L’Equipe
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Der Riviera-Klassiker endet mit Sonne, Meer - und einem 1:1 der verpassten Chancen

Es war ein Sonntagabend, wie er an der Côte d’Azur kaum besser inszeniert werden könnte: 20.30 Uhr, milde Luft über dem Stade Pierre-de-Coubertin, 32.000 Zuschauer, die Möwen kreisten über den Flutlichtmasten - und unten auf dem Rasen lieferten sich AS Cannes und AC Nice ein Duell, das mehr Drama versprach, als es am Ende hielt. 1:1 stand es nach 90 intensiven, manchmal hitzigen, meist aber einfach französisch-freudigen Minuten.

Cannes-Trainer Tony Manero, elegant wie immer mit offenem Hemd und Sonnenbrille im Haar, hatte vor dem Spiel angekündigt: "Wir tanzen nicht, wir kämpfen." Seine Mannschaft nahm das wörtlich - und griff von Beginn an beherzt an. Schon in der 9. Minute prüfte Henri Pelletier den Keeper Karoly Koplarovics mit einem Schuss aus spitzem Winkel. Neun Minuten später lag der Ball dann wirklich im Netz: Pelletier, wieder er, bekam den Ball von Francois Bisson butterweich in den Lauf gespielt, zog von links nach innen und traf trocken flach ins lange Eck. 1:0 für Cannes, der Jubel brandete wie eine Welle über die Tribünen.

"Ich hab’s gar nicht gesehen, ich hab einfach draufgehalten", grinste Pelletier später. Bisson, der Vorlagengeber, ergänzte verschmitzt: "Ich wollte eigentlich flanken, aber gut, nennen wir es Pass."

Nice schien kurz geschockt, doch Trainer Stephane Lamy, stets mit Notizblock bewaffnet, blieb ruhig. "Ich sagte den Jungs: spielt euer Spiel, lasst sie laufen", erzählte er nach der Partie. Und tatsächlich: Nach einer halben Stunde übernahmen die Gäste mehr und mehr die Kontrolle. Oscar Custodio prüfte den Cannoiser Torwart Jean-Pierre Kraft mit einem tückischen Aufsetzer (40.), doch der Routinier lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte.

Mit 52 Prozent Ballbesitz hatte Cannes zwar minimal mehr vom Spiel, aber die 13 Torschüsse der Gäste zeigten, dass Nice sich keineswegs versteckte. Nach der Pause wurde es dann richtig wild: Cannes drückte auf das zweite Tor, doch in der 55. und 57. Minute vergaben Bisson und der junge Marino Vukojevic jeweils aus aussichtsreicher Position. "Wenn du solche Dinger nicht machst, wirst du bestraft", seufzte Trainer Manero später prophetisch.

In der 68. Minute kam die Strafe tatsächlich: Der flinke Silvestre Nene setzte sich auf der rechten Seite durch, legte quer, und Thierry Seymour donnerte den Ball humorlos unter die Latte. 1:1 - und plötzlich jubelten auch die 2.000 mitgereisten Nice-Fans, als hätten sie den Ozean persönlich besiegt.

Cannes versuchte, noch einmal einen Zahn zuzulegen. Stephane Parent scheiterte in der 70. und 71. Minute zweimal knapp, ehe Verteidiger Shefki Koppinen in der 77. Minute Gelb sah - ein Symbol für die zunehmende Nervosität. "Ich wollte nur den Ball treffen", sagte Koppinen später, "aber der Ball war wohl woanders."

Die Schlussphase gehörte wieder Cannes: Henri Pelletier setzte in der 81. Minute zu einem Seitfallzieher an, der das Stadion kurz den Atem anhalten ließ - doch Koplarovics fischte das Leder spektakulär aus dem Winkel. Und als Bisson in der Nachspielzeit noch einmal abzog, ging ein kollektives "Oooooh" durch die Ränge - vorbei.

1:1 also, ein Ergebnis, das beiden irgendwie nicht und doch beiden irgendwie passt. Cannes bleibt ungeschlagen, Nice mit dem Gefühl, einen Punkt erkämpft zu haben. Manero fasste es nach dem Abpfiff lakonisch zusammen: "Es war wie ein gutes französisches Menü: viel Aroma, aber am Ende fehlt das Dessert."

Lamy dagegen grinste: "Ich nehme lieber einen Punkt mit als Sonnenbrand."

Die Statistik untermauert das Gleichgewicht: Cannes mit 12 Torschüssen, Nice mit 13, die Zweikampfquote fast identisch (50,3 zu 49,7 Prozent). In der Taktik blieb alles auf "balanced" - was man sich in der Riviera wohl auch kaum anders wünschen kann.

Und so gingen die Fans nach 95 Minuten zufrieden nach Hause, während draußen das Meer rauschte und die Straßen von Cannes noch lange in Rot und Weiß glühten. Ein Spiel, das keinen Sieger hatte - aber jede Menge Geschichten.

Vielleicht wird man sich in ein paar Jahren erinnern: an Pelletiers Treffer, Seymours Wucht oder an den Moment, als Koppinen den Ball suchte. Und vielleicht sagt man dann: "Das war damals, als Cannes und Nice sich nichts schenkten - außer Respekt und ein 1:1."

23.02.643987 05:12
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