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Wenn der Teufel los ist, dann richtig. 45.052 Zuschauer im Old Trafford - pardon, "Devils Stadium" - sahen am Samstagabend zum Saisonauftakt der 1. Liga England eine rotglühende Vorstellung der Manchester Devils. Das 5:1 gegen den tapferen, aber überforderten Außenseiter Tiverton Town war weniger Spiel, mehr Machtdemonstration. Schon nach neun Minuten brannte die Luft: Rechtsverteidiger Jacinto Alvaro - sonst eher fürs Grätschen zuständig - stürmte beherzt nach vorn, bekam den Ball von Jamie Kirwan und drosch ihn mit der Wucht eines Presslufthammers unter die Latte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Alvaro später schelmisch, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Doch Tiverton, das in den ersten 20 Minuten erstaunlich mutig auftrat, kam tatsächlich zurück. Nach einer Ecke köpfte Innenverteidiger Marcio Figo in der 26. Minute den Ausgleich - und zwar mit einer Entschlossenheit, die man sonst nur bei Leuten sieht, die den letzten Bus nach Hause erwischen wollen. "Da hab ich kurz geglaubt, wir können hier was reißen", meinte Coach Andi Lipa. Der Traum währte exakt zwei Minuten. Denn dann trat Tobias Ludwig, der bullige Innenverteidiger der Devils, plötzlich als Torjäger in Erscheinung. Wieder war Kirwan der Passgeber, wieder zappelte das Netz. 2:1 - und der Rest des Abends gehörte nur noch den Roten. Zur Pause hielt Tiverton immerhin noch mit, das 51:49-Prozent-Ballbesitzverhältnis täuschte über den wachsenden Klassenunterschied hinweg. Doch nach dem Seitenwechsel überrollte Manchester den Gegner. 21 Torschüsse standen am Ende zu Buche, und fast jeder roch nach Gefahr. In der 53. Minute war es Mittelstürmer Mika Kuqi, der nach einer Vorlage von - man ahnt es - Ludwig das 3:1 erzielte. Kuqi, ein bulliger Finne mit der Eleganz eines Schneepflugs, kommentierte trocken: "Ich schieße nicht oft schön, aber meistens rein." Danach ging’s Schlag auf Schlag. In der 76. Minute bediente Kuqi seinen Sturmpartner Asen Christow, der aus spitzem Winkel das 4:1 machte. Zwei Minuten später revanchierte sich Christow und legte Kuqi das 5:1 auf. Tiverton wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Boxer, der längst angezählt ist, aber trotzdem noch versucht, die Handschuhe zu heben. Trainer Reto Klopfenstein war nach dem Schlusspfiff die Ruhe selbst: "Wir haben noch einiges zu verbessern. Fünf Tore sind schön, aber ich hätte gern, dass wir mal zu null spielen." Ein Satz, der wohl nur von einem Mann kommen kann, dessen Team gerade mit fünf Buden in die Saison startet. Ganz anders die Stimmung bei Gästecoach Lipa. Er stand nach der Gelb-Roten Karte für Thomas Lockwood (87.) mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wolle er sich selbst daran hindern, das Feld zu betreten. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen lernen, wie man gegen den Teufel spielt. Das war heute eine teuflisch gute Lehrstunde." Die letzten Minuten plätscherten dahin, einzig ein junger Marcus Steffens durfte bei den Devils noch ein paar Minuten Erstligaluft schnuppern - und prompt zwei Torschüsse abgeben. "Er hätte fast das sechste gemacht", grinste Kuqi später und klopfte dem 20-Jährigen auf die Schulter. Auch wenn die Statistik - 51,4 Prozent Ballbesitz für Manchester, 48,6 für Tiverton - ein ausgeglichenes Spiel suggeriert: In Wahrheit war das eine Demonstration von Tempo, Präzision und eiskalter Effizienz. Tiverton kam auf vier magere Torschüsse, von denen einer drin war - der Rest war wohl eher freundliche Mitarbeit für die Torwart-Statistik von Devils-Keeper George Boyle. "Wir haben alles gegeben, aber sie spielen in einer anderen Liga - und das leider wörtlich", kommentierte Tivertons Kapitän Yves Abbadie mit Galgenhumor. Das Publikum feierte seine Mannschaft mit stehenden Ovationen, während die Stadionregie passenderweise ein Lied über Feuer und Schwefel anspielte - Symbolik, die kaum passender hätte sein können. So endet der erste Spieltag mit einem klaren Fingerzeig: Die Manchester Devils sind heiß, hungrig und offenbar schon in Frühform. Tiverton Town hingegen wird sich in den kommenden Wochen eher mit Wasser als mit Feuer beschäftigen müssen - Löschübungen inklusive. Und irgendwo im Katakombengang des Stadions hörte man den jungen Jacinto Alvaro noch lachen: "Wenn ich jetzt öfter treffe, will ich Stürmer spielen!" - eine Forderung, die Trainer Klopfenstein wohl mit einem vielsagenden Kopfnicken quittierte. Für die Fans jedenfalls war’s ein Auftakt nach Maß - und für die Konkurrenz eine Warnung: Der Teufel schläft nicht. 29.05.643990 23:40 |
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