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Pro League | 5. Spieltag | 09.07.26 | SC Antwerpen - Club Lüttich 2:4 Dabei fing alles so verheißungsvoll an. Antwerpen, von Beginn an offensiv ausgerichtet, drückte auf den frühen Treffer. Thierry Hanke prüfte den Lütticher Torwart Hugo Lloris (20 Jahre jung, aber mit der Ruhe eines erfahrenen Schachspielers) gleich dreimal in den ersten 15 Minuten - allerdings ohne Erfolg. "Ich dachte, einer muss doch rein", grinste Hanke später bitter. "Aber Lloris stand immer da, wo ich hinschieße - das ist unhöflich." In der 31. Minute platzte dann endlich der Knoten: Corey Ward, der wuselige Mittelfeldmotor, zog nach feinem Zuspiel von Hanson Schoonhoven aus 20 Metern ab - 1:0. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, perfekt ins linke Eck gezirkelt. Das Stadion tobte, die Tribüne hüpfte, die Bierbecher flogen. Antwerpen hatte alles im Griff: mehr Zug, mehr Wille, mehr Wucht. Doch in der Kabine muss jemand den Lüttichern Espresso in die Wasserflaschen gemischt haben. Direkt nach Wiederanpfiff, in der 47. Minute, kombinierte sich der agile Ignacio Vazques über rechts mit Kobe Peesmeesters durch und traf zum 1:1. Keine 60 Sekunden später antwortete Antwerpen - wieder Ward, diesmal als Vorlagengeber, flankte butterweich auf Kacper Szymkowiak, der per Volley zum 2:1 einschoss. Das Publikum raste, die Spieler feierten, die Stadionregie spielte schon Siegeshymnen an. Dann kam die 50. Minute - und der Wendepunkt. Szymkowiak, eben noch Torschütze, sah nach einem unnötigen Foul und seiner zweiten Gelben Karte die Ampelkarte. "Er meinte, der Ball sei rund, also müsse man ihn treten - leider war’s der Gegner", kommentierte ein Antwerpener Fan trocken auf der Tribüne. Von da an kippte das Spiel. Lüttich nutzte die Überzahl eiskalt. In der 53. Minute traf Jack Grealish nach Vorarbeit von Jozef Stastny zum 2:2. Der 18-jährige Stastny war überhaupt der Mann des Abends: quirlig, frech, unerschrocken. In der 70. Minute belohnte er sich selbst, als er einen Pass von Peesmeesters zum 2:3 verwertete. "Ich hab gar nicht nachgedacht", sagte Stastny nach dem Spiel, "ich hab einfach geschossen. Vielleicht war das das Beste." Antwerpen stemmte sich mit wütenden Angriffen gegen die drohende Niederlage, doch ohne Szymkowiak fehlte die Struktur. Der Ballbesitz - ohnehin mit 44,8 Prozent leicht im Nachteil - sank weiter, die Lütticher kontrollierten das Tempo mit 55 Prozent Spielanteil und 14 Torschüssen (Antwerpen kam auf neun). Als Jack Grealish in der 85. Minute nach schöner Vorlage von Robin Deconinck zum 2:4 einschoss, war die Messe gelesen. Der Engländer jubelte mit einem breiten Grinsen, während die Antwerpener Spieler ratlos in die Abendsonne blickten. Ein Zuschauer rief: "Vielleicht hätten wir auch Espresso gebraucht!" - was selbst den Ordnern ein Lächeln entlockte. Trainer Dan Schmitz von Lüttich zeigte sich nach der Partie zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben Charakter gezeigt. In der ersten Halbzeit waren wir zu brav, in der zweiten mutiger - und das wurde belohnt." Auf die Frage, ob er den jungen Stastny loben wolle, grinste Schmitz nur: "Er darf morgen ausschlafen, das ist genug Lob." Antwerpens Coach, der sich demonstrativ den Schweiß von der Stirn wischte, war weniger gelassen: "Zwei Tore schießen, ein Mann weniger, und dann vier kassieren - das ist ein Drehbuch, das keiner unterschreibt." Am Ende bleibt die Erkenntnis: Fußball kann grausam ehrlich sein. Wer seine Chancen nicht nutzt und sich selbst schwächt, wird bestraft. Antwerpen verabschiedete sich mit hängenden Köpfen, Lüttich mit breiter Brust. Ein älterer Antwerpener Fan fasste es beim Hinausgehen treffend zusammen: "Wir waren gut, bis wir wieder wir selbst waren." Manchmal ist das eben der Unterschied zwischen einem schönen Abend und einem lehrreichen. 09.07.2026 21:19 |
Sprücheklopfer
Das ist Wahnsinn! Da gibt's Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich!
Toni Polster nach einer Niederlage