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Das Belgrader Stadion bebte schon vor dem Anpfiff, als 59.000 Zuschauer an einem kühlen Januarabend die Lichter der 1. Liga Serbien aufblitzen sahen. Um 20:30 Uhr war klar: Hier wollte Crno Belgrad nichts dem Zufall überlassen. Trainer Cevo Icvic hatte seine Mannschaft auf "ausgewogen, aber bitte mit Flügelsturm" eingestellt - und genau das sah man von der ersten Minute an. Schon nach wenigen Minuten rollte Angriff um Angriff auf das Tor von FK Vojvodina zu. Während Gäste-Keeper Miroslav Basta mit jeder Parade verzweifelter wirkte, feuerte Belgrads Offensive aus allen Lagen. "Wir wollten von Anfang an zeigen, wem der Platz gehört", grinste später Pedro Ruiz, der Mann des Abends. In der 26. Minute dann der erste Donnerschlag: Ivica Duljaj, der zentrale Taktgeber im Mittelfeld, zog aus zwanzig Metern ab. Der Ball schlug mit einem satten Geräusch im Winkel ein. 1:0. Basta schaute nur hinterher - und man konnte fast hören, wie der Ball leise "Guten Abend" sagte. Zehn Minuten später drehte Belgrad endgültig auf. Erst kam wieder Duljaj, diesmal als Vorlagengeber, und Pedro Ruiz verwandelte eiskalt zum 2:0. Kaum hatte der Stadionsprecher den Namen ausgesprochen, klingelte es erneut: Ruiz legte nach, diesmal nach feinem Zuspiel von Ami Alberman - das 3:0 in der 37. Minute. Der Jubel war ohrenbetäubend, und Vojvodina-Trainer Bozo Jovanovic stand an der Seitenlinie, als überlege er, ob seine Mannschaft vielleicht doch den falschen Bus genommen hatte. "Wir waren gar nicht so schlecht, nur sie waren… na ja, sehr gut", murmelte Jovanovic nach dem Spiel, wobei er das Wort "gut" mit einem Tonfall sagte, der irgendwo zwischen Resignation und Galgenhumor lag. Seine Mannschaft kam in der ersten Hälfte auf zwei Torschüsse. Zwei. Das sind weniger als belegte Brötchen im Presseraum. Zur Pause reagierte Icvic clever: Er brachte die Youngster Nebojsa Lazovic (18) und Nemanja Drulic (19) - und die setzten munter das fort, was ihre älteren Kollegen begonnen hatten. "Ich hab’ einfach gesagt: Lauft, Jungs, lauft. Und sie sind gelaufen", lachte der Trainer. Tatsächlich blieb Crno Belgrad am Drücker, kontrollierte Ball und Gegner, ohne je in Gefahr zu geraten. 54,5 Prozent Ballbesitz und 21 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. In der 76. Minute setzte Duljaj den Schlusspunkt eines Abends, der für ihn unvergesslich bleiben dürfte. Nach einer schönen Kombination über die rechte Seite servierte Gojko Ilic den Ball punktgenau in den Rückraum - und Duljaj hämmerte die Kugel zum 4:0 unter die Latte. Ein Doppelschlag vom Mittelfeldmotor, zwei Tore vom eiskalten Ruiz - und ein Publikum, das jede Aktion feierte, als ginge es um die Meisterschaft. Vojvodina hingegen wirkte wie ein Team, das gerade seinen Koffer auf dem Spielfeld sucht. Felipe Mino versuchte es gleich zu Beginn mutig mit einem Distanzschuss (5. Minute), aber Keeper Oscar Warriner im Belgrader Tor hatte einen ruhigen Abend. Nur in der 87. Minute musste er noch einmal eingreifen, als Pedro Travassos einen verzweifelten Schuss aufs Tor brachte - der Ball landete sicher in Warriners Armen, und der lächelte dabei, als hätte er gerade eine Briefmarke gefangen. Zwei Gelbe Karten - eine für Belgrads Raickovic (20.) und eine für Vojvodinas Stankovic (53.) - rundeten ein ansonsten faires, wenn auch einseitiges Spiel ab. Nach dem Schlusspfiff sagte Cevo Icvic in die Kameras: "Ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben heute Fußball gespielt, nicht nur gearbeitet." Und Pedro Ruiz ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Zwei Tore sind schön, aber ich hätte gern das dritte gemacht - der Ball wollte aber lieber zurück zur Mittellinie." Für FK Vojvodina bleibt die Erkenntnis: Gegen ein so eingespieltes Crno Belgrad reicht Standard-Aggressivität und gediegenes Passspiel einfach nicht. "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal auch Flügel montieren", meinte Jovanovic, halb im Scherz, halb im Ernst. Crno Belgrad dagegen schickt mit diesem 4:0 ein deutliches Signal an die Konkurrenz: Wer sie unterschätzt, bekommt Flügelbrand. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem selbst die Linienrichter fast applaudierten. Belgrad obenauf, Vojvodina ratlos - und die Fans? Die sangen noch, als längst das Flutlicht gedimmt wurde. 16.03.643987 11:15 |
Sprücheklopfer
Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller