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Denia siegt dank Reuters goldener Minute - Santa Cruz verzweifelt am eigenen Mut

Ein einziger Treffer kann manchmal eine ganze Stadt zum Schweigen bringen. Am dritten Spieltag der 1. Liga Spanien besiegte CD Denia den Gastgeber CD Santa Cruz mit 1:0 - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine ganze Menge Drama in sich trug. 42.344 Zuschauer im Estadio de la Bahía erlebten ein zähes Ringen zwischen Pragmatismus und Pech, zwischen Mut zur Offensive und der Kunst, das eigene Tor wie ein Familiengeheimnis zu hüten.

Schon in den ersten Minuten zeigte sich, dass Trainer Tobi Schleder seine Santa-Cruz-Elf defensiv eingestellt hatte. "Wir wollten erstmal nichts anbrennen lassen", erklärte Schleder später mit einem müden Lächeln, "leider haben wir dann das Feuerzeug selbst bedient." Gemeint war der Moment in der 21. Minute, als Denias Rechtsaußen Peter Reuter nach Zuspiel von Adem Ercan den Ball trocken ins linke Eck schob - 0:1, und zwar eiskalt. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du zögerst, bist du hier Toast", grinste Reuter nach dem Spiel, während er noch ein Stück Rasen aus dem Schuh klaubte.

Bis dahin hatte Santa Cruz sogar mehr Zug zum Tor gezeigt. Innenverteidiger Iban Couto prüfte Denias Keeper Ignacio Gama schon in der 5. Minute, und Morgan Primes verzog nur knapp zwei Minuten später. Doch was den Hausherren fehlte, war die Präzision - und vielleicht ein Quäntchen Glück. Oder wie Primes selbst meinte: "Ich hab den Ball so sauber getroffen, dass er sich wohl erschrocken hat und lieber vorbeiging."

Denia dagegen spielte ohne Hast, aber mit Plan. Die Offensive wirkte wie ein Uhrwerk: Beaumanoir über links, Reuter über rechts, Ercan als Dreh- und Angelpunkt in der Mitte. In der 27. Minute hätte Ercan selbst erhöhen können, doch Santa-Cruz-Keeper Jaime Alvarez fischte den Ball spektakulär aus dem Winkel. Dieses Bild - der junge Torwart im Superman-Stil durch die Luft fliegend - dürfte in Santa Cruz noch lange in Erinnerung bleiben.

Die Statistiken erzählen eine enge Geschichte: 10:9 Torschüsse für Santa Cruz, 47,7 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von exakt 50,9 Prozent. Mit anderen Worten: es war alles drin, nur kein Tor für die Gastgeber. "Wenn du zehnmal schießt und keiner rein will, dann liegt’s entweder am Torwart - oder an dir", sinnierte Mittelfeldmann Albert Fontàs, der nach seiner Einwechslung in der 60. Minute gleich zwei Distanzschüsse abfeuerte (88. und 94. Minute), beide knapp am Ziel vorbei.

Taktisch blieb Schleder seinem Defensiv-Counter-Stil treu - vielleicht zu sehr. "Ich wollte nicht, dass wir uns hinten öffnen", erklärte er. Sein Gegenüber Mark Zander sah das naturgemäß anders: "Wenn du Angst hast, Tore zu kassieren, kassierst du sie trotzdem - du schießt nur keine eigenen." Ein Satz, der in der Pressekonferenz für ein hörbares Raunen sorgte.

In der zweiten Halbzeit drängte Santa Cruz, ohne jedoch zwingend zu werden. James Kober versuchte es in der 47. Minute, Primes in der 76., Liam Reid in der 72. - alle scheiterten an Gama, der bis zu seiner Auswechslung in der Nachspielzeit eine makellose Partie spielte. Dass Zander kurz vor Schluss seinen Torwart wechselte, war laut eigener Aussage "reine Zeitverschwendung - und genau das wollte ich." Ersatzkeeper Thalis Grammozis durfte immerhin noch einen Abstoß treten, bevor der Schlusspfiff ertönte.

Die Fans von Santa Cruz verabschiedeten ihr Team mit Applaus, aber auch mit Kopfschütteln. "Man kann ein Spiel verlieren, aber doch nicht so freundlich!", rief ein älterer Herr auf der Tribüne, der sich als Vereinsmitglied seit 1979 vorstellte.

Und Denia? Feierte. Beaumanoir tanzte mit dem Mannschaftsarzt, Reuter ließ sich von den Auswärtsfans besingen, und Zander rauchte genüsslich eine Zigarre, die er "für den ersten Auswärtssieg des Jahres" aufgehoben hatte.

Am Ende stand ein 0:1, das nüchtern betrachtet knapp war - aber gerecht. Santa Cruz hat Moral gezeigt, Denia die Effizienz. Ein einziger Moment der Entschlossenheit machte den Unterschied.

Oder, wie es Reuter beim Rausgehen halb lachend, halb philosophisch formulierte: "Fußball ist wie Kaffee - bitter, wenn man zu lange wartet."

Und bitter schmeckte dieser Abend für Santa Cruz allemal. Doch wer weiß - vielleicht war’s ja nur der erste Schluck einer noch heißen Saison.

11.02.643987 08:55
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Der Herr Kemmling müsste heute normalerweise richtig auf die Fresse kriegen.
Mario Basler
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