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Wenn 52.363 Zuschauer an einem lauen Aprilabend ins St. Mary’s Stadium pilgern, dann hoffen sie auf Spektakel. Bekommen haben sie eines - allerdings mit dem falschen Ende aus Sicht der Heimfans. Die London Blues entführten beim 2:1 (1:0) gegen den FC Southampton nicht nur drei Punkte, sondern auch die gute Laune der Südküste. Dabei hatte Southampton die Partie munter begonnen, fast übermütig sogar. Schon in der ersten Minute prüfte Manuel Tiago den Blues-Keeper Franck Besserer mit einem satten Schuss - der Beginn einer Reihe verheißungsvoller, aber folgenloser Offensivaktionen. "Wir wollten früh zeigen, dass wir den Ton angeben", erklärte Trainer Michael Böning später, "leider war es dann eher ein sanftes Pfeifen als ein Donnerhall." In der 21. Minute zeigte sich einmal mehr die alte Fußballweisheit: Wer vorne nicht trifft, kriegt ihn hinten. Der flinke Önder Bilgin flankte von rechts, und Marco Doreste rauschte heran wie ein Expresszug ohne Bremse - 0:1 für die London Blues. Die Gäste jubelten, Southampton schaute betreten. "Ich habe nur den Schatten gesehen", stöhnte Innenverteidiger Carles Ordono, der kurz vor der Pause auch noch Gelb sah, "und dann lag der Ball schon hinter Brandon." Gemeint war Keeper Brandon Lithgow, der zwar tapfer flog, aber eben doch zu spät kam. Die Blues spielten das clever herunter, offensiv, aber ohne Hektik. Guido Träger, der Coach der Londoner, stand an der Seitenlinie mit verschränkten Armen und sah aus, als würde er gerade ein Schachspiel gewinnen. "Wir wussten, dass Southampton Räume lässt", grinste er nach dem Spiel, "und Marco hat sie mit der Landkarte gefunden." Nach dem Seitenwechsel drehte sich das Bild. Southampton kam wütend aus der Kabine, stellte auf aggressives Pressing um - und endlich zahlte sich die Mühe aus. In der 52. Minute segelte eine Flanke von Verteidiger Carles Ordono in den Strafraum, wo Tiago hochstieg und per Kopf das 1:1 markierte. Das Stadion explodierte, Böning sprang wie ein Gummiball an der Seitenlinie. "Da war Feuer drin, die Jungs haben geglaubt", sagte er später mit rauer Stimme. Doch während Southampton weiter drückte, schlug wieder Doreste zu. In der 71. Minute konterten die Blues blitzsauber: Ivan Basa legte quer, Doreste blieb eiskalt - 1:2. Zwei Chancen, zwei Tore, ein Albtraum für jede Abwehr. "Ich hab einfach geschossen", sagte der Doppeltorschütze bescheiden, "wenn man zu viel nachdenkt, landet der Ball auf der Tribüne." Die Schlussviertelstunde war dann eine Mischung aus Drama und Verzweiflung. Southampton warf alles nach vorne, die Statistiken sprechen Bände: 52,6 Prozent Ballbesitz, 10 Torschüsse - und doch kein Happy End. Meir Pizanti verzog in der 85. Minute knapp, Gabriel Nilsson scheiterte in der 90. an Besserer, der seinem Namen endlich gerecht wurde. Die Blues verteidigten leidenschaftlich, manchmal auch rustikal - Francois Kinmont holte sich in der 80. Gelb ab, wohl als Souvenir für ein taktisches Foul, das in London vermutlich Applaus bekommt. Trainer Böning wechselte verzweifelt durch - Tiago runter, Hennessy drauf, später noch der junge Dusko Pantelic. Aber egal, wer kam, der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Auf der Gegenseite nahm Träger Zeit von der Uhr, brachte frische Beine, ließ seine Jungs tief stehen. "Wir haben es wie Gentlemen zu Ende gespielt", meinte er mit einem Lächeln, bei dem man nicht sicher war, ob es Ironie oder britischer Humor war. Am Ende blieb Southampton nur der Applaus der eigenen Fans - und die Erkenntnis, dass man auch mit ansehnlichem Fußball verlieren kann. Die Blues dagegen tanzten auf dem Rasen, denn mit dem Sieg am 3. Spieltag der 1. Liga England klettern sie in der Tabelle nach oben. "Es war kein schlechtes Spiel", sagte Böning in der Pressekonferenz und sah dabei aus, als wolle er sich selbst überzeugen. "Aber am Ende zählen Tore - und Marco Doreste hatte heute einfach zwei mehr Gründe zu lächeln." Vielleicht war das die treffendste Zusammenfassung eines Abends, an dem Southampton viel richtig machte, aber die falschen trafen. Und irgendwo in den Katakomben hörte man Doreste noch lachen: "Zweimal schießen, zweimal treffen - das ist doch effizienter als Steuererklärung." Da konnte selbst der Stadionsprecher nur schmunzeln. 14.04.643997 11:37 |
Sprücheklopfer
Die Hitze kann für die deutschen Spieler sogar ein Vorteil sein. An einem Urlaubsort sieht man in der Mittagshitze auch immer nur Deutsche draußen, also kommen wir mit der Temperatur sogar besser zurecht.
Erich Ribbeck