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Es war der erste Spieltag der Oberliga C, ein frostiger Samstagabend in Berlin, und die 2966 Zuschauer im altehrwürdigen Dynamo-Stadion dürften ihr Kommen nicht bereut haben. Dynamo Berlin besiegte den SV Kornwestheim mit 2:1 (1:1) - ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet knapp klingt, aber eine Geschichte voller Dramatik, jugendlicher Unbekümmertheit und gelb-roter Aufregung erzählt. Die Berliner begannen, wie man es von einem Team unter Tim Ancelotti erwarten darf: offensiv, über die Flügel, mit viel Schwung, aber nicht immer mit Plan. Schon in der fünften Minute prüfte Marco Ferrer den Kornwestheimer Keeper Elias Fischer - und der musste früh zeigen, dass er nicht zum Sightseeing in die Hauptstadt gereist war. Ferrer, 20 Jahre jung und mit der Selbstsicherheit eines Straßenfußballers, bekam später seine Belohnung: In der 38. Minute vollendete er nach feinem Zuspiel von Andreas Gebhardt zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass keiner pfeift", grinste Ferrer hinterher, als er sich noch die Eispackung auf den Oberschenkel drückte. Trainer Ancelotti kommentierte das Tor trocken: "Das war so gewollt. Also fast." Doch die Freude währte kurz. Kornwestheim, von Oskar Schäfer auf kontrollierten Ballbesitz getrimmt (57 Prozent über das ganze Spiel), ließ sich nicht beirren. Hanns Hafner, der bullige Linksaußen der Gäste, traf kurz vor der Pause (45.) zum Ausgleich, nach schöner Vorarbeit von Günter Kunze. "Da haben wir kurz vergessen, dass Halbzeitpfiff noch nicht heißt: Füße hochlegen", grantelte Ancelotti später. Die zweite Hälfte begann mit einem gelben Donnerwetter: Kusma Selepukin, Berlins junger Linksverteidiger, sah in der 46. Minute Gelb und kassierte 20 Minuten später auch noch Gelb-Rot - eine klassische Kombination aus jugendlichem Übermut und taktischer Naivität. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", erklärte Selepukin kleinlaut. Sein Trainer hob die Augenbrauen: "Das hat er geschafft." Doch genau in dieser Phase zeigten die Berliner, warum Fußball eben kein Schönheitswettbewerb ist. In Unterzahl und gegen den Ballbesitz-Giganten aus Kornwestheim fand der 34-jährige Routinier David Fontàs in der 67. Minute die perfekte Antwort: ein trockener Schuss aus der zweiten Reihe, vorbereitet von - man glaubt es kaum - eben jenem Selepukin, der kurz darauf in die Kabine geschickt wurde. Ironie des Spiels, in Reinform. "Ich hab den Ball einfach kommen sehen und gedacht: Jetzt oder nie", sagte Fontàs. "Und na ja - eher jetzt." Sein Treffer zum 2:1 war der Moment, in dem das Stadion erwachte. Die Dynamo-Fans sangen sich heiser, während Kornwestheim mit wütenden Angriffen antwortete. Hafner, Johnsen und Safaric probierten es reihenweise, doch Torwart Samuel Devaney hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was eigentlich unhaltbar schien. Kornwestheim kam am Ende auf 14 Torschüsse, Dynamo auf 12. Der Unterschied lag in der Effizienz - und vielleicht im Schicksal. In der 83. Minute hatte Hafner noch einmal den Ausgleich auf dem Fuß, aber Devaney fischte den Ball aus dem Winkel wie ein Mann, der seine Miete noch nicht bezahlt hat. Als Schiedsrichter Weber nach 94 Minuten abpfiff, fiel Ancelotti seinem Co-Trainer um den Hals, während Schäfer kopfschüttelnd auf die Statistik starrte. "Das war ein Spiel, das wir hätten gewinnen können, wenn…", begann er, hielt inne und lachte dann: "…wenn Fußball gerecht wäre. Aber wer will das schon?" Mit einem Ballbesitzvorteil, aber ohne Punkte trat Kornwestheim die Heimreise an. Dynamo hingegen jubelte mit zehn Mann - ein Auftakt nach Maß, wenn auch mit Schweißperlen auf der Stirn. Im Presseraum fasste Ancelotti das Geschehen zusammen: "Wir haben gezeigt, dass wir auch mit weniger Spielern mehr Spaß haben können." Und Fontàs, der Held des Abends, fügte hinzu: "Ich bin 34, aber wenn’s so weitergeht, fühl ich mich bald wieder wie 24. Nur die Knie erinnern mich dann an mein Alter." So endete ein Spiel, das alles bot: Tore, Karten, Drama und Berliner Humor. Die Oberliga C hat ihren ersten kleinen Klassiker - und Dynamo Berlin drei Punkte, die sich anfühlen wie sechs. Und irgendwo in der Kabine summte einer leise: "Hauptsache gewonnen." 29.05.643990 23:30 |
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