Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Derby mit angezogener Handbremse: Bisektas und Fenehrbace trennen sich 1:1

27000 Zuschauer im Istanbuler Abendlicht, elektrisierte Luft, Pyroqualm über den Rängen - und am Ende doch wieder dieses so vertraute Gefühl: ein 1:1, das niemanden wirklich glücklich macht, aber irgendwie auch niemanden überrascht. Am 4. Spieltag der 1. Liga Türkei lieferten sich Bisektas und Fenehrbace ein hitziges, stellenweise kurioses Duell, das mehr Spannung versprach, als es letztlich hielt.

Dabei fing alles aus Sicht der Gastgeber so verheißungsvoll an. In der 18. Minute traf Friedrich Bayer nach feinem Zuspiel von Harrison Nolan zum 1:0. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch: Nolan flankt halbhoch von links, Bayer nimmt mit links volley - und das Netz zappelt. "Ich habe gar nicht groß nachgedacht, einfach draufgehalten", grinste Bayer später, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Solche Bälle kommen nicht oft, also lieber nicht lange philosophieren."

Bisektas war zu diesem Zeitpunkt das aktivere Team, auch wenn der Ballbesitz mit knapp 48 Prozent gegen sie sprach. Trainer Hansi Flick auf der Gegenseite sah schon früh, dass seine Fenehrbace-Elf zwar optisch dominierte, aber im letzten Drittel die Zielstrebigkeit vermissen ließ. "Wir haben den Ball gut laufen lassen - leider meistens im Kreis", spottete Flick später mit einem Anflug von Selbstironie. Seine Mannschaft kam zwar auf 13 Torschüsse, doch viele davon landeten irgendwo zwischen Tribüne und Eckfahne.

In der 25. Minute hatte Gökhan Karaman die große Chance zum Ausgleich, setzte den Ball aber frei vor Bisektas-Keeper Koray Martin in die Wolken. "Ich habe kurz an den Rasen gedacht, der war uneben", erklärte Karaman entschuldigend. "Aber eigentlich war’s einfach schlecht geschossen."

Die Gastgeber zogen sich nach der Führung zunehmend zurück, verteidigten mit viel Einsatz, aber wenig Ordnung. Immer wieder irrten die Außenverteidiger zwischen den Linien umher, als suchten sie den nächstgelegenen Dönerstand. Fenehrbace drückte jetzt, und als die zweite Halbzeit begann, schien das 1:1 nur eine Frage der Zeit.

In der 63. Minute war es dann soweit: Antonio Coelho, bislang eher unauffällig, verwertete eine präzise Hereingabe des erst 18-jährigen Önder Davala zum Ausgleich. Ein klassischer Coelho - kraftvoll, trocken, unhaltbar. "Der Junge hat’s gut gemacht", lobte Coelho den jungen Vorlagengeber. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten - und hoffen, dass der Torwart gerade blinzelt."

Bisektas wankte in dieser Phase. Fenehrbace hatte Chancen im Minutentakt: Specht aus der zweiten Reihe (62.), Karaman per Kopf (70.), Barbu in der 85. und 86. Minute gleich doppelt - doch das Leder wollte nicht mehr über die Linie. Der junge Torwart Koray Martin wuchs über sich hinaus, parierte, faustete, schrie seine Vorderleute zusammen, als sei er der Letzte in der Bastion. "Koray war heute unser Held", meinte Bisektas-Mittelfeldmann Jeno Nyilasi. "Ohne ihn hätten wir hier locker drei kassiert."

Kurz vor Schluss sah Fenehrbaces Rechtsverteidiger Ejder Özdenak nach einem taktischen Foul Gelb - was symbolisch für den Ärger seiner Mannschaft stand. Der Druck war da, das Tor nicht. Flick stapfte nach Abpfiff mit Händen in den Taschen Richtung Kabine, während Hansi-Rufe von der Tribüne hallten - allerdings mit einem leicht ironischen Unterton.

Statistisch war Fenehrbace das bessere Team: mehr Ballbesitz (51,6 %), deutlich mehr Abschlüsse (13:3), eine bessere Zweikampfquote (56,7 %). Doch Fußball wird bekanntlich nicht auf Excel-Tabellen entschieden. Bisektas rettete das 1:1 mit viel Herz, Kampf und einer Prise Glück.

"Wir hätten den Sack zumachen müssen", ärgerte sich Flick später in der Pressekonferenz. "Aber immerhin haben wir gezeigt, dass wir auch Rückstände drehen können - oder zumindest halb." Sein Gegenüber, Bisektas-Coach (dessen Name die Fans lieber nicht laut aussprachen, um kein Unglück zu beschwören), grinste nur: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und gegen Fenehrbace zählt jeder davon doppelt."

Am Ende blieb es beim Remis - ein Ergebnis, das man wohl als gerechten Kompromiss zwischen Effizienz und Verschwendung bezeichnen darf. Die Zuschauer gingen nach Hause, einige zufrieden, andere kopfschüttelnd. Auf den Rängen hörte man einen älteren Herrn murmeln: "Früher hätten sie so ein Spiel noch in der Nachspielzeit verloren." Man konnte nicht sicher sein, ob er Bisektas oder Fenehrbace meinte.

So oder so: Derby bleibt Derby - laut, wild, unvollkommen. Und das 1:1, das eigentlich keiner wollte, wird in den Kneipen am Bosporus noch tagelang diskutiert werden. Vielleicht nicht wegen der Schönheit des Spiels, aber ganz sicher wegen der Geschichten, die es schrieb.

04.03.643987 22:10
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