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Ein 0:0 kann manchmal spannender sein als ein 3:2 - zumindest dann, wenn 59.000 Zuschauer kollektiv den Atem anhalten, weil der Ball einfach nicht ins Tor will. So geschehen am 13. Spieltag der 1. Liga Serbien, als Crno Belgrad und Palilulac sich ein intensives, wenn auch torloses Duell lieferten. Die einen verzweifelten an der eigenen Abschlussschwäche, die anderen an der eigenen Courage. Von der ersten Minute an war klar: Crno Belgrad wollte hier den Ton angeben. Trainer Cevo Icvic hatte seine Mannschaft auf Flügelspiel getrimmt - "Wings" stand auf dem taktischen Zettel, und man sah es. Schon in der fünften Minute prüfte Slobodan Stevic mit einem satten Rechtsschuss Palilulac-Keeper Yuval Mofaz. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", meinte Stevic später grinsend, "aber anscheinend wollte er noch ein paar Minuten fliegen." Ivica Duljaj und Isaac McShane reihten sich in das Schussfestival ein, doch der Ballbesitz von fast 58 Prozent brachte Crno Belgrad nur optische Überlegenheit, keine Tore. Palilulac dagegen konterte, wie es Trainer Peter Patrick wohl in jeder Teambesprechung mantraartig wiederholt: "Langer Ball, zweiter Ball, Ball weg." Es funktionierte zwar nicht schön, aber effektiv genug, um das eigene Tor sauber zu halten. In der 29. Minute meldete sich Palilulac erstmals offensiv - Mateja Drulic zwang Belgrad-Keeper Dusko Lomic zu einer Glanztat. "Ich hab nur gehofft, dass der Ball mich trifft", scherzte der Torwart später. Kurz vor der Pause noch eine dicke Chance: Gojko Ilic zog aus 20 Metern ab, aber Mofaz pflückte den Ball wie eine überreife Birne aus der Luft. Zur Halbzeit sah man Cevo Icvic wild gestikulierend an der Seitenlinie. "Wir spielen gut, aber wir treffen das Tor nicht - das ist ein Problem, oder?", fragte er mit ironischem Unterton in die Mikrofone. Seine Spieler nickten betreten. Nach der Pause änderte sich wenig. Palilulac blieb bei seiner Defensivphilosophie, die zwischen Betonmischer und Stoßgebet changierte. Und als ob das nicht genug wäre, sammelten die Gäste fleißig Karten: Matias Herrero sah in der 53. Minute Gelb, in der 84. dann Gelb-Rot - und verabschiedete sich mit einem sardonischen Winken Richtung Schiedsrichter. "Ich wollte nur sagen, dass ich jetzt duschen gehe", erklärte er nach dem Spiel mit einem breiten Lächeln. Trotz Unterzahl hatte Palilulac in der 90. Minute sogar noch die Chance zum Lucky Punch: Robert Hoj zog von links ab, aber Lomic war wieder zur Stelle. Auf der Gegenseite klopfte Crno Belgrad weiter an - zuletzt durch Ami Alberman in der 85. Minute, dessen Schuss nur Millimeter am Pfosten vorbeistrich. Die Zahlen lügen nicht: 14:5 Schüsse auf das Tor, 57,9 Prozent Ballbesitz, mehr Laufarbeit, mehr Einsatz - aber kein Treffer. "Wenn’s ein Punkt für Schönheit gäbe, hätten wir gewonnen", meinte Icvic trocken. Patrick hingegen war zufrieden: "Wir hatten unseren Plan - und der war, nicht zu verlieren. Mission erfüllt." Auch das Publikum zeigte Humor. Als in der 72. Minute Darko Ergic für Albert Zigic ausgewechselt wurde, raunte ein Fan: "Vielleicht trifft ja wenigstens der Ball noch das Netz." Tat er nicht. Dafür gab’s Applaus für Einsatz - und ein paar ironische "Tooor!"-Rufe bei jedem Rückpass. Nach Schlusspfiff reichte man sich fair die Hände. Lomic umarmte Mofaz, beide lachten. "Zwei Keeper, kein Tor - das ist fast romantisch", grinste Lomic. Fazit? Ein 0:0, das unterhielt, weil beide Seiten alles gaben, nur eben nicht den entscheidenden Treffer. Crno Belgrad bleibt damit auf Kurs im oberen Mittelfeld, Palilulac nimmt einen Punkt mit, der sich wie ein Sieg anfühlt. Und irgendwo in der Kabine hat Cevo Icvic sicher zum hundertsten Mal gesagt: "Wenn wir so weiterspielen, schießen wir irgendwann auch mal ein Tor." Vielleicht schon nächste Woche. Vielleicht auch nicht. Aber langweilig wird’s mit diesem Team sicher nicht. 07.06.643987 00:43 |
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Wir sind insgesamt so gefestigt, dass jeder die Meinung des Trainers akzeptiert.
Dieter Eilts