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Ein lauer Abend in Durango, 56.011 Zuschauer, ein Spiel, das sich anfangs nach mexikanischem Hochsommer-Fußball anfühlte: schön anzusehen, aber mit Hitzeschwankungen. Am Ende stand ein knappes, aber verdientes 1:0 für CD Cruz Azul gegen kämpfende, aber harmlose Alacranes Durango. Der einzige Treffer fiel bereits in der 15. Minute - und das war sinnbildlich für den weiteren Spielverlauf. Cruz Azul begann forsch, als hätte Trainer Chucky Mandu seinen Spielern vor dem Anpfiff gesagt: "Wenn ihr’s in der ersten Viertelstunde nicht regelt, gibt’s nur Wasser zum Abendessen." Schon in der 2. Minute prüfte Stürmer René Simard den Durango-Keeper György Filkor mit einem strammen Schuss, und nur vier Minuten später zog der flinke Adam Matusiak aus der zweiten Reihe ab. Noch hielt Durango dagegen. Doch dann kam Humberto Gallardo - der Mann, der offenbar keine Nerven kennt. Nach einem präzisen Pass von Andrew Hunt zog der 25-jährige Rechtsaußen ab und traf trocken zum 0:1. Filkor streckte sich vergeblich, der Ball zappelte schon im Netz. "Ich hab nur gedacht: endlich!", grinste Gallardo später. "Andrew hat den Ball perfekt abgelegt - ich musste nur noch schießen. Und ja, diesmal war er drin, nicht drüber." Trainer Mandu nickte daneben zufrieden: "Wir wollten früh Druck machen. Das hat funktioniert, danach hätten wir den Sack zumachen müssen - aber gut, ein Tor reicht ja, wenn man’s clever spielt." Das taten die Gäste durchaus. Mit 55 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüssen hielten sie Durango beständig in Atem. Die Alacranes kamen zwar hin und wieder vor das Tor, aber ihre sechs Abschlüsse blieben ungefährlich. Arnau Pacos versuchte es aus der Distanz (10. und 23. Minute), Pedro Triguero verzog freistehend (16.), Rui Bischoff prüfte in der Schlussphase den Keeper Alkinoos Katranas - der den Ball sicher hielt und anschließend lässig an der Trikotnaht zupfte, als wolle er sagen: "Nicht mit mir, amigos." Durangos Trainer Manni Kaltz, ein Mann, der schon beim Einlaufen aussah, als rechne er mit einem langen Abend, blieb erstaunlich ruhig. "Wir wollten kompakt stehen und auf unsere Chancen warten", erklärte er. "Aber wenn du in der 15. Minute hinten liegst, musst du umlernen. Wir haben’s versucht - nur, der Ball wollte nicht rein." Dann fügte er mit einem schiefen Lächeln hinzu: "Vielleicht war’s auch einfach ein schlechter Tag zum Stechen für Skorpione." In der zweiten Halbzeit drehte Durango tatsächlich etwas auf. Manni Kaltz schickte in der 63. Minute den bulligen Antonio Bosingwa nach vorn und brachte kurz vor Schluss noch Vincent de Silva und Carles Frechaut - ein letzter Versuch, die Defensive von Cruz Azul zu knacken. Doch die Gäste blieben stabil. Innenverteidiger Jeremei Klimowitsch räumte kompromisslos ab, was in den Strafraum kam, und Keeper Katranas pflückte die wenigen Flanken wie Mangos vom Baum. Derweil wechselte Mandu auf Zeit und Sicherheit: Ab der 78. Minute kam Pedro Bermudez für den ausgepowerten Matusiak, später Kafka für Aas und in der Nachspielzeit sogar noch Ersatzkeeper Lionel Eusebio - ein seltenes Schauspiel. "Das war kein Zeichen von Arroganz", erklärte Mandu nachher mit einem Augenzwinkern. "Ich wollte nur, dass Eusebio auch mal ein bisschen Rasen riecht." Cruz Azul drückte bis zuletzt, schoss noch in der 90. und 91. Minute aufs Tor - Gallardo, dann Hunt, beide Male knapp vorbei. Doch es reichte. Die Gäste nahmen drei Punkte mit, während Durango ratlos auf die Anzeigetafel starrte. 0:1. Ein Tor, das früh fiel und nie mehr infrage stand. Statistisch war alles klar: 16:6 Torschüsse, 53,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Cruz Azul. Durango kämpfte, rannte, presste, aber es fehlte die Präzision. Selbst der Stadionsprecher klang am Ende leicht resigniert, als er den Endstand verkündete - und ein paar Fans applaudierten höflich, als hätte man ihnen einen ordentlichen, aber nicht ganz überzeugenden Western gezeigt. "Wir haben heute gelernt, dass Ballbesitz nicht alles ist", meinte Gallardo später lachend. "Aber ein Tor schon." Trainer Kaltz schüttelte den Kopf, als er das hörte, und murmelte: "Der Junge hat’s verstanden. Leider spielt er nicht bei uns." So endete ein Spiel, das keine Glanzlichter, aber ehrliche Arbeit bot. Cruz Azul zeigte Routine und Effizienz, Durango Herz und Frust. Und als die Lichter im Stadion langsam erloschen, blieb nur das Summen der Flutlichtmasten und die Erkenntnis: Wer früh trifft, kann früh schlafen gehen. 06.03.643987 07:26 |
Sprücheklopfer
Wozu braucht meine Mannschaft Doping? Sie hat ja mich.
Otto Rehhagel