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29926 Zuschauer im altehrwürdigen Stadio di Palermo erlebten an diesem Samstagabend ein Lehrstück in Effizienz: Como gewann beim FC Sicilia mit 2:0 (1:0) und bewies, dass man nicht mehr Ballbesitz braucht, um ein Spiel zu kontrollieren. Zwei Tore, vierzehn Torschüsse, ein Hauch von norditalienischer Gelassenheit - und ein Gastgeber, der zwar viel wollte, aber am Ende nur auf die Anzeigetafel starrte. Es begann eigentlich verheißungsvoll für die jungen Sizilianer. Schon nach fünf Minuten drosch Archie Kirwan aus halbrechter Position auf das Tor - die Kugel rauschte über die Latte, begleitet vom erleichterten Aufstöhnen der Como-Fans. "Da dachte ich kurz, das wird heute ein langer Abend", gab Comos Torhüter Diego Couto später zu und grinste, "aber dann haben wir gemerkt: Die schießen gern, aber selten aufs Tor." Sicilia hatte mit 51 Prozent Ballbesitz und langen Bällen von hinten heraus zwar mehr vom Spiel, aber weniger Ideen. Die Gäste dagegen wirkten abgeklärt. Besonders Franck Berthier und der 17-jährige Maurizio Beltrame auf der rechten Seite brachten Leben ins Angriffsspiel. In der 45. Minute dann der erste Stich: Ivan Jertec, zuvor schon dreimal gescheitert, traf nach Vorbereitung von Jörn Bendtsen zum 1:0. Ein Schuss wie ein Pistolenschlag, genau in den Winkel. "Ich wollte einfach Feierabend machen, bevor der Schiri pfeift", witzelte Jertec nach dem Spiel. Trainer Peter Hess, ein Mann, der sonst eher in langen Sätzen denkt, fasste es prägnant zusammen: "Wir haben Sicilia laufen lassen - und sie sind gelaufen." Und tatsächlich: Die Hausherren liefen, kämpften, grätschten - aggressiv, aber planlos. Mister Giacomo, der sizilianische Coach, gestikulierte wild an der Seitenlinie, als wolle er mit bloßer Hand die Flugbahn des Balles beeinflussen. "Wir hatten das Spiel im Griff", sagte er später mit stoischer Miene. "Leider hatte Como den Ball, als sie die Tore machten." Nach der Pause kam kurz Hoffnung auf, als Michele Aiello und Igor Muzek zwei ordentliche Abschlüsse hatten (87. und 90. Minute). Doch zuvor hatte Karel Plisek in der 66. Minute alles klargemacht: Der tschechische Rechtsaußen vollendete nach Flanke von Linksverteidiger Alfred Sztani eiskalt zum 2:0. Es war der Moment, in dem die 29.926 Zuschauer kollektiv seufzten - und einige sich fragten, ob sie den Parkplatz rechtzeitig erreichen würden. Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 14 Torschüsse für Como, nur vier für Sicilia. Trotz minimal weniger Ballbesitz (48 Prozent) kontrollierten die Gäste das Geschehen, gewannen mehr Zweikämpfe (56 Prozent) und wirkten in jeder Aktion abgeklärter. Selbst die Gelbe Karte gegen Tibor Albert in der 29. Minute brachte sie nicht aus dem Konzept. Sicilia konterte mit einer Gelben für den jungen Igor Muzek - sinnbildlich für die überbordende Leidenschaft der Hausherren, die an diesem Abend eher in Richtung Verzweiflung tendierte. In der 75. Minute wechselte Hess gleich doppelt: Oliveira kam für Sztani, Ibano ersetzte den blassen Pinna. Sicilia hatte da längst den Mut mit der Präzision verwechselt und schickte einen langen Ball nach dem anderen ins Nichts. "Wir haben manchmal die Wolken getroffen", murmelte Abwehrchef Razvan Csik, "aber nie das Tor." Nach dem Abpfiff klatschten die Como-Spieler in Richtung der mitgereisten Fans, während Mister Giacomo seine Jungs in einem Kreis versammelte. Man sah viel Schulterklopfen, aber wenig Lächeln. "Das war ein Reifeprozess", sagte er. "Leider in der Pubertätsphase steckengeblieben." Comos Sieg war verdient, weil er auf kluger Organisation und eiskalter Chancenverwertung beruhte. Jertec und Plisek waren die Gesichter eines Teams, das mit unspektakulärem Fußball große Wirkung erzielte. Sicilia dagegen bleibt das große Rätsel der Liga: technisch stark, läuferisch präsent, aber ohne Durchschlagskraft. Und so ging ein warmer sizilianischer Abend mit einem kalten Resultat zu Ende. Während die Fans aus Como noch auf der Heimfahrt sangen, blieb Mister Giacomo im Presseraum lange sitzen, vor sich eine halbvolle Espressotasse. Auf die Frage, was er aus dem Spiel mitnehme, antwortete er trocken: "Zwei Tore. Leider die falschen." Ein Satz, der das Spiel besser zusammenfasst als jede Statistik. 03.02.643997 23:56 |
Sprücheklopfer
Wenn wir kein Tor machen, können wir nicht einmal in Kaiserslautern gewinnen.
Aleksandar Ristic