Jornal do Brasil
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Craven schockt Flamengo - Sao Paulo siegt mit Effizienz und Glück

Es war ein lauer Sommerabend in Sao Paulo, doch auf dem Rasen des "Estádio Municipal" brannte die Luft. 40.000 Zuschauer sahen am 25. Spieltag der 1. Liga Brasilien ein Spiel, das man wohl als Musterbeispiel für "Wenig Ball, aber viel Wirkung" in die Lehrbücher aufnehmen könnte. CD Sao Paulo bezwang den favorisierten CF Flamengo mit 1:0 - und das, obwohl die Gäste zwölf Torschüsse abgaben und phasenweise wie die einzige Mannschaft auf dem Platz wirkten.

Das Tor des Abends fiel in der 50. Minute: Kai Craven, der flinke Linksaußen der Gastgeber, verwandelte nach schöner Vorarbeit von Tiago Moran zur Führung. Ein Treffer, der aus dem Nichts kam - und am Ende den Unterschied machte. "Ich hab den Ball perfekt erwischt, ehrlich gesagt war ich selbst überrascht, dass der reinging", grinste Craven nach dem Spiel. Sein Trainer, der sich nach Abpfiff erst einmal demonstrativ den Schweiß von der Stirn wischte, soll ihm daraufhin zugerufen haben: "Wenn du das öfter machst, muss ich mir bald keine Fingernägel mehr abkauen!"

Dabei begann die Partie alles andere als verheißungsvoll für Sao Paulo. Schon in der dritten Minute prüfte Benyamin Rieger den heimischen Keeper Jan Tyrala, der mit einem Reflex der Marke "Torwartschule anno ’98" parierte. Flamengo drückte, kombinierte, flankte - und scheiterte immer wieder an Tyrala oder an den eigenen Nerven. Rieger, der zwischen der 3. und 43. Minute insgesamt viermal zum Abschluss kam, wirkte wie ein Mann mit einer Mission, aber ohne Koordinaten.

"Wir hatten das Spiel im Griff, aber der Ball wollte einfach nicht rein", knurrte Flamengos Trainer Dino Ma auf der Pressekonferenz. "Und wenn man vorne die Chancen liegen lässt, bestraft dich der Fußballgott. Heute war er eindeutig Paulista."

In der Tat: Nach der Pause kam Sao Paulo mit neuem Schwung aus der Kabine. Moran, bislang unauffällig, zirkelte in der 50. Minute eine Flanke millimetergenau auf Craven, der trocken abschloss. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend, die Fans sangen, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. Flamengo hingegen wirkte konsterniert - und trotz zahlreicher Versuche, das Spiel noch zu drehen, blieb es beim deprimierenden 0:1 aus ihrer Sicht.

Die Statistik liest sich beinahe grotesk: 12:4 Torschüsse für Flamengo, 48 zu 52 Prozent Ballbesitz - und trotzdem null Punkte. Sao Paulo verteidigte mit Leidenschaft, manchmal auch mit Glück. Rui Beto sah kurz vor der Pause Gelb, als er Benyamin Rieger an der Außenlinie eher umpflügte als tackelte. "Ich hab den Ball gespielt - also zumindest fast", scherzte Beto später und grinste unschuldig in die Kameras.

Für Flamengo kam es noch bitterer: In der 88. Minute flog Olgun Balkan nach wiederholtem Foul mit Gelb-Rot vom Platz, was seinem Team die letzte Druckphase nahm. "Das war kein Foul, das war Kunst", behauptete der Verteidiger hinterher trotzig, während Trainer Ma die Augen verdrehte.

Taktisch zeigte sich ein interessantes Bild: Flamengo begann ausgeglichen, stellte nach der Pause auf offensiv um, spielte über die Flügel - aber ohne Ertrag. Sao Paulo blieb seiner offensiven Grundhaltung treu, setzte auf kontrollierte Angriffe und verzichtete weitgehend auf Pressing. Es war kein glanzvoller, aber ein disziplinierter Auftritt - und manchmal reicht genau das.

Die letzten Minuten wurden zur Zitterpartie: Mathias Gulbrandsen prüfte Tyrala in der 90. Minute mit einem satten Flachschuss, den der Keeper reaktionsschnell parierte. Und als in der Nachspielzeit (94.) Rieger noch einmal aus spitzem Winkel abzog, hielt das halbe Stadion den Atem an - doch das Netz blieb unberührt.

Nach Abpfiff fiel die Anspannung von Sao Paulo sichtlich ab. Moran umarmte Craven, Tyrala pumpte die Faust in den Nachthimmel, und Trainerstaff wie Fans stimmten in ein kollektives Aufatmen ein. "Wir haben heute nicht schön gespielt, aber dafür effektiv. Und manchmal ist das eben der schönste Fußball", sagte ein sichtlich zufriedener Moran in die Mikrofone.

Flamengos Dino Ma hingegen stapfte wortlos in die Kabine - nur um wenige Minuten später wieder herauszukommen und trocken zu kommentieren: "Manchmal verlierst du nicht, weil du schlecht bist, sondern weil der Fußball ein gemeines Spiel ist."

Ein Satz, der wohl hängen bleibt. Sao Paulo jedenfalls darf sich über drei schmeichelhafte Punkte freuen, während Flamengo die lange Heimreise mit der Gewissheit antritt, dass Dominanz nicht immer belohnt wird.

Und irgendwo in der Kabine summte Torhüter Tyrala leise vor sich hin: "Ein Schuss, ein Tor - die Statistik ist mir egal." Ein Satz, der vermutlich als Motto über diesem verrückten Fußballabend stehen könnte.

04.11.643987 17:07
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