Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Coelhos Last-Minute-Streich lässt Nevsehir jubeln

Es war schon eine dieser Nächte, in denen man das Gefühl hatte, das Drehbuch sei von einem Romantiker mit Hang zum Drama geschrieben worden. 39.047 Zuschauer im Nevsehir-Stadion sahen ein Spiel, das lange Zeit aussah wie ein unentschiedenes Schachduell - mit viel Ballbesitz, aber wenig Konsequenz. Am Ende entschied ein einziger Moment der Klarheit: Antonio Coelho, der Mann mit dem unwiderstehlichen Instinkt für den richtigen Augenblick, traf in der 94. Minute zum 1:0-Sieg gegen Liyaspor.

Dabei hatte alles so zäh begonnen wie ein türkischer Mokka, der einfach nicht abkühlen will. Nevsehir, unter der Anleitung des akribischen Mehmet Kaan, kontrollierte das Geschehen von Beginn an. 65 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse, aber bis weit in die Nachspielzeit hinein kein Tor. Liyaspor-Coach Liya Faye, sonst ein Freund des offenen Schlagabtauschs, ließ ihre junge Truppe erstaunlich passiv agieren. "Wir wollten das Zentrum dicht machen", erklärte sie nach dem Spiel mit einem Lächeln, das mehr Enttäuschung als Überzeugung verriet.

Schon in der dritten Minute feuerte Leandro Tonel den ersten Warnschuss ab - ein Versuch, der so weit über das Tor ging, dass ein Balljunge kurz überlegte, ob er den Ball nicht gleich behalten sollte. Danach folgten Rinaldi, Soverato, Aurelio - alle mit Abschlüssen, alle ohne Fortune. Die Zuschauer begannen zu raunen, dann zu stöhnen. "Wenn wir ein Tor so leicht treffen würden wie den Pfosten, wären wir Tabellenführer", brummte ein älterer Fan auf der Haupttribüne, während er seinen Schal enger zog.

Liyaspor versuchte es mit Nuri Turan, einem 18-jährigen Stürmer, der sich tapfer gegen die robuste Nevsehir-Abwehr stemmte. Zwei Mal zwang er Keeper Martin Pacos zu beherzten Paraden, in der 34. und 40. Minute. Doch die Gäste blieben insgesamt zu harmlos - vier Torschüsse in 90 Minuten sind kein Ausdruck von Offensivdrang. "Wir haben zu viel Respekt gezeigt", gab Faye später zu.

In der zweiten Halbzeit wurde Nevsehir drängender. Trainer Kaan brachte den jungen Inigo Frechaut für den gelbverwarnten Tonel, der nach einem rustikalen Einsteigen in der 54. Minute vorsichtshalber vom Feld musste. "Leandro hat die Linie etwas zu wörtlich genommen", scherzte Kaan über die Szene. Kurz darauf musste Liyaspor auch noch den angeschlagenen Matan Ajalon ersetzen - eine Szene, bei der man kurzzeitig die Luft anhielt, ehe der Mittelfeldmann humpelnd vom Platz geführt wurde.

Die Schlussphase begann mit einem Wechsel, der sich als goldrichtig herausstellen sollte: In der 69. Minute kam Antonio Coelho für den müden Argün Aslan. Von da an lag eine gewisse Unruhe in der Luft - als wüsste das Stadion, dass noch etwas passieren würde. Coelho selbst sagte später: "Inigo meinte zu mir: ’Wenn du reinkommst, lauf einfach. Ich finde dich.’ Und genau das ist passiert."

Denn in der 94. Minute, als viele schon gedanklich beim Tee waren, kam der Moment der Erlösung. Frechaut, der 18-jährige Debütant, spielte einen präzisen Steckpass durch Liyaspor’s müde Abwehrreihe. Coelho startete, nahm den Ball mit der rechten Innenseite mit, drehte sich - und traf ins lange Eck. Der Jubel war ohrenbetäubend. Auf der Trainerbank sprang Mehmet Kaan auf, warf die Arme in die Luft und rief: "Endlich belohnt sich diese Mannschaft!"

Liyaspor versuchte in den verbleibenden Sekunden noch einmal alles, doch Nuri Turans letzter Verzweiflungsschuss in der 96. Minute landete in den sicheren Armen von Pacos. Danach war Schluss - und die Fans sangen sich die Kälte aus den Knochen.

"Das war kein schöner Sieg, aber ein verdienter", bilanzierte Kaan später mit einem Augenzwinkern. "Wir haben den Ball gehabt, den Gegner laufen lassen - und am Ende das Tor gemacht. Eigentlich ganz einfach, oder?" Liya Faye hingegen nahm es sportlich: "Wenn man so spät verliert, tut es doppelt weh. Aber vielleicht war das die Lehrstunde, die wir gebraucht haben."

Statistisch war alles klar: Nevsehir mit 65,5 Prozent Ballbesitz, zwölf Abschlüssen und einer Zweikampfquote von 54,6 Prozent - Liyaspor dagegen mit vier Schüssen und einem defensiven Ansatz, der irgendwann einfach zu passiv wurde.

Als das Stadion leer war und die Flutlichter langsam ausgingen, blieb das Bild von Coelho, der mit den Armen in der Luft jubelnd zur Kurve lief. Ein später Sieg, aber einer mit Symbolkraft - für eine Mannschaft, die nicht aufgab. Und irgendwo in der Kabine soll Mehmet Kaan gesagt haben: "Wenn wir schon so lange auf ein Tor warten müssen, dann wenigstens auf ein schönes."

Ein Satz, der wohl noch eine Weile nachhallen wird.

16.03.643987 10:48
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Was erlaube Struuuuunz?
Giovanni Trappatoni
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager