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Was für ein Abend in Kingston! 31.614 Zuschauer im Constant-Spring-Stadion erlebten ein Spiel, das bereits nach einer Viertelstunde seine Richtung kannte - und am Ende zu einem kleinen Fußballfest für die Heimfans wurde. Constant Spring zerlegte die Trenchtown Boys mit 4:0 (1:0) und tat dies in einer Mischung aus Spielfreude, Zielstrebigkeit und, ja, fast schon schöner Rücksichtslosigkeit gegenüber einem Gegner, der an diesem Abend schlicht überfordert war. Schon in der 15. Minute klingelte es zum ersten Mal: Jerome Marceau, der rechte Wirbelwind im Mittelfeld, traf nach Vorarbeit von Bernard Aubin zur Führung. Ein Schuss aus etwa 18 Metern, trocken, präzise, unhaltbar - und so etwas wie das Startsignal für eine Einbahnstraßenpartie. "Ich dachte zuerst, der Ball geht übers Stadiondach", grinste Marceau später in der Mixed Zone. "Aber dann hab ich gemerkt, dass ich ihn richtig getroffen habe. Und dann war’s einfach schön laut." Trenchtown versuchte es mit einer ausgewogenen, fast zurückhaltenden Taktik - "balanced", wie man im Trainerjargon sagt. Doch diese Balance kippte schnell, sobald Constant Spring das Tempo anzog. 25 Torschüsse zu 2 sprechen eine deutliche Sprache. Gästekeeper Uri Herzog stand zeitweise allein auf weiter Flur, seine Vorderleute verteidigten mit einer Mischung aus Ratlosigkeit und Resignation. Als er in der 51. Minute den Ball erneut aus dem Netz fischte, schüttelte er nur den Kopf. Dario Poggi hatte nach feinem Zuspiel von Callum Morriss eiskalt abgeschlossen - 2:0. Kaum hatten die Trenchtown Boys den Anstoß ausgeführt, stand es 3:0. Yves Buffett, 21 Jahre jung und mit der Unbekümmertheit eines Straßenfußballers, zog von der Strafraumkante ab. Sein Schuss flatterte leicht, Herzog streckte sich vergeblich. "Ich hab gar nicht nachgedacht, einfach draufgehalten", sagte Buffett später mit einem Achselzucken. "Vielleicht ist das das Geheimnis." Spätestens ab diesem Moment war das Spiel entschieden. Constant Spring kombinierte nach Belieben, legte sich den Gegner zurecht wie ein erfahrener Koch sein Mise en Place. Die Fans auf der Tribüne sangen, die Sonne ging hinter den Palmen unter, und Trainer Max Wegner lehnte sich entspannt an die Coaching-Zone. "Ich hatte kurz Angst, dass meine Jungs sich jetzt in Schönheit verlieren", meinte er augenzwinkernd nach dem Spiel. "Aber sie wollten wohl noch was für die Tordifferenz tun." In der 70. Minute besorgte Callum Morriss dann den Schlusspunkt. Nach Doppelpass mit Buffett hämmerte der junge Mittelfeldmann den Ball unter die Latte. 4:0 - und die Trenchtown Boys endgültig entzaubert. Morriss riss die Arme hoch, grinste breit und rief Richtung Trainerbank: "Das war für dich, Coach!" Wegner lachte später: "Ich nehme das gern an - aber wenn er das nächste Mal so frei vorm Tor ist, darf er ruhig noch einmal querlegen." Die Trenchtown Boys, ohnehin ersatzgeschwächt, verloren in der 84. Minute auch noch Harvey Celine verletzt. Es passte zum Abend: selbst das Pech hatte sich auf ihre Seite geschlagen. Zwei Gelbe Karten (Rochefort 49., Savard 50.) komplettierten eine Vorstellung, bei der der Frust überhandnahm. Statistisch gesehen war das Spiel erstaunlich ausgeglichen, was Ballbesitz betrifft - 52,7 Prozent für Constant Spring, 47,3 für Trenchtown. Nur: mit Ball wusste das Heimteam etwas anzufangen. Die Gäste nicht. Ihre zwei Schüsse aufs Tor wirkten eher wie ein freundlicher Gruß an Torhüter Davide Pircher, der sich nach 84 Minuten auswechseln ließ - vielleicht war ihm einfach langweilig geworden. Ersatzmann Sigvard Mattson durfte dann immerhin noch einen Rückpass aufnehmen. "Wir haben heute gezeigt, dass wir nicht nur schön spielen, sondern auch konsequent sein können", sagte Wegner. "Vier Tore, drei verschiedene Schützen - das ist Teamfußball." Sein Pendant bei den Trenchtown Boys, der sichtlich bediente Coach, murmelte nur: "Manchmal ist Fußball wie ein Regenschauer - du kannst ihn kommen sehen, aber du wirst trotzdem nass." Als die Flutlichter erloschen, tanzten die Constant-Spring-Fans noch immer auf den Rängen. 4:0, klare Sache, und vielleicht ein kleiner Wink an die Konkurrenz in der 1. Liga Jamaica: Wer Meister werden will, muss hier bestehen. Und das ist derzeit alles andere als einfach. Oder, wie ein gut gelaunter Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn die so weitermachen, braucht Trenchtown bald ein Dach über dem Kopf - sonst regnet’s wieder Tore." 30.03.643994 10:27 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund