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Wenn ein Fußballspiel schon in der ersten Minute entschieden scheint, dann ist das meist kein gutes Zeichen - es sei denn, man trägt Rot-Weiß und wohnt in Cuxhaven. Der FC Cuxhaven fegte am Freitagabend Concordia Ihrhove mit 6:0 vom Platz und ließ die 2039 Zuschauer im heimischen Stadion mit offenem Mund und kalten Händen klatschen. Trainer Rio Alf grinste nach dem Schlusspfiff: "Wir wollten früh Druck machen - dass es so schnell funkt, war selbst für mich überraschend." Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz: Aldo Alberti, der flinke Rechtsaußen, schob nach Vorlage von Tomas Freitag zum 1:0 ein (1.). "Ich dachte ehrlich, das ist noch das Aufwärmen", witzelte ein Zuschauer auf der Haupttribüne, während Ihrhoves Torwart Agemar Bauza noch nach dem Ball suchte. Wer glaubte, das sei ein Zufallstreffer gewesen, wurde sechs Minuten später eines Besseren belehrt. Wieder Freitag, diesmal mit viel Übersicht, legte quer auf Kai Fritz, der den Ball trocken ins rechte Eck drosch (7.). Zwei Torschüsse, zwei Tore - Effektivität, die selbst Bundesligatrainer neidisch machen dürfte. Concordia Ihrhove versuchte in der Folge, Ordnung in das eigene Chaos zu bringen. André Hummel prüfte Cuxhavens Keeper Luke Boyle in der 15. Minute, Yannik Probst schoss kurz darauf ebenfalls aufs Tor - und das war’s dann auch mit der Offensivabteilung der Gäste. Zwei Schüsse insgesamt, und beide ohne nennenswerte Gefahr. Cuxhaven dagegen spielte weiter wie im Rausch. In der 31. Minute krönte der junge Schwede Eskil Berglund seine starke Leistung mit dem 3:0 - natürlich wieder nach Vorlage von Tomas Freitag, der an diesem Abend offenbar drei Lungen und zwei Gehirne besaß. "Ich hab einfach Spaß am Kicken", sagte der 19-Jährige später, "und wenn der Ball rollt, läuft’s halt." Kurz vor der Pause legte Julian Voigt nach. Der zentrale Mittelfeldmann nahm einen Pass von Mateo Zahinos direkt aus der Luft und traf sehenswert zum 4:0 (39.). "Das war kein Zufall", erklärte Trainer Alf augenzwinkernd, "wir üben das jeden Donnerstag - allerdings mit Medizinbällen." Zur Halbzeit war das Spiel entschieden, aber Cuxhaven hatte noch nicht genug. Aldo Alberti durfte nach 45 Minuten duschen gehen - für ihn kam Joseph Haddington, der sich in der 52. Minute prompt in die Torschützenliste eintrug. Rate mal, wer die Vorlage gab? Genau: Tomas Freitag. Ihrhove reagierte mit Gelben Karten statt Gegenwehr. André Hummel sah in der 37. Minute Gelb, Luca Steffens in der 71. - ein Ausdruck der Frustration, weniger der Aggressivität. Die Gäste wirkten wie ein Orchester, das plötzlich ohne Dirigenten spielt. Als die Uhr auf die 86. Minute sprang, setzte Cuxhaven den Schlusspunkt. Kai Fritz, erneut eiskalt, verwandelte nach Vorarbeit von Zahinos zum 6:0-Endstand. Die Zuschauer standen, klatschten, lachten - und einige schnappten sich schon die ersten Pappbecher als Souvenir. Statistisch gesehen war es ein Klassenunterschied: 17:2 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Das Pressing der Gäste? Laut Daten "nicht vorhanden" - und so sah es auch aus. Nach dem Spiel suchte Ihrhoves Kapitän Jannick Kaufmann nach Worten: "Wir wollten mutig sein, aber Cuxhaven war einfach zu schnell. Da hilft kein System, nur noch Beten." Trainer Alf nahm’s sportlich: "Unsere Jungs sind jung, wild und manchmal sogar diszipliniert - heute war’s alles zusammen." Im Kabinengang hörte man Tomas Freitag noch scherzen: "Sechs Vorlagen hätten’s ruhig sein dürfen." Aldo Alberti grinste zurück: "Dann kriegst du nächstes Mal noch meine Tore dazu." Ein Abend, der in Cuxhaven wohl noch lange nachhallen wird. Vielleicht nicht wegen der Spannung - die war nach sieben Minuten vorbei - sondern wegen der Leichtigkeit, mit der hier Fußball gespielt wurde. Es war kein Arbeitssieg, es war eine kleine Gala. Und irgendwo in der Nordseeluft hallte das Fazit eines Fans nach: "Wenn die so weitermachen, brauchen sie bald ein zweites Stadion - für die Tore." 17.03.643987 21:33 |
Sprücheklopfer
Jeremies hat in alter Manier um sich geschlagen.
Rainer Bonhof zu den Trainingseindrücken des während der WM 98 angeschlagenen Jens Jeremies