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Es war einer dieser Abende auf Lanzarote, an denen der Wind vom Atlantik her pfeift und man schon beim Aufwärmen ahnt: Das wird kein Wellness-Fußball. Trotzdem fanden sich 41.011 Zuschauer im Estadio de los Volcanes ein, um zu sehen, ob ihr Lanzarote CF nach dem Auftaktdebakel Wiedergutmachung betreiben würde. Am Ende blieb es beim guten Vorsatz - und einem 0:2 gegen ein abgebrühtes Conquense, das schnörkellos, zielstrebig und mit einem Hauch britischer Härte auftrat. Trainer Meister Leverkusen, dessen Name schon nach Ironie ruft, hatte seine Elf offensiv angekündigt, aber nach zwei Minuten war klar: Hier würde heute das Team mit der besseren Chancenverwertung triumphieren. Lanzarote hatte zwar den ersten Torschuss durch Linksverteidiger Klaus Müller - ein strammer Versuch aus 25 Metern, der aber mehr Gefahr für die Stadionverpflegung als für den Torhüter bedeutete. Conquense antwortete mit einem wahren Trommelfeuer: 15 Torschüsse, davon etliche durch die unermüdlichen Flügel Olise und Bridges. Letzterer war es auch, der in der 35. Minute die Partie in die richtige Richtung lenkte. Nach feiner Vorarbeit des griechischen Flügelläufers Takis Nioplias zog Bridges von links in den Strafraum, täuschte zweimal an und zimmerte den Ball ins lange Eck. "Ich dachte, er will nochmal querlegen", stöhnte Lanzarotes Keeper Vincent Maurice später, "aber dann war der Ball schon im Netz - und ich im falschen Film." Die Gastgeber wirkten kurz geschockt, versuchten aber, noch vor der Pause zu antworten. Ignacio Mendivil prüfte Conquenses Torwart Knud Gruber mit einem Schuss aus der Distanz, Rafael Estevo rauschte bei einer Flanke knapp vorbei. Doch gefährlich wurde es selten. Die Halbzeitstatistik - 6:15 Torschüsse, 49,8 Prozent Ballbesitz - sprach eine klare Sprache. Nach dem Seitenwechsel reagierte Leverkusen mit einem Dreifachwechsel: Xuarez im Tor für Maurice, Tarrega für Detari, Galisteo für Fagnano. "Wir wollten frischen Wind - bekommen haben wir Gegenwind", kommentierte der Trainer später trocken. Denn kaum war die neue Formation sortiert, erhöhte Conquense in der 61. Minute auf 2:0. Michael Olise, 20 Jahre jung und frech wie ein Straßenkicker, lauerte nach einem klugen Pass von Jose Enrique Gomes auf der rechten Seite, zog nach innen und schloss eiskalt ab. "Ich hab’ einfach abgezogen. Wenn du zu lange nachdenkst, ist der Ball schon beim Gegner", grinste Olise nach der Partie. Sein Trainer Andreas Sch, ein Mann mit Hang zur trockenen Untertreibung, ergänzte: "Wir haben das ganz ordentlich gemacht. Nur schade, dass wir nicht noch drei, vier nachgelegt haben." Lanzarote hingegen fand kein Mittel. Zwar erhöhte man den Druck kurzzeitig, doch Conquense verteidigte clever, notfalls rustikal - was vier Gelbe Karten zur Folge hatte. Auch die Hausherren sammelten zwei Verwarnungen, wobei Rafael Estevo in der Nachspielzeit wohl eher aus Frust als aus taktischen Gründen zupackte. In der 72. Minute sah Alfonso Tarrega Gelb, nachdem er Olise vor der Trainerbank umriss - direkt vor Leverkusen, der anschließend den Schiedsrichter mit den Worten "Das war Ball gespielt - theoretisch" beschwichtigte. Die Schlussphase verlief dann wie ein gepflegter Sommerabend im Schatten des Vulkans: Lanzarote mühte sich, Conquense konterte, und die Zuschauer trösteten sich mit Sangria. Der eingewechselte Sergio Semprun setzte in der 81. Minute den letzten nennenswerten Akzent, doch sein Schuss flog knapp über das Tor. "Wir haben uns nicht versteckt", meinte Lanzarotes Kapitän Elmo Van Keuren nach dem Abpfiff, "aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Vielleicht hätte er sagen sollen: kein Urlaubsausflug. Denn Conquense, mit minimalem Aufwand und maximaler Effizienz, nahm die drei Punkte mit einer Selbstverständlichkeit, die an professionelle Routine grenzte. Statistisch gesehen war es ein beinahe ausgeglichenes Spiel - 50 zu 50 Prozent Ballbesitz, kein Klassenunterschied auf dem Papier. Aber Fußball wird nicht auf Papier gespielt, sondern auf Rasen, und dort war der Unterschied spürbar: Conquense spielte geradlinig, Lanzarote umständlich. Trainer Sch brachte es am Ende auf den Punkt: "Manchmal ist Fußball einfach - du schießt öfter aufs Tor, du triffst öfter." Für Lanzarote CF bleibt die Erkenntnis, dass Leidenschaft allein nicht reicht. Für Conquense hingegen war es ein Ausrufezeichen. Und für die Zuschauer? Ein Abend mit Wind, zwei Toren - und der Gewissheit, dass auf dieser Insel nicht nur der Vulkan, sondern auch der Gegner Feuer hat. 02.04.643997 21:47 |
Sprücheklopfer
Jeremies hat in alter Manier um sich geschlagen.
Rainer Bonhof zu den Trainingseindrücken des während der WM 98 angeschlagenen Jens Jeremies