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Es war ein lauer Sommerabend in Goiânia, aber auf dem Rasen des Estádio Antônio Accioly loderte ein Feuer, das selbst den brasilianischen Januar zum Glühen brachte. 57.536 Zuschauer sahen, wie Dragon Goianiense am 7. Spieltag der 1. Liga Brasilien den Traditionsklub CF Flamengo mit 5:0 aus dem Stadion fegte - und das mit einer Mischung aus Spielfreude, Effizienz und einem Hauch von Unverschämtheit. Trainer Fabian Dietz stand nach Abpfiff mit einem breiten Grinsen vor den Kameras. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr schon Drachen heißt, dann spuckt bitte Feuer. Offenbar haben sie mich wörtlich genommen", lachte der Deutsche, während hinter ihm die Fans "Dragão! Dragão!" skandierten. Schon früh war klar: Hier brennt was. Nach einer Viertelstunde hatte Flamengo zwar mehr Ballbesitz, aber kaum Durchschlagskraft. Stattdessen konterte Dragon Goianiense über die Flügel - genau so, wie es die taktischen Notizen verrieten. In der 18. Minute schickte David Beaulieu den pfeilschnellen Taru Kolkka steil, der Finne enteilte der Abwehr und schob eiskalt zum 1:0 ein. "Ich hab den Ball gesehen und nur gedacht: Lauf, Taru, lauf!", grinste Beaulieu später. Und er lief. Und traf. Und Flamengo taumelte. Zehn Minuten später traf Innenverteidiger Louis Blum nach einer Ecke von Rui Djalo zum 2:0 - ein wuchtiger Kopfball, der selbst den Pfosten erzittern ließ. Dass Blum in der 45. Minute noch Gelb sah, störte niemanden. "Wenn du 2:0 führst, darfst du auch mal rustikal klären", kommentierte Djalo trocken. Spätestens beim 3:0 durch Kolkka in der 41. Minute glaubte keiner mehr an ein Comeback der Gäste. Rechtsaußen Agemar Pauleta hatte mustergültig aufgelegt, und Kolkka vollendete mit der Souveränität eines Mannes, der offenbar beschlossen hatte, heute einfach alles zu treffen. Zur Pause war das Spiel praktisch entschieden - und Flamengo-Trainer Dino Ma starrte auf seinen Notizblock, als suche er dort ein Gegenmittel gegen Drachenfeuer. "Wir wollten offensiv bleiben", erklärte Ma später, "aber irgendwann war jeder Konter ein kleiner Albtraum." Seine Worte klangen wie eine höfliche Umschreibung für: Es war ein Desaster. Zwar hatte Flamengo über 54 Prozent Ballbesitz und zwölf Torschüsse, doch was nützt all das, wenn der Gegner sechzehnmal gefährlicher abschließt - und fünfmal trifft? Nach der Pause ging das Spektakel weiter. In der 48. Minute belohnte sich Rui Djalo selbst für sein starkes Spiel, nachdem er einen Abpraller von Louis Blum aus zehn Metern in die Maschen drosch. Der Jubel war ohrenbetäubend. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Djalo hinterher, "aber der Ball hatte andere Pläne." In der 58. Minute machte David Beaulieu dann alles klar: Nach einer Ecke von Isidoro Garcia stieg er am höchsten und köpfte das 5:0. Es war der Moment, in dem selbst die Flamengo-Fans aufhörten zu pfeifen - und einfach nur noch fassungslos klatschten. Fabian Dietz wechselte klug, brachte den 17-jährigen Frederic Schrader für den verwarnten Blum und später den ebenfalls 17-jährigen Nuno Assis. "Das war kein Mitleid für Flamengo", witzelte Dietz, "ich wollte nur sehen, ob auch die Jugend Feuer spucken kann." Flamengo hingegen wechselte den Torwart - der 18-jährige Marcio Vaz musste in der 62. Minute dem erfahreneren Curt Binder weichen. Binder parierte zwar noch zwei Schüsse glänzend, verhinderte aber auch nicht mehr als Kosmetik. Nach Abpfiff standen die Spieler von Dragon Goianiense Arm in Arm vor der Kurve und sangen. In der Pressekonferenz grinste Taru Kolkka verschmitzt: "Fünf Tore sind schön. Aber das Beste war, dass mein Vater extra aus Finnland gekommen ist - und jetzt glaubt, Brasilien sei mein zweites Zuhause." Fabian Dietz fasste das Ganze schließlich mit typisch trockenem Humor zusammen: "Wir hatten heute weniger Ball, aber mehr Spaß. Und wer Spaß hat, gewinnt meistens." Flamengo-Coach Dino Ma nickte nur: "Manchmal ist Fußball einfach grausam - und schön, wenn man auf der anderen Seite steht." Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt: nicht, weil Dragon Goianiense taktisch brillierte - sondern weil sie den Mut hatten, einfach draufzuhalten. ANYTIME, wie es in der Taktik hieß. Und manchmal ist genau das das Erfolgsrezept. Fazit dieses Abends? Wenn Drachen Feuer spucken, bleibt selbst ein Riese wie Flamengo nur der Trost, dass verbrannte Erde irgendwann wieder grün wird. Bis dahin aber darf Goiânia feiern - und das Stadion riecht noch immer ein wenig nach Schwefel und Triumph. 29.03.643987 17:32 |
Sprücheklopfer
Mir ist es egal, ob es ein Brasilianer, Pole, Kroate, Norddeutscher oder Süddeutscher ist. Die Leistung entscheidet, nicht irgendeine Blutgruppe.
Christoph Daum