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Wenn Fußball eine Oper wäre, hätte der FC Den Haag am Samstagabend im heimischen Stadion die Ouvertüre, den Hauptakt und das Finale furioso geliefert - während Berkum in der Nebenrolle des Statisten verharrte. 23.869 Zuschauer sahen beim 3:0 (2:0) einen Heimsieg, der so überzeugend war, dass selbst der Stadionsprecher beim dritten Treffer kurz die Stimme hob. Es begann mit einem munteren Abtasten. Schon in der zweiten Minute prüfte Savo Vukomanovic den Berkum-Keeper Dario Vulin mit einem satten Schuss - ein Weckruf, den die Gäste allerdings höflich ignorierten. Berkum versuchte zwar kurz, mit gepflegtem Kurzpassspiel die Kontrolle zu übernehmen, doch Den Haag war bissiger, lauffreudiger - und, sagen wir es ruhig: einfach besser. "Wir wollten zeigen, dass wir zuhause die Musik machen", grinste Trainer Bronco Capone später, die Hände tief in den Manteltaschen. Die erste Halbzeit war ein Lehrstück in Sachen Effizienz. Nach mehreren Halbchancen - Toni Uusimäki scheiterte in der 35. Minute knapp - schlug in der 42. Minute der Moment des Alessandro Lago. Nach feinem Zuspiel von Eric Dahlstrom, der an diesem Abend den Ball streichelte wie ein Künstler seinen Pinsel, nagelte Lago den Ball ins Netz. Zwei Minuten später war es dann Theofanis Theotokis, der Berkum endgültig den Stecker zog. Wieder kam die Vorlage von Dahlstrom, der offenbar beschlossen hatte, das Spiel alleine zu dirigieren. "Ich hab ihn nur gesehen und gedacht: Wenn er jetzt nicht schießt, nehme ich ihm den Ball ab", lachte Dahlstrom nach dem Spiel. Mit einem 2:0 ging es in die Pause, und während die Den-Haag-Fans mit Bier und Bitterballen feierten, suchte Berkum-Coach Hans Huber in der Kabine verzweifelt nach der Reset-Taste. "Wir wollten nach der Pause mutiger werden", erklärte er später, "aber irgendwie blieb der Mut in der Umkleide hängen." Und so lief die zweite Hälfte: Den Haag kontrollierte das Spiel, ohne zu glänzen, Berkum verteidigte, ohne zu verzweifeln - fast jedenfalls. Die Gäste brachten es auf insgesamt sechs Torschüsse, von denen keiner wirklich gefährlich war. Ihr Ballbesitz von knapp 47 Prozent klang auf dem Papier ordentlich, war aber in Wahrheit ein stetiges Hin-und-Her im Mittelfeld. Dann kam die 83. Minute - und mit ihr der endgültige Schlusspunkt. Ausgerechnet Rechtsverteidiger Ferenc Sztani, der zuvor mit einer Gelben Karte und einigen ruppigen Zweikämpfen aufgefallen war, stürmte nach vorne, bekam den Pass von William Kirkwood und versenkte den Ball trocken zum 3:0. Jubel, Schulterklopfen, und Capone rief ihm lachend zu: "Jetzt darfst du auch wieder hinten bleiben!" Berkum war zu diesem Zeitpunkt längst geschlagen. Amaury Deco hatte in der 27. Minute Gelb gesehen, Johann Blais in der 11. - in Summe eine bittere Mischung aus Frust und Foul. "Wir haben zu früh die Köpfe hängen lassen", gab Huber zu, während er sich den Schal enger zog. "Vielleicht lag’s am Wind. Oder an Den Haag." Auch taktisch zeigte sich der Unterschied: Während Den Haag mit ausgewogener, aber entschlossener Spielweise agierte - aggressiv, aber kontrolliert -, blieb Berkum in seiner defensiven Balance stecken. Kein Pressing, kein Aufbäumen. Es war, als hätte jemand die Spielfreude auf "Mute" gestellt. Interessant war die Szene nach dem Schlusspfiff: Theotokis, der Torschütze zum 2:0, wurde von Fans gefeiert und rief scherzhaft: "Ich hab’s ja gesagt - heute wird’s dreifach schön!" Lago grinste daneben: "Er meint die Tore, nicht die Drinks danach. Hoffentlich." Am Ende standen 14 Torschüsse für Den Haag, 53 Prozent Ballbesitz und eine Tacklingquote von über 54 Prozent - Zahlen, die das Spiel treffend beschreiben: klar überlegen, nie gefährdet, aber mit Stil. Trainer Capone fasste es zusammen: "Ich mag es, wenn wir Fußball spielen, der Spaß macht. Heute war das so ein Abend. Und wenn sogar mein Rechtsverteidiger trifft, weiß ich: Die Welt ist in Ordnung." Ein Satz, der bleibt - genau wie der Eindruck eines Teams, das an diesem Abend einfach alles richtig machte. Und Berkum? Die Gäste fuhren mit hängenden Köpfen vom Platz, aber vielleicht mit einem leisen Trost: So schön, so flüssig und so sicher hat ihnen schon lange keiner mehr gezeigt, wie schwer Fußball aussehen kann. 06.03.643987 09:17 |
Sprücheklopfer
In der Schlußphase war der Pfosten der Einzige, auf den wir uns 100prozentig verlassen konnten.
Christoph Daum