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Was für ein Abend in Belgrad! 72.412 Zuschauer im ausverkauften Stadion "Rajko Mitić" sahen ein Derby, das wie so oft erst in den letzten Minuten entschieden wurde. Crvena Zvezda Belgrad drehte im eigenen Stadion einen 0:1-Rückstand und gewann gegen Stadtrivale Crno Belgrad mit 2:1. Es war kein Spiel für Feinschmecker - eher ein zähes Ringen mit viel Herzblut, einigen gelben Karten und noch mehr Adrenalin. Die Partie begann, wie man es bei diesem Klassiker erwarten durfte: laut, hitzig und mit einer Prise Chaos. Schon in der vierten Minute prüfte Rene Celine den Gästetorwart Oscar Warriner mit einem strammen Schuss aus spitzem Winkel. "Ich wollte nur sehen, ob er schon wach ist", grinste Celine später. Warriner war es - noch. Denn in der Folge entwickelte sich ein offenes Spiel mit leichten Vorteilen für Crno Belgrad, die über ihre schnellen Flügelspieler immer wieder gefährlich wurden. In der 44. Minute fiel dann das, was sich angedeutet hatte: Darko Ergic vollendete nach schöner Vorarbeit von Pedro Ruiz zum 0:1. Ergic, der alte Fuchs, drehte jubelnd ab, während Ruiz grinsend die Arme ausbreitete. "Pedro hat mir gesagt, ich soll einfach laufen", erzählte Ergic danach. "Ich habe gefragt: Wohin? Er meinte: Egal, ich finde dich schon." Und tatsächlich - er fand ihn. Zur Pause sah Don Dirigente, Trainer von Crvena Zvezda, nicht sonderlich glücklich aus. "Ich habe meinen Spielern gesagt, sie sollen aufhören, Fußball zu spielen und anfangen, das Spiel zu gewinnen", verriet er mit einem trockenen Lächeln nach dem Schlusspfiff. Und seine Mannschaft hörte zu. Nach dem Seitenwechsel trat Zvezda deutlich entschlossener auf. Der Ballbesitz blieb mit 49 Prozent zwar knapp unter dem der Gäste, doch die Intensität stieg sprunghaft. Der offensive Dreizack um Celine, Bisevac und Bach rollte Angriff um Angriff auf das Tor der Schwarzhemden. In der 54. Minute platzte der Knoten: Dusko Drageljevic flankte butterweich von links, Rene Celine nahm den Ball volley - 1:1. Das Stadion explodierte. "Ich habe gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", meinte Celine später. "Ich habe nur die Lautstärke gehört - da wusste ich: Es hat geklappt." Crno Belgrad wirkte nun angeknockt, fand aber dank des robusten Mittelfelds um Lennard Mann immer wieder zurück ins Spiel. Trainer Cevo Icvic blieb an der Seitenlinie erstaunlich ruhig, selbst als sein Linksverteidiger Arnaldo Cerzeto nach einem rustikalen Einsteigen Gelb sah. "Das war kein Foul, das war ein freundschaftlicher Kontakt", verteidigte Cerzeto sich später mit einem Lächeln, das wenig überzeugte. Zvezda drängte weiter. 14 Torschüsse - doppelt so viele wie der Gegner - sprechen eine deutliche Sprache. Doch das Tor wollte lange nicht fallen. Bisevac scheiterte mehrfach an Warriner, Detari setzte Freistöße knapp vorbei, und nach 80 Minuten glaubten viele Fans schon an das Unentschieden. Doch dann kam die 90. Minute - und mit ihr der Moment, der in die Derby-Geschichte eingehen dürfte. Zoltan Detari spielte einen Traumpass durch die Gasse, Zoran Dordevic startete perfekt, blieb eiskalt und schob den Ball flach ins rechte Eck. 2:1. Ekstase. Rauchfackeln. Umarmungen wildfremder Menschen. "Ich habe einfach nicht nachgedacht", sagte Dordevic, noch völlig benommen vom Jubel. "Wenn ich nachgedacht hätte, hätte ich wahrscheinlich danebengeschossen." Kurz darauf wechselte Dirigente noch einmal durch, brachte den jungen Ermin Jarakovic für Dusko Anicic, um das Ergebnis zu sichern. Auf der Gegenseite reagierte Icvic hektisch, brachte gleich drei frische Spieler in der Nachspielzeit - vergeblich. Nach 94 Minuten war Schluss, und die rot-weißen Fans sangen sich die Seele aus dem Leib. Crvena Zvezda hatte das Derby gewonnen - nicht durch Glanz, sondern durch pure Willenskraft. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen: 49 Prozent Ballbesitz für Zvezda, 51 für Crno, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gastgeber. Aber wer braucht schon Statistiken, wenn er einen solchen Schlussakkord erlebt? "Das war kein schönes Spiel", meinte Trainer Dirigente noch auf dem Weg in die Kabine, "aber manchmal ist Fußball wie ein serbischer Kaffee - stark, bitter, und am Ende bleibt etwas hängen." Dem ist nichts hinzuzufügen. 14.05.643987 02:08 |
Sprücheklopfer
Wichtig ist, dass er nun eine klare Linie in sein Leben bringt.
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