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An einem kühlen Märzabend, an dem selbst der Wind über dem Drumahoe-Stadion ein wenig Mitleid mit den Heimfans zu haben schien, erlebten 20.000 Zuschauer ein Spiel, das wohl nur einer Mannschaft wirklich Spaß machte: Coleraine Town. Mit einem 4:0-Auswärtssieg (0:0) am 9. Spieltag der 1. Liga Nordirland hinterließen die Gäste keine Fragen offen - höchstens die, ob Drumahoe überhaupt mitbekam, dass die zweite Halbzeit begonnen hatte. Dabei hatte alles recht harmlos begonnen. Drumahoe FC kam mit breiter Brust aufs Feld, Trainername unbekannt, aber mit der taktischen Vorgabe "offensiv" und "balanciert" - was auf dem Papier nach Mut klang. Auf dem Rasen allerdings war davon wenig zu sehen. Zwar verzeichneten die Hausherren mit 52 Prozent mehr Ballbesitz, doch das war ungefähr so nützlich wie ein Regenschirm im Sturm. Coleraine konterte, presste und schoss aus allen Lagen: 24 Abschlüsse, sieben davon aufs Tor, während Drumahoe sich mit sieben zarten Torschüssen begnügte. In der ersten Halbzeit hielt Drumahoe noch halbwegs mit. Der 34-jährige Thomas O’Leary prüfte in der 22. Minute Gästetorwart Alexandru Mihali, und Dylan Houghton schoss in der 26. Minute aus der Distanz - wenigstens so weit, dass der Ball am Ende auf dem Parkplatz landete. Coleraine dagegen ließ seine Offensivreihe um Claudiu Pancu, Oscar Heinemann und Janis Guillory wirbeln, doch bis zur Pause blieb es beim torlosen Remis. "In der Kabine habe ich nur gesagt: Jungs, ihr dürft auch mal treffen", grinste Coleraines Trainer Bert Legat später. Seine Mannschaft nahm ihn beim Wort. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff war es soweit: Tomas Sestak flankte von rechts, und Oscar Heinemann stieg am höchsten - 1:0 (50.). Eine klassische Mittelstürmeraktion, wie aus dem Lehrbuch. Drumahoe versuchte zu antworten, aber was folgte, war eher ein kollektives Verzetteln. Die Defensive wackelte, die Pässe landeten beim Gegner, und spätestens nach Heinemanns zweitem Treffer in der 82. Minute war der Widerstand gebrochen. Dazwischen hatte Edoardo Marano in der 77. Minute nach einer Vorlage des Innenverteidigers James Stokes (!) auf 2:0 erhöht - ein kurioses Tor, das Legat später mit einem Augenzwinkern kommentierte: "Wenn sogar meine Abwehrspieler anfangen, Assists zu sammeln, läuft’s." Marano legte nur sechs Minuten später nach. Nuno Mocana hatte im Mittelfeld Übersicht bewiesen, schickte den Italiener mit einem präzisen Pass auf die Reise, und Marano vollendete eiskalt - 4:0. Innerhalb von sechs Minuten zerlegte Coleraine die Heimmannschaft und sorgte dafür, dass die letzten Zuschauer in Drumahoe schon vor Abpfiff Richtung Ausgang schlurften. Drumahoe-Kapitän Sean Cunningham fand nach der Partie deutliche Worte: "Das war beschämend. Wir standen da wie Touristen beim Stadionbesuch." Trainer Legat dagegen blieb sachlich: "Wir wollten nach der Pause über die Flügel kommen, und genau das haben wir getan." Seine Taktikänderung - von Angriff über die Mitte zu Flügelspiel ab Minute 45 - war der Schlüssel. Ganz ohne Schatten blieb Coleraines Gala aber nicht. Tomas Sestak, einer der auffälligsten Spieler, sah in der 84. Minute Gelb und nur zwei Minuten später Gelb-Rot. "Ich wollte nur applaudieren", rechtfertigte er sich nach dem Spiel mit einem unschuldigen Lächeln, "aber anscheinend war das zu laut." Auch Andrew Murray kassierte kurz vor Schluss noch Gelb - offenbar wollte er nicht, dass Sestak sich auf der Strafbank einsam fühlte. Auf Seiten von Drumahoe fiel Benjamin O’Halloran schon früh mit einer Gelben Karte auf (15.), als er Pancu unsanft stoppte. "Ich hab’ nur den Ball gespielt", beteuerte er. Der Schiedsrichter grinste - und zeigte Gelb. Statistisch gesehen war das Spiel eine kleine Absurdität: Drumahoe hatte mehr Ballbesitz (52:48), aber Coleraine gewann fast alle Zweikämpfe (56 Prozent) und war in jeder Hinsicht effizienter. Das Pressing der Gäste - zunächst nur angedeutet, später gnadenlos - erdrückte die Hausherren förmlich. Am Ende stand auf der Anzeigetafel ein 0:4, das auch hätte höher ausfallen können. Die Coleraine-Fans sangen, die Drumahoe-Spieler schauten betreten zu Boden. "Manchmal", murmelte Heimkeeper Callum O’Leary, "ist der Pfosten unser bester Mann - heute war selbst der gegen uns." Ein Abend, an dem Coleraine Town seine Ambitionen auf die Tabellenspitze untermauerte - und Drumahoe FC sich wohl fragt, ob man Ballbesitz irgendwann in Punkte umrechnen kann. Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions trocken formulierte: "Wir hatten den Ball. Sie hatten die Tore. Ich weiß, was mir lieber ist." 12.02.643994 05:38 |
Sprücheklopfer
Wenn das Handy klingelt, kann man aus dem Bus aussteigen - und wir fahren weiter. Der hat ja ein Handy und kann sich ein Taxi rufen.
Werner Lorant über das Handyverbot bei München 1860