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Es war einer dieser irischen Fußballabende, an denen der Ballbesitz wie ein warmer Guinness klingt: schön anzuschauen, aber am Ende bleibt man trotzdem nüchtern. 38.757 Zuschauer im Richmond Park sahen St. Patricks Athletic mit 57 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüssen - und dennoch mit leeren Händen. Dublin United konterte, grinste und gewann mit 2:1. Schon in Minute 22 nahm das Unheil für die Hausherren seinen Lauf. Alberto Pacos, der junge Mittelstürmer mit dem Charme eines Straßenfußballers aus Lissabon, nutzte den ersten ernsthaften Angriff der Gäste eiskalt. Nach Vorarbeit von Elliot Kelly schlenzte er den Ball ins lange Eck - so präzise, dass selbst der Torwart Javi Miguel nur resigniert die Handschuhe zusammenschlug. "Ich dachte, er schießt in die Wolken", seufzte Miguel später, "aber offenbar hat er den Himmel anvisiert - und getroffen." Trainer Thomas Rumpelt von St. Patricks gestikulierte an der Seitenlinie wild, als wolle er den Ball mit purer Willenskraft zurück ins gegnerische Tor befördern. Seine Mannschaft spielte, kombinierte, suchte geduldig den perfekten Moment - und fand ihn erst spät. Dublin United dagegen stand tief, lauerte, grinste. "Wir wussten, sie mögen den Ball. Wir mögen Tore", sagte Ronaldo McDonald, der Gäste-Coach, mit einem Zwinkern nach dem Spiel. Nach dem Seitenwechsel brachte McDonald mit Harry Cantwell frische Power in den Sturm. Cantwell, ein bulliger Mittelstürmer, der aussieht, als würde er lieber Rugby spielen, belebte die Offensive und bereitete später entscheidend vor. Zunächst aber durfte St. Patricks kurz hoffen: In der 68. Minute spielte Rechtsverteidiger Javi Zubiaurre einen dieser Bälle, bei denen man denkt, er sei zu steil - bis Pascal Wyler auftaucht, ihn erläuft und trocken ins Eck schiebt. 1:1, und der Richmond Park explodierte. "Da dachte ich, jetzt drehen wir’s!", rief Wyler lachend in die Kameras. Es war der Moment, in dem die Fans ihre Schals wie Propeller schwangen. Doch Fußball hat bekanntlich Humor - meist schwarzen. Nur drei Minuten später, in der 71. Minute, antwortete Dublin United mit britischer Kälte: Cantwell tankte sich durch, legte quer, und Cesar Maniche drosch den Ball in die Maschen. 2:1. Der Jubel der Gäste klang wie ein lautes "Told you so". Maniche, später noch mit Gelb bedacht, grinste nach Schlusspfiff: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber wenn’s so reingeht, beschwert sich keiner." Die letzten zwanzig Minuten waren ein einziges Anrennen. Leon Delap schoss in der 90. Minute aus spitzem Winkel, Pascal Wyler probierte es in der Nachspielzeit - beide Male war United-Keeper Christopher Ireland zur Stelle, als hätte er Spiderman-Gene. Rumpelt war danach hörbar frustriert: "Wir hatten Kontrolle, Chancen, alles. Außer das Ergebnis." Statistisch gesehen hätte es anders ausgehen können: 57,8 Prozent Ballbesitz, mehr Schüsse, höhere Zweikampfquote. Doch Dublin United spielte, als hätten sie ein unsichtbares Drehbuch in der Tasche - eines, das besagt: "Weniger ist mehr." Und manchmal ist das alles, was man braucht. Während die Heimfans kopfschüttelnd das Stadion verließen, scherzte ein Zuschauer: "Wir hätten noch eine Stunde spielen können und nur das Tornetz getroffen." Vielleicht war das gar nicht so weit hergeholt. Dublin United dagegen feierte ausgelassen. Trainer McDonald umarmte jeden seiner Spieler, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Wir sind keine Ballkünstler, wir sind Ballkiller", sagte er grinsend. "Wenn du weniger hast, musst du klüger sein." St. Patricks Athletic dagegen bleibt das Sinnbild einer Mannschaft, die alles richtig macht - bis auf das, was zählt. Rumpelt versprach Besserung: "Wir werden weiter so spielen. Irgendwann wird das Glück zurückzahlen." Vielleicht. Aber an diesem Sommerabend in Dublin hatte das Glück eindeutig ein rotes Trikot - das von Dublin United. Und irgendwo in der Kabine summte Torwart Ireland leise vor sich hin: "Zwei Schüsse, zwei Tore - klingt nach einem guten Deal." Vielleicht hat er recht. Fußball ist manchmal einfach nur ein Geschäft mit Emotionen, und Dublin United hat an diesem Abend klug investiert. 04.08.644003 19:56 |
Sprücheklopfer
Ich weiß nicht, ob ich bis dahin schon wieder laufen kann.
Mario Basler auf die Bitte des Bayerischen Fernsehens, ob er am Montag Studiogast in Blickpunkt Sport sein wolle