// Startseite
| Irish Sports |
| +++ Sportzeitung für Irland +++ |
|
|
|
Dublin, 7. Januar 2026 - Es war einer dieser Abende, an denen der Fußballgott offenbar grün trägt. Die Dublin Rovers feierten vor 37.614 Zuschauern einen 3:0-Heimsieg gegen die Galway Reds - und das, obwohl sie weniger Ballbesitz hatten, ein Mann weniger waren und ihr Innenverteidiger James Kirwan erst Gelb und später Gelb-Rot kassierte. Kurz gesagt: Dublin spielte clever, Galway spielte hübsch - aber hübsch verliert eben manchmal deutlich. Kaum hatte Schiedsrichter O’Connor angepfiffen, da bebte das Stadion schon. Die Uhr zeigte gerade einmal die erste Minute, als der 17-jährige Bailey Miller, das neue Wunderkind von der linken Seite, einen Pass von Thomas McGee aufnahm, sich einmal um die eigene Achse drehte und den Ball eiskalt in den Winkel schlenzte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Miller später mit rotem Kopf. Trainer Paul Abramowich lachte nur: "Dann soll er bitte öfter flanken." Die Galway Reds schienen vom frühen Rückstand paralysiert. Sie hielten den Ball über weite Strecken - 56 Prozent Ballbesitz sprechen eine klare Sprache -, aber sie wussten herzlich wenig damit anzufangen. Vier Torschüsse in 90 Minuten sind schließlich kein Bewerbungsschreiben für die Geschichtsbücher. "Wir hatten den Ball, aber keine Idee", murmelte Reds-Coach Jacob Lithgow, der seinen Notizblock am Ende des Spiels demonstrativ in den Rasen steckte. "Vielleicht wächst daraus ja was fürs Rückspiel." In der 24. Minute folgte der nächste Nadelstich: Rechtsverteidiger Ewan Kinsella, sonst eher bekannt für taktische Fouls als für Tore, zog nach feinem Zuspiel von Evan Beglin einfach mal ab. Der Ball zischte flach ins lange Eck - 2:0. Der Torjubel war so ungläubig, dass selbst Kinsella kurz innehielt, als wolle er fragen: "War das wirklich ich?" Galway mühte sich, kam aber kaum gefährlich vor das Tor von Roman Bürki, dem 17-jährigen Keeper der Rovers. Der Junge parierte souverän, als wäre er schon ewig dabei. "Ich musste mich kaum bücken", witzelte er, "unsere Abwehr hat mir den Abend leicht gemacht - bis Kirwan meinte, er müsse noch etwas Farbe ins Spiel bringen." Damit spielte Bürki auf die Szene in der 75. Minute an: Innenverteidiger James Kirwan, bereits verwarnt, grätschte Lewis Longfellow rustikal um. Der Schiedsrichter zog ohne Zögern Gelb-Rot. Kirwan stapfte vom Feld und rief dabei angeblich: "Ich wollte nur den Ball - aber der Ball wollte nicht mich." Trainer Abramowich nahm’s mit britischem Humor: "Er hat Leidenschaft. Leider manchmal mehr als nötig." Doch selbst in Unterzahl ließen die Rovers nichts anbrennen. Im Gegenteil: In der 61. Minute machte Pedro Makukula den Deckel drauf. Nach schöner Vorarbeit von Mateja Trkulja vollendete der bullige Mittelstürmer zum 3:0. Galway war zu diesem Zeitpunkt längst eine Mannschaft ohne Glauben, ohne Durchschlagskraft, ohne alles. "Wir haben sie laufen lassen", erklärte Makukula später grinsend. "Wenn man weniger Ballbesitz hat, hat man mehr Luft für Tore." Eine Logik, die Abramowich vermutlich sofort in sein Trainingskonzept übernehmen wird. Die letzten Minuten verliefen friedlich: ein paar harmlose Schüsse, ein paar verzweifelte Flankenversuche. Der Trainer der Rovers nutzte die komfortable Führung, um gleich dreimal zu wechseln - Michael Giles kam für O’Halloran, Maxim Skworzow ersetzte Beglin, und der 18-jährige Christopher Houghton durfte für Makukula ran. Frisches Blut für die Zukunft, wie Abramowich später stolz betonte: "Wenn man 3:0 führt, kann man ruhig mal die Teenager loslassen. Die beißen wenigstens noch." Statistisch gesehen war das Spiel eine kleine Ironie des modernen Fußballs. Galway hatte mehr Ballbesitz, Dublin traf dreimal. Galway spielte gepflegter, Dublin entschlossener. Und während die Reds in Schönheit starben, feierten die Rovers einen Arbeitssieg mit Witz und jugendlichem Überschwang. "Wir haben heute gelernt, dass Effektivität schöner ist als Eleganz", meinte Galway-Kapitän Ingmar Overgaard und schaute dabei so, als hätte er gerade einen besonders bitteren grünen Smoothie erwischt. Am Ende applaudierte das Publikum minutenlang - nicht nur für die drei Punkte, sondern auch für die unbekümmerte Art, mit der die Rovers Fußball zelebrierten. Ein 17-Jähriger trifft, ein Verteidiger überrascht, ein Platzverweis wird mit Humor genommen - Dublin war an diesem Abend mehr als nur Sieger. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn die so weitermachen, muss ich nächste Woche wiederkommen - auch wenn’s regnet." Und wer weiß: Vielleicht wächst in Dublin gerade eine Generation heran, die nicht nur Tore schießt, sondern Geschichten schreibt. Dieses 3:0 war jedenfalls eine, die man sich noch eine Weile erzählen wird - mit einem Augenzwinkern und einem Pint in der Hand. 29.03.643987 14:02 |
Sprücheklopfer
Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen.
Franz Beckenbauer