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Es war einer dieser Abende in der Landesliga 20, an denen man sich fragt, ob der Gegner schon vor dem Anpfiff beschlossen hat, das Spiel einfach auszusitzen. 2.259 Zuschauer am Cronenberger Höhenweg sahen am 29. Spieltag ein Heimteam, das von Beginn an drückte, kombinierte und schoss - und einen Gast aus Reinstette, der offenbar vergessen hatte, dass man Tore nur erzielen kann, wenn man auch mal auf das Tor schießt. 29:0 lautete am Ende die Bilanz der Torschüsse, und das Ergebnis von 4:0 war fast noch schmeichelhaft für die Gäste. Trainer Raphail Papadopoulos hatte seine Cronenberger gewohnt offensiv eingestellt, die Flügelstürmer Benjamin Peter und Lukas Beier rotierten unermüdlich, während der junge Knut Stein in der Mitte lauerte. Schon nach drei Minuten prüfte Peter den Reinstetter Keeper Reimann erstmals - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. In der sechsten Minute Detlev Will, 17 Jahre jung, mit einem Distanzschuss: vorbei. In der zwölften Minute wieder Beier, diesmal knapp über die Latte. "Ich dachte, der Ball fliegt in die Nachbarsiedlung", grinste Papadopoulos später. Bis zur Pause blieb’s beim 0:0, doch die Zahlen sprachen Bände. 56 Prozent Ballbesitz für Cronenberg, 15 Torschüsse, kein einziger Versuch von Reinstette. Gästetrainer - der Name blieb diskret im Nebel der Statistik, vielleicht wollte er’s so - schlich mit hängenden Schultern in die Kabine. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte - nur mit einem Unterschied: Cronenberg traf jetzt auch. In der 46. Minute steckte Neuzugang Larz Courtlandt den Ball elegant durch, Knut Stein blieb cool und schob zum 1:0 ein. Der Jubel war laut, aber eher erleichtert als ekstatisch. "Wir wussten, dass der Knoten irgendwann platzen muss", meinte Stein, der seine Unschuld in Sachen Liga-Tore wohl schon lange verloren hat, aber diesmal besonders strahlte. Reinstette? Nun ja, sie standen weiter tief, sehr tief. So tief, dass selbst der Linienrichter manchmal im Abseits stand. Nach einer Stunde kam es, wie es kommen musste: Niklas Hess sah Gelb, als er beim Versuch, den einzigen Reinstetter Angriff des Abends zu stoppen, eher den Gegner als den Ball traf. Kurz darauf wurde er ausgewechselt, Manfred Bock übernahm - und stabilisierte die Defensive, die ohnehin kaum gefordert war. Dann kam die Cronenberger Sturmphase, in der die Gäste endgültig auseinandergeschraubt wurden. In der 65. Minute war es Courtlandt selbst, der nach Vorarbeit des frisch eingewechselten Goran Panadic auf 2:0 stellte. Zwei Minuten später bedankte sich der 17-jährige Panadic mit seinem ersten Saisontor - Vorlage: der erfahrene Tom Kopp, der kurz darauf Gelb sah, vermutlich aus Langeweile. "Ich hab einfach Lust gehabt, mal wieder eine Karte zu sammeln", witzelte Kopp hinterher. Das 4:0 in der 78. Minute besorgte Benjamin Peter, der nach feinem Zuspiel von Lukas Beier aus kurzer Distanz einschob. Danach spielte Cronenberg die Partie mit angezogener Handbremse zu Ende, während Reinstette in stoischer Ruhe zusah. Kein einziger Torschuss, kein nennenswerter Angriff - man hätte meinen können, sie seien zu einer Kunstinstallation über Passivität eingeladen worden. Papadopoulos wirkte nach dem Spiel zufrieden, aber nicht euphorisch. "Wir wollten es seriös runterspielen. Das haben die Jungs gemacht. Jetzt nicht abheben - nächste Woche wird’s schwerer." Sein Gegenüber murmelte nur etwas von "unglücklichem Spielverlauf" und "fehlender Frische". Vielleicht meinte er Frische im metaphorischen Sinn. Statistisch war es ein Klassenunterschied: Cronenberg mit 59 Prozent gewonnener Zweikämpfe, mit jugendlicher Energie (gleich drei 17-Jährige auf dem Platz) und einem Torhunger, der nach dem Seitenwechsel kaum zu stillen war. Reinstette dagegen wie eingefroren - kein Schuss, zwei Gelbe Karten (Schwarz 40., Wolff 54.), viel Schulterzucken. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. "So kann man Montagmorgen in die Bäckerei gehen", sagte ein älterer Herr auf der Tribüne, "da schmeckt das Brötchen einfach besser." Und er hat recht: Nach einem 4:0, das so deutlich war, dass selbst der Stadionsprecher beim vierten Tor leicht errötete, darf Cronenberg weiter vom oberen Tabellenmittelfeld träumen. Und Reinstette? Nun, sie werden sich an diesen Abend wohl kaum erinnern wollen. Vielleicht sollten sie aber - als Lehrstück darüber, dass man in 90 Minuten auch mal auf’s Tor zielen darf. Papadopoulos’ Schlusswort war übrigens das trockenste des Abends: "Ich hoffe, der Platzwart bekommt eine Prämie. Der Rasen hat heute mehr Arbeit gemacht als Reinstette." 30.12.643996 11:05 |
Sprücheklopfer
Zum Glück habe ich nur eine Struktur.
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