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Ein milder Frühlingsabend, 33.477 Zuschauer, ein glänzender Rasen - und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, seine Fans mit einem Torfestival zu beschenken. Como fegte am 34. Spieltag der 2. Liga Italien Spezia mit 6:0 vom Platz. Was sich liest wie ein Ergebnis aus einem Videospiel, war in Wahrheit ein taktisch klug geführter, mit Leidenschaft geführter Fußballabend, bei dem Spezia kaum Luft bekam - geschweige denn den Ball. Schon nach zehn Minuten war klar, wohin die Reise geht. Jörn Bendtsen, der dänische Taktgeber im Mittelfeld, nahm sich ein Herz, zog aus 18 Metern ab - 1:0. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste er später in die Kameras, "aber wenn der Ball so schön bittet, geschossen zu werden …" Es war der Auftakt zu einem Abend, an dem das Glück und das Können gleichermaßen in Blau spielten. Nur drei Minuten später vollendete Esteban Ibano nach Vorarbeit von Yaman Öztürk zum 2:0. Öztürk, der mit seiner Gelben Karte in der 31. Minute kurzzeitig an Temperament gewann, war der Mann, der überall auftauchte: Vorlagengeber, Antreiber, später sogar Torschütze. "Ich wollte zeigen, dass wir nicht nur verteidigen können", sagte er schmunzelnd. Man könnte sagen, das ist ihm gelungen. Spezia hingegen wirkte wie ein Team, das in Gedanken noch beim Cappuccino in der Altstadt war. Drei Torschüsse in 90 Minuten - das sagt alles. Ihr Trainer, dessen Name die Statistik nicht verrät, aber dessen Miene Bände sprach, sah seine Mannschaft ohne Pressing, ohne Zugriff, ohne jede Überraschung. Kapitän Rossano versuchte es zwar in der dritten Minute mit einem harmlosen Schüsschen, doch Torwart Daniel Brady hatte an diesem Abend vermutlich weniger zu tun als der Stadionsprecher. Nach der Pause legte Como noch eine Schippe drauf. Jacob Ross, der bullige Mittelstürmer, traf in der 59. Minute nach feinem Zuspiel von Karel Plisek zum 3:0. Das Stadion bebte, und Trainer Peter Hess ballte die Faust - nur kurz allerdings, denn das Spiel war da längst entschieden. "Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt: Spielt weiter, als stünde es 0:0. Offenbar haben sie mich wörtlich genommen", lachte Hess nach Abpfiff. Das 4:0 fiel in der 68. Minute: Filippo Cerutti, der auf der linken Seite rannte, als gäbe es kein Morgen, verwertete eine mustergültige Vorlage von - natürlich - Yaman Öztürk. In der 75. Minute durfte der junge Gianfranco Fuscaldo noch ran, und nur eine Minute später nutzte er seine erste Chance eiskalt: 5:0. "Ich hab’ nur den Fuß hingehalten", sagte der 20-Jährige bescheiden. Bendtsen hatte den Ball mustergültig quergelegt - eine Szene, die selbst den gegnerischen Anhang kurz applaudieren ließ. Doch der Schlusspunkt gehörte wieder dem umtriebigen Öztürk, der in der 92. Minute das halbe Stadion in Ekstase versetzte. Cerutti bediente ihn diesmal, und der Routinier vollendete trocken zum 6:0-Endstand. Spezia stand da wie ein Boxer, der nach der dritten Runde längst angezählt ist, aber trotzdem noch versucht, aufrecht zu bleiben. Die Zahlen untermauern das Debakel: 19 Torschüsse für Como, nur 3 für Spezia. 51 Prozent Ballbesitz für die Hausherren - also kein erdrückendes Übergewicht, aber eine gnadenlose Effizienz. Tacklingquote? 56 Prozent. Selbst die Zweikämpfe gehörten den Gastgebern. Als die Spieler nach dem Abpfiff Richtung Fankurve gingen, hallte ein ironisches "Olé!" durchs Stadion - nicht spöttisch, sondern voller Freude. Für Como war es ein Fest, für Spezia ein Alptraum in Weiß. "Wir haben heute Fußball zelebriert", meinte Coach Hess, während hinter ihm die Spieler lachend Wasserflaschen in die Luft spritzten. "Aber nächste Woche fangen wir wieder bei null an. Auch wenn das heute nach hundert aussah." Spezias Verteidiger Kornej Moissejew fand immerhin noch Humor: "Wir wollten Konter spielen, aber um zu kontern, braucht man den Ball." Treffender lässt sich dieser Abend kaum zusammenfassen. Ein Spiel, das Como-Fans so schnell nicht vergessen werden - und das Spezia hoffentlich sehr schnell verdrängt. Der Lago di Como hat schon viele Dramen gesehen, doch selten eines, das in so viel Jubel endete. Und irgendwo in der Kabine summte jemand leise: "Sechs Tore sind besser als eins." Recht hat er. 15.02.643997 18:20 |
Sprücheklopfer
Das ganze Stadion wird gegen uns sein. Ganz Deutschland wird gegen uns sein. Etwas Schöneres gibt es gar nicht.
Oliver Kahn vor dem Saisonfinale 00/01 der Bayern beim Hamburger SV