", erzählte der Reds-Coach mit einem schmalen Lächeln. "Zum Glück haben sie Nein gesagt." Und tatsächlich: Nach dem Seitenwechsel verwandelte sich Cliftonville in eine andere Mannschaft. Mehr Ballbesitz (57 Prozent insgesamt), mehr Druck, mehr Mut. In der 57. Minute dann die Erlösung: Harvey O’Dea, der schon in der ersten Minute fast getroffen hätte, schob nach Vorlage von Paul Wurst den Ball über die Linie. "Paul hat’s mir leicht gemacht", sagte O’Dea später, "ich musste nur noch den Fuß hinhalten - und hoffen, dass ich ihn nicht drüber setze." Das Stadion tobte, Coleraine taumelte kurz, fing sich aber wieder. Trainer Bert Legat brüllte von der Seitenlinie: "Bleibt ruhig!", was sein Team prompt als Einladung zum nächsten Sturmlauf verstand. Guillory, bis zu seiner Auswechslung in der 66. Minute der auffälligste Mann, war da schon stehend K.o. "Ich hatte das Gefühl, meine Beine gehören jemand anderem", gestand er. Für ihn kam Bailey Cort, der sofort versuchte, die Reds-Abwehr mit Tempo zu überlisten - allerdings ohne Fortune. Die Schlussphase war eine Mischung aus Nervenschlacht und Slapstick. Marc Olazabal holte sich in der 55. Minute Gelb, als er, laut eigener Aussage, "nur den Ball spielen wollte, der dummerweise ein Bein trug". Coleraines Abwehrchef James Stokes musste zehn Minuten später vom Platz, allerdings nicht wegen einer Karte, sondern weil Trainer Legat den 17-jährigen Charlie Kenny brachte - ein Wechsel, der beim Publikum für Raunen sorgte. Kenny machte seine Sache ordentlich, auch wenn er in der 81. Minute bei O’Deas Schuss nur noch beten konnte. Am Ende stand ein 1:1, das sich in Zahlen so liest, wie es aussah: 14 Torschüsse der Reds, 12 von Coleraine, eine ausgeglichene Zweikampfquote (50,1 % zu 49,9 %) und zwei Teams, die sich nichts schenkten. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", resümierte Reds-Veteran Paul Wurst, der mit 35 Jahren immer noch die Fäden im Mittelfeld zieht. "Solange wir ackern, ist alles gut. Nur das Bier danach war zu warm." Coleraine-Coach Legat sah’s ähnlich, wenn auch mit leicht verbissenem Unterton: "Ein Punkt auswärts ist gut. Aber wenn du so früh führst, willst du eben mehr. Wir hatten den Sieg auf dem Fuß, dann fehlt der letzte Punch." Die Fans verließen das Stadion zufrieden, manche kopfschüttelnd, manche jubelnd - je nach Trinkpause in Halbzeit zwei. Cliftonville bleibt damit ungeschlagen, Coleraine ebenso, und beide Teams wissen: Das war kein Galaabend, aber ein Versprechen für mehr Spannung in dieser Liga. Ach ja, ein kleiner Junge auf der Tribüne fragte beim Abpfiff lautstark seinen Vater: "Papa, wer hat jetzt gewonnen?" Der Vater grinste nur: "Niemand, mein Junge - aber langweilig war’s nicht." Und damit hatte er wohl recht. 04.12.643993 15:57 |
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