// Startseite
| Außenseiter |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein kalter Januarabend, Flutlicht über dem Coburger Stadion, 3.500 Zuschauer mit heißem Glühwein und noch heißeren Erwartungen. Was sie zu sehen bekamen, war ein Fußballabend, der in seiner Klarheit fast schon pädagogisch wirkte: DVV Coburg gewann mit 3:0 gegen den SV Nürnberg-Süd - und das mit einer Mischung aus Geduld, Präzision und einem Schuss Chuzpe. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass sich hier zwei Teams begegneten, die das Wort "ausgewogen" etwas zu wörtlich nahmen. Beide begannen mit identischer taktischer Balance - keine verrückten Flügelstürme, keine wilden Pressing-Orgien. Man hatte fast das Gefühl, die Trainer hätten sich vor dem Spiel abgesprochen: "Ihr macht nix Verrücktes, wir auch nicht." Doch während Nürnberg-Süd es beim "nicht Verrückten" beließ, nutzte Coburg seine wenigen klaren Momente eiskalt aus. In der 26. Minute war es Leon Schindler, der nach feiner Vorarbeit von Edoardo Mantovani den Ball ins lange Eck schob. Kein Gewaltschuss, kein Zufall - eher das Produkt eines klaren Gedankens in einem bis dahin eher gedankenarmen Spiel. Schindler grinste später in die Mikrofone: "Ich wollte eigentlich flanken, aber naja - nehmen wir’s so." Nürnberg-Süd versuchte nach dem Rückstand, sich zu schütteln, fand aber selten den Rhythmus. Mark Nagel im Mittelfeld, sonst der ruhende Pol, kassierte in der 39. Minute Gelb - aus purem Frust, wie er später zugab: "Ich hab den Ball gesucht und den Gegner gefunden." Nach dem Seitenwechsel kam Coburg mit mehr Zug - und der zweite Treffer ließ nicht lange auf sich warten. In der 54. Minute spielte Curt Roth einen dieser Schnittstellenpässe, die man sonst nur in Lehrvideos sieht, und Okan Kiskanc vollendete mit der Abgeklärtheit eines Mannes, der gerade seinen dritten Espresso hatte. "Curt hat mir den Ball serviert, ich musste nur noch Danke sagen", grinste Kiskanc später in die Kameras. Wer glaubte, Nürnberg-Süd würde sich nun aufbäumen, wurde enttäuscht. Zwar hatten sie mit 50,5 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch das war so wirkungsvoll wie ein Regenschirm im Sturm. Ganze sieben Torschüsse standen am Ende zu Buche - Coburg dagegen brachte es auf 17, und jeder zweite fühlte sich gefährlich an. Das 3:0 in der 61. Minute war dann die endgültige Entscheidung - ein Déjà-vu des ersten Tores: diesmal bediente wieder Mantovani von links, diesmal traf Roth selbst. Präzise, trocken, unaufgeregt. Man spürte, wie der SV Nürnberg-Süd innerlich zusammensackte. Trainer und Spieler blickten einander an, als wollten sie fragen: "Wie konnten wir dreimal auf dieselbe Art erwischt werden?" Coburg spielte die Partie danach routiniert herunter, auch wenn Linksverteidiger Timm Steiner kurz vor Schluss verletzt ausschied. "Nichts Schlimmes", beruhigte Trainer Schneider (so nannte sich der Coach augenzwinkernd selbst gegenüber den Reportern). "Er hat gesagt, er wollte einfach mal Applaus hören." In der 86. Minute kam der 34-jährige Carl Kraft für Steiner - ein Wechsel, der eher symbolischen Wert hatte. Es war der Moment, in dem das Stadion den Heimsieg endgültig feierte. Die Fans sangen, die Spieler klatschten, und auf der Bank des SV Nürnberg-Süd herrschte betretenes Schweigen. "Wir waren nicht schlechter, nur weniger effizient - und das ist im Fußball ungefähr dasselbe", kommentierte Nürnbergs Trainer nach dem Spiel mit bemerkenswerter Ehrlichkeit. Tatsächlich: Die Statistik sprach zwar von ausgeglichenem Ballbesitz, aber Coburgs 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe erzählten eine andere Wahrheit. Nach dem Abpfiff tanzte Curt Roth mit Schindler und Mantovani im Mittelkreis, während Kiskanc in die Fan-Kurve winkte. Ein Junge hielt ein Schild hoch: "Curt, heirate meine Schwester!" - Roth lachte, Mantovani rief: "Er hat noch keine Wohnung!" Es war einer dieser Abende, die in Coburg noch eine Weile weitererzählt werden. Nicht, weil der Gegner übermächtig war, sondern weil die eigene Mannschaft zeigte, wie man mit kühlem Kopf und warmem Herzen Fußball spielt. Und Nürnberg-Süd? Die werden sich an diesen Abend wohl mit einer kalten Dusche trösten. Vielleicht hilft’s ja. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer 17-mal aufs Tor schießt und dreimal trifft, darf von Effizienz sprechen. Wer 7-mal schießt und nie trifft, sollte lieber über Philosophie nachdenken. Coburg tat das Nötige - und manchmal ist genau das die schönste Form des Spektakels. 26.05.643987 16:38 |
Sprücheklopfer
Ich kenne sie vom Sehen, aber sie haben drei, vier Namen. Heißen einmal Hussein, dann Mohammed. Das ist noch ein Problem.
Berti Vogts über seine Spieler bei der Nationalmannschaft von Kuwait